Wilfried Beiersdorf +

Leider ist die Zeitreise von Wilfried Beiersdorf im Februar 2012 zu Ende gegangen. Zum Gedenken an ihn bleibt dieser Blog als sein virtuelles Vermächtnis so, wie er ihn verlassen hat.

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Film-Zeitreise: Bottroper City-Umbau 2002.

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1. Januar 2002. Das Euro/Teuro-Zeitalter hat begonnen: “Billiger” Sprit. Schlangen in Banken. Lustloser Markt.

“Preisschwund” über Nacht: Die letzten DM-Sprit-Preise, die ersten Euro-Preise.

Geldautomaten spucken das druckfrische Geld aus…

…dennoch bilden sich Schlangen in und vor den Banken.

Einige Banken wehren sich wegen des Andrangs gegen “feindliche” Kunden.

Der erste Wochenmarkt in der Euro-Ära auf dem Berliner Platz wirkt eher lustlos. Das neue Geld ist gewöhnungsbedürftig.

 

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Ein gutes neues Jahr wünscht “Bottroper Geschichte – ganz frisch”. Dazu Fotos von Silvester 2010.

Silvester 2010: Feuerwerk am Tetraeder (Montage).

Silvester 2010: Eisbär (Typ Bottrop).

Silvester 2010: Spuren im Schnee.

Silvester 2010: Winter-Idylle Bottrop.

Silvester 2010: Ehrenpark. Der Schnee deckt Alles gnädig zu.

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28. Dezember 2001: Noch 4 Tage bis zum Euro/Teuro-Zeitalter. Bottroper Schnappschüsse: Die allerletzten D-Mark-Preise.

Der 28. Dezember 2001, ein Freitag, ist ein Schnee-Schmuddelwetter-Tag. In der Bottroper Innenstadt herrscht dezente Hektik. Unabhängig vom Alltagsgeschäft haben Banken und Läden viel mitzuteilen. Kaum ein Schaufenster, in dem nicht irgendein Zettel oder Plakat hängen: Hier gibt es eine Mitteilung zu den veränderten Öffnungszeiten im Zug der Geldumstellung auf den Euro, dort werden letzte D-Mark-Sonderangebote angepriesen oder schon die neuen Euro-Preise (mit ganz chaotischen D-Mark-Preisen) verkündet. Wer sich am 17. Dezember eines der 50 Millionen Starter-Kits für 20 DM zugelegt hat, kann die darin enthaltenen Euro sogar schon ausgeben: Viele Automaten nehmen die neuen Münzen bereits vor dem offziellen Startschuss am 1. Januar an.

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Großbrand vernichtet Bus-Depot der Vestischen. Ein Viertel der Bus-Flotte verbrannt. Depot wurde vor 33 Jahren eröffnet.

Der 26. Juli 1978 ist für die  Vestische Straßenbahnen GmbH ein wichtiger Tag: An der Hiberniastraße wird der Bottroper Betriebshof des Hertener Unternehmens eingeweiht. Auch für Bottrop ist dieser innerbetriebliche Strukturwandel ein Schritt in die Zukunft. 2001 wird dort auch das 100-jährige Bestehen des Unternehmens gefeiert (Foto rechts).

Das alte Depot, das 1925 in Citynähe an der Gladbecker Straße entstanden und später durch Bergschäden in Mitleidenschaft gezogen war, wird aufgegeben. Es schafft Platz für ein Hotel und Gastronomie. Im Eigen an der Hiberniastraße wird zugleich ein Teil der Zeche Rheinbaben, ein Jahrzehnt zuvor gegen massive Proteste der Bergleute stillgelegt, jetzt neu genutzt.

Als Ende Juli 1978 rund 250 Beschäftigte der Vestischen ihre neue Arbeitsumgebung erstmals begutachten, stehen sie vor einer großzügig gestalteten Anlage: Das Depot hat   25 000 Quadratmeter und bietet in der 5400 Quadratmeter großen Halle Raum für knapp 100 Busse. Der Neubau zementiert aber auch eine Unternehmensentscheidung: Straßenbahnen haben hier keinen Platz mehr. Mehr dazu HIER.

Heute, nach 33 Jahren, ist wieder ein entscheidender Tag für die Vestische. Aber kein geplanter. Um 6.30 Uhr geht bei der Feuerwehr der Notruf ein, dass das Busdepot brennt (Foto oben). Trotz eines Großeinsatzes mit 100 Feuerwehrleuten ist nichts mehr zu retten. Um 6.47 Uhr bricht die Stromversorgung in der komplett in Flammen stehenden Halle zusammen: Die Uhr an der Fassade bleibt stehen. Rund 60 Busse, die gestern noch auf den Straßen in Bottrop, Gladbeck, Buer und Oberhausen unterwegs waren, sind nur noch Schrott. Das Busdepot fällt zum Teil in sich zusammen. Der Schaden soll nach Angaben von Firmensprecher Norbert Konegen „im zweistelligen Millionenbereich liegen“. Am Abend ist von 17 Millionen Euro die Rede.

Trotz dieses Verlustes, der ein Viertel der rund 230 Busse der Vestischen betrifft, ist das Unternehmen zuversichtlich, den Linienverkehr in Bottrop und Umgebung über Weihnachten ohne Störungen aufrecht erhalten zu können. Dazu wurde ein Notfahrplan erstellt. Wie es ab Dienstag laufen soll, darüber gibt es noch keine Informationen.

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Frohe Weihnachten wünscht “Bottroper Geschichte – ganz frisch”. Dazu Fotos aus der Adventszeit im Jahr 2000.

Vom Himmel hoch verteilt der OB Stutenkerle an das Kindervolk da unten.

Das standfeste Alpin-Center spendiert Schnee für Wintervergnügen auf dem Kirchplatz.

Die Tannenbäume in der Kirchhellener Straße sind auch Heiligabend noch geschmückt.

Die historischen Stadttore an mehreren Stellen in der City halten nur eine Saison durch.

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22. Dezember 2001: Noch 10 Tage bis zum Euro/Teuro-Zeitalter. Zum Wundern und Ärgern: Letzte Bottroper D-Mark-Preise.

Einige der D-Mark-Preise, die Weihnachten vor zehn Jahren in Bottrop von Handel und Gastronomie verlangt wurden, treiben so manchem Verbraucher heute die Tränen in die Augen. Vor Wut. Fünf Brötchen für 1,90 DM – das war umgerechnet knapp ein Euro. Und heute? Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen der Preis-Statistiker ist der Euro in vielen Lebensbereichen zu einem Teuro verkommen.

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19. Dezember 2001: Noch 13 Tage bis zum Euro/Teuro-Zeitalter. Der letzte Sack Kartoffeln für D-Mark und andere Werbung.

Dezember 2001: Das Ende der D-Mark naht. Der Euro kommt. Natürlich wird das auch in Werbung umgemünzt. Vor zehn Jahren tauchen im Bottroper Alltag kurz vor Weihnachten immer mehr Reklamesprüche auf, die in ihrer Art einzigartig sind. Schon wenige Tage später, Anfang 2002, werden sie unbrauchbar sein. Denn dann hat das Euro-Zeitalter begonnen. Die D-Mark wird nur noch bis Ende Februar offizielles Zahlungsmittel sein. Hier eine kleine Auswahl der letzten D-Mark-Werbesprüche.

Wochenmarkt Bottrop.

 

 

 

 

 

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Bildstreifzug 2001: Advent in Bottrop

Licht- und Wasserspiele  auf dem Cyriakusplatz.

 

 

 

 

 

Moderne Krippe vor dem Rathaus.

Streichelzoo.

Der Coca-Cola-Weihnachts- Truck macht auf dem Berliner Platz mal Pause.

 

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17. Dezember 2001: Noch 15 Tage bis zum Euro/Teuro-Zeitalter. Die ersten Euro-Münzen werden als “Starter-Kits” verkauft.

Vor zehn Jahren läuft der Countdown für den Start des Euros, was zugleich das Ende der bewährten D-Mark bedeutet. Die Bottroper Bevölkerung ist gespalten. Die Einen befürworten den Währungswechsel. Die Anderen lehnen ihn ab, weil sie das Euro-System noch nicht für ausgegoren halten. Wie Recht sie hatten, erleben wird zehn Jahre später tagtäglich als Bedrohung unseres Geld- und Finanzsystems. Doch im Dezember 2001 gelten kritische Töne als politischer Frevel.

Und so wird am 17. Dezember 2001 auch erst mal wieder gefeiert: Die ersten Euro-Münzen sind da! Als so genannte Starter-Kits wird in den Banken und Sparkassen (Foto oben) eine Euro-Münzmischung im Wert von 20 DM verkauft. Dafür gibt es 10,23 Euro in kleinen Plastikbeuteln (Foto rechts).

Um an das neue Geld zu kommen, müssen sich die Bottrop am 17. Dezember 2001 durch Schnee-Schmuddelwetter und durch eine vom  Innenstadt- Umbau verwüstete City kämpfen (Foto links).

Für viele Geschäfte ist der Euro zu diesem Zeitpunk längst Wirklichkeit – obwohl man mit dem neuen Geld erst in zwei Wochen etwas kaufen kann. Die krummen DM-Preise und die ab 1. Januar 2002 gängigen Euro-Preise an vielen Waren zeugen davon (Foto unten).

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Der historische Durchblick: Gungstraße in Welheim 1938/2008

“Bottroper Geschichte – ganz frisch” und auf einen Blick. Das bietet die Reihe „Der historische Durchblick“: zwei Fotos aus unterschiedlichen Zeiten, aber vom gleichen Standort aus aufgenommen, exakt übereinander gelegt und mosaikartig als ein Bild aus Vergangenheit und Gegenwart präsentiert.

Dieser “Durchblick” zeigt einen Blick in die Gungstraße in westlicher Richtung. Im Hintergund ist die Kreuzung mit der Welheimer Straße zu erkennen, die gleich von einem von rechts kommenden Lkw passiert werden wird. Interessant ist, dass die Häuserfront links die Jahrzehnte fast unverändert überstanden hat. Die beiden Jungen links und in der Mitte tauchen in einer Art Zeitsprung in der Jetzt-Zeit auf – neben Autos, von denen sie 1938 nicht einmal träumen konnten.

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Stichtag 19.11.2009: Kaufland eröffnet am Berliner Platz. Und die zweijährige Umbauzeit in der City ist beendet.

Der 19. November 2009 ist für die Innenstadt ein bedeutender Tag: Heute vor zwei Jahren, um 7 Uhr, öffnet auf der Ostseite des Berliner Platzes das Warenhaus Kaufland erstmals seine Türen.

Damit geht auch die gut zweijährige Umbauzeit des Berliner Platzes zu Ende. Das größte Loch Bottrops, die zeitweise 250 Meter lange und knapp 100 Meter breite Baugrube zwischen Brauer- und Friedrich-Ebert-Staße, zwischen Hauptpost und ZOB, ist Geschichte.

Eines der bedeutendsten Bauprojekte der vergangenen Jahrzehnte in der City ist beendet (links der Kaufland-Bau im Juni 2009). Es ist 2009 aber auch längst überfällig. Denn die Versorgung der Innenstadt-Bewohner mit alltäglichen Waren ist miserabel. Da der sich schon viele Jahre zuvor abzeichnende Niedergang des Hansa-Zentrums von den Verantwortlichen immer lauter beklagt, aber nie gestoppt wird, ist es schwierig geworden, sich im Mittelpunkt der Großstadt Bottrop mit dem Nötigsten zu versorgen – zumal auch das Karstadt-Angebot geschrumpft ist.

Vor allem ein ausreichendes Angebot an Lebensmitteln wird von vielen City-Bewohnern vermisst. Die relativ kleinen Läden von Plus (Osterfelder Straße) und Kaufpark (Untere Hochstraße) reichen längst nicht mehr aus. Menschen ohne Auto sind aufgeschmissen. Nach langwierigen Verhandlungen über die Umgestaltung des Berliner Platzes, seine neue Randbebauung und die anzusiedelnden Firmen rollen im Sommer 2007 die Bagger an. Zunächst wird das Hallenbad von 1958 abgerissen (oben), es folgen die Bereiche direkt auf dem Berliner Platz.

Im Oktober 2009 ist der neue Platz schon wieder begehbar. Der beliebte Wochenmarkt, der Anfang 2007 zum letzten Mal auf dem Berliner Platz stattfindet, wird aber – trotz aller gegenteiliger Beteuerungen vieler Bottroper Politiker – nicht wieder zurückkehren. Das Provisorium in der Fußgängerzone hat – wie von vielen Bürgern vorausgesehen – während der zweijährigen Umbauzeit sehr viele Fans gefunden.

Außerdem müssen Politiker nun zugeben, dass der Platz deutlich kleiner geworden ist, als von ihnen während der Planungs- und Bauzeit stets behauptet. Statt einer klaren Planung „Wochenmarkt in der Fußgängerzone“ werden die Probleme, die sich aus diesem Schritt ergeben, immer wieder verschoben. Die Folge: Bis heute ist der Markt ein Provisorium mit frei liegenden Kabeln und sonstigen Unannehmlichkeiten, die dem Ansehen des Wochenmarktes durchaus geschadet haben.

Dafür ist am Berliner Platz ein Versor-gungszentrum entstanden, das das Leben in der City durchaus verbessert hat und das bis heute gut angenommen wird (Fotos links, rechts). Dazu tragen vor allem das örtliche Management und die Mitarbeiter von Kaufland bei. Selbst nach zwei Jahren funktioniert der hervorragende Service noch so gut wie am ersten Tag, als am 19. November 2009 die Kunden ins Kaufland drängen (unten).

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Vor zwei Jahren: Der Bär betritt den Berliner Platz. Und heute kommt er zum zweiten Mal vorbei

Vor zwei Jahren wurde er zum ersten Mal “eingeweiht”. Heute soll der reparierte Berliner Bär wieder auf dem Berliner Platz aufgestellt werden. Das meint jedenfalls die Stadtverwaltung.

Derartige Ankündigungen gab es in den vergangenen Monaten schon mehrmals – ohne dass etwas geschah. Nachdem der Bär aus der Fabrikserie „Buddy Bär“ 2009 seinen Platz auf dem damals gerade neu gestalteten Platz gefunden hat (Fotos oben, rechts, unten), war er Anfang 2011 demoliert und seiner Krone beraubt worden.

Zunächst ging die Stadt in die Schmollecke, streckte vor den Bärenschändern die Waffen und erklärte, den ramponierten Bär – ein Geschenk der Partnerstadtbezirks Berlin-Mitte – abzubauen und einzulagern. Dann hieß es im Mai plötzlich, der Bär werde repariert und wieder aufgestellt. Als Termin wurden im Juni „die nächsten Wochen“ genannt. Nun, knapp ein halbes Jahr später sollen „die nächsten Wochen“ um sein.

Der Bär, der nun offenbar mit Steuergeldern von Stadtmitarbeitern repariert worden ist, wird vermutlich von OB Tischler persönlich „eingeweiht“.

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1990: Bottrop feiert den Fußballweltmeister Deutschland mit einem dreistündigen Autokorso in der City

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Nach 60 Jahren: CDU/SPD/FDP machen Bücherei Boy dicht. DKP-Chef Gerber hält bemerkenswerte Klartext-Rede im Rat.

Heute haben die Ratsmitglieder der CDU, der FDP und der SPD (bis auf drei mutige Abweichler) der sowieso angeschlagenen Kultur in Bottrop einen weiteren, dramatischen Tiefschlag versetzt: Nach dem CDUSPDFDP-Willen wird die Bücherei in der Boy nach 60 Jahren dicht gemacht.

Der Chef der DKP-Fraktion, Michael Gerber (links), ging während der Ratssitzung mit den CDUSPDFDP-Politikern hart ins Gericht: „Der Schaden den sie damit anrichten, ist um ein Vielfaches größer als zukünftige finanzielle Einsparungen. Zurück bleibt bei vielen Bürgern Enttäuschung und Wut. Es ist ein schwarzer Tag für die Demokratie und die Chancen-gleichheit. Auch die in Aussicht gestellte Stärkung der Lebendigen Bibliothek wird eine Fiktion bleiben. Wer der Schließung von Bücherei-Zweigstellen heute zustimmt, ist morgen nicht unbedingt ein Garant für eine Stärkung und den Ausbau der Lebendigen Bibliothek im Kulturzentrum und der Bibliothek in Kirchhellen, sondern eher für weitere Kürzungen.“

Ich halte die Rede von Gerber für sehr bemerkenswert und dokumentiere sie hier. Sie geht nicht nur auf die Geschichte der wichtigen Kultureinrichtung ein, sie steht auch für Klartext, der im Bottroper Rat sonst Seltenheitswert hat.

SPD und CDU wollen heute das endgültige Aus der Bücherei-Zweigstelle Boy besiegeln. Nach sechs Jahrzehnten erfolgreicher Bibliotheksarbeit in den Stadtteilen Boy und Welheim wird den Kindern, Schülern und Bürgern ein beliebter Treffpunkt genommen. Den Büchern ihr Ort, an dem in ihnen gestöbert und gelesen werden konnte.

Die Gründung der Bücherei-Zweigstelle Boy 1950 fiel in eine Zeit des Aufbruchs. Die Trümmer des Krieges wurden schneller beseitigt, als der braune Sumpf. Es galt die geistige Hinterlassenschaft des Faschismus aus den Köpfen zu verdrängen.  Gesellschaftlicher Aufbruch und Demokratie gelingen nur wenn Menschen sich bilden, ihre Fähigkeiten ausprobieren und entwickeln können. Dabei sind Bücher ein unverzichtbarer Begleiter und Förderer menschlicher Emanzipation.

Sprach- und Lesekompetenzen sind der Schlüssel für die Persönlichkeitsbildung junger Menschen; das Fundament für Bildung, Beruf und gesellschaftliches Engagement. Dies kann nur gelingen, wenn das Fundament breit und stabil ist. In der Bildungspolitik wird vielfach vom „Haus des Lernens“ gesprochen. Wird jedoch bereits beim Fundament gespart und gestrichen, wird aus dem „Haus des Lernens“ kein Ort des Aufbruches, sondern eine Durchgangsstation in die Arbeitslosigkeit und die Perspektivlosigkeit von Hartz IV. Damit Schüler mit Migrationshintergrund eine Chance erhalten, sind meine Frau und ich Lesepaten eines Schülers der Janusz-Korczak-Gesamtschule geworden.

In dem Sozialbericht von 2009 heißt es: „In den Arbeiterstadtteilen sind die durchschnittlichen Einkommen sehr niedrig, der Anteil sozialversicherungspflichtig Beschäftigter unterdurchschnittlich, die Arbeitslosigkeit und die Zahl der Bedarfsgemeinschaften überdurchschnittlich. In besonderem Maße gilt dies für Welheim… Sprach- und Bewegungsstörungen sowie Übergewicht bei Kindern wurden hier überdurchschnittlich häufig registriert.“ (Seite 144)

Mit ihrer interkulturellen Tätigkeit hatte die Bücherei-Zweigstelle Boy neue Wege beschritten. Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund fühlen sich hier wohl und kommen gerne. Gemeinsames Basteln, Lesestunden sowie kleinere Veranstaltungen machen den Besuch der Zweigstelle für diese Kinder zu einem Erlebnis. Wenn gewünscht, helfen die Ehrenamtlichen auch bei Hausaufgaben. Diesen Kindern wird mehr genommen als eine interkulturelle Begegnungsstätte.

Mit der Schließung der Bücherei-Zweigstelle wird Kindern aus sogenannten bildungsfernen Familien die Chancengleichheit genommen. Ohne Sprach- und Lesekompetenz gibt es keine Chance auf einen hochwertigen Schulabschluss. Ein Blick auf die Übergangsquoten der Grundschulen im Bottroper Süden auf das Gymnasium zeigt den großen Handlungsbedarf, damit diese Hürden beseitigt und nicht zementiert werden.

Was jetzt als „Ersatz“ für die Bücherei-Zweigstellen geschaffen wird – in diesem Jahr im Eigen, später in der Boy –, mit der stadtteilbezogenen Bibliotheksarbeit ist überhaupt nicht neu. Damit wurde bereits in den siebziger und achtziger Jahren von den Mitarbeiterinnen in den Zweigstellen Eigen und Boy in Kindergärten, Schulen und Seniorenzentren begonnen.

Später, nach etlichen Kürzungen und Sparbeschlüssen, wurden Öffnungszeiten und Personal in den Zweigstellen reduziert. Auch die stadtteilbezogene Bibliotheksarbeit litt darunter. Die hohe Qualität der Arbeit in den Zweigstellen, die Einbeziehung und Förderung der Ehrenamtlichen ist das besondere Verdienst der dort Beschäftigten, Frau Kühlkamp und Frau Kamp-Kalus.

Der Weg zur Lebendigen Bibliothek im Kulturzentrum ist gerade für Kinder sowie ältere Bürger, die bisher die Bücherei-Zweigstelle aufgesucht haben, entweder zu weit und beschwerlich oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu teuer. Dies zeigt jetzt schon die Schließung der Zweigstelle im Eigen. Diese Tendenz wird sich mit der Schließung in der Boy noch verstärken. Im Ergebnis werden mit der Schließung beider Zweigstellen die Zahl der Nutzer sowie die Ausleihzahlen insgesamt weiter zurück gehen.

Es ist eine Mogelpackung, wenn jetzt diese stadtteilbezogene Tätigkeit als etwas völlig neues oder als „Ersatz“ für die Schließung der Zweigstellen dargestellt wird. Bei den künftigen Spardiktaten die uns bevorstehen wird auch diese Bibliotheksarbeit langfristig keinen Bestand haben. Dies wird dann ohne großen öffentlichen Protest geräuschlos abgewickelt. Die stadtteilbezogene Bibliotheksarbeit wird auch nicht auf andere Stadtteile übertragen wie die Verwaltung in Aussicht stellt, da dies als eine weitere zusätzliche sogenannte „freiwillige Leistung“ nicht von der Bezirksregierung genehmigt wird. Obwohl dies jedem im Rat bekannt ist, wird versucht mit dieser Begründung eine Akzeptanz für die Schließung der Zweigstelle in der Bevölkerung zu erreichen.

Das Projekt Innovation City droht zu scheitern, weil die Menschen bisher völlig ungenügend in dieses Vorhaben eingezogen sind. Wenn jetzt im Plangebiet auch noch eine zentrale bürgerschaftliche Einrichtung wie die Bücherei-Zweigstelle schließt, wird die Zustimmung innerhalb der Bevölkerung weiter abnehmen.

Dass es auch anders geht, zeigt die Stadt Herten. Dort steigen die Besucher- und Ausleihzahlen bei einer vergleichbaren Sozialstruktur wie im Bottroper Süden. Herten belegt sowohl in NRW wie auch bundesweit den Spitzenplatz beim Bibliotheksindex. Bei der Hälfte der Einwohnerzahl gegenüber unserer Stadt hat Herten die doppelte Anzahl von jährlichen Ausleihen. Dabei geht es der Stadt Herten finanziell nicht besser als Bottrop. Dort werden jedoch die politischen Prioritäten anders gesetzt.

Trotz großer Proteste aus der Bevölkerung, der Sammlung von 1700 Unterschriften für den Erhalt der Zweigstelle, einer Bürgerversammlung im Schutzengelhaus in der von allen Bürgern, die sich zu Wort gemeldet haben, die Schließung abgelehnt wurde, trotz Leserbriefen und Fernsehbeiträgen, wird dies heute an der Zustimmung von SPD- und CDU-Ratsmitgliedern für die Schließung der Zweigstelle nichts ändern…

Das Gesicht des Widerstandes gegen die Schließung in der Boy war Frau Falkenberger. Sie hätte heute gerne an der Ratssitzung teil genommen. Als Ehrenamtliche ist es ihr jedoch heute wichtiger, als Lesepatin mit den Kindern zu lesen und sich an ihrem letzten Tag von den Kindern zu verabschieden. Frau Falkenberger ist über die heutige Ratsentscheidung zur Schließung der Bücherei-Zweigstelle enttäuscht. Sie hat mich gebeten, Ihnen mitzuteilen, dass sie mit dem heutigen Tag aus Protest ihre bisherige ehrenamtliche Tätigkeit für die Bibliotheksarbeit beendet.

Ich schließe mit einer Mahnung von Prof. Karl Karst, Programmchef der Kulturwelle WDR 3:
„Das Problem besteht in der verloren gegangenen Selbstverständlichkeit, mit der breite Schichten der Bevölkerung noch vor 20 Jahren vom Konzert- oder Theaterbesuch in der Stadt sprachen und sich über die neuste Literatur unterhielten. Kein Politiker, der etwas auf sich hielt, hätte zu dieser Zeit öffentlich über die Schließung von Kultur- und Begegnungsstätten nachgedacht oder sie sogar gefordert. Heute ist es eine Stammtischgaudi, sich lautstark über die Abschaffung von Minderheiten-Einrichtungen zu äußern, die ja eh „keinem nutzen“ und nur „Geld kosten.“ Interkulturelle Begegnungsstätten, multikulturelle Musikzentren, ja sogar städtische Musikschulen bleiben von dieser Parolenpolitik nicht verschont… Kultur ist Bildung – Bildung ist Kultur! Das kann nicht oft genug wiederholt werden. Wer die Kultur reduziert, vermindert die Chance auf gleichberechtigte Bildung, zu der auch die Möglichkeit gehört, sich in ihrer Sprache, in ihrer eigenen Musik, in ihrer eigenen Literatur zu äußern – und sie auch zu verstehen.“

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11.11.11: Zum Karnevalsstart im Jahr 2011 ein Rückblick auf den Bottroper Rosenmontagszug 1979.

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Innovation-City: Wie aus der Aufbruchstimmung vor einem Jahr ein riesiger Flop wurde. Bürger nicht mitgenommen. Viele Marketing-Fehler. Selbst Förderer warnt. Eine bittere Bilanz.

Ein strahlender Start vor einem Jahr…


Am 4. November 2010 knallen im Rathaus vermutlich die Sektkorken: Bottrop und sein Oberbürgermeister Bernd Tischler haben es geschafft. Auch bei vielen Bürgern verbreitet sich Aufbruchstimmung. Endlich könnte aus ihrer Stadt, aus dieser grauen Maus an der Emscher, eine Vorzeigestadt werden. Denn Bottrop ist „Innovation-City“. Es soll binnen zehn Jahren zur bundesweit bekannten Niedrig-Energie-Stadt umgebaut werden. 2,5 Milliarden Euro sollen in Bottrop investiert werden. Welch’ eine Chance! Doch jetzt, nur ein Jahr später, ist bei vielen Bottroper Bürgern die Euphorie verflogen. Ernüchterung und Enttäuschung haben sich breit gemacht. „Innovation-City“ ist für viele Menschen zu einem Reizwort, zu einem negativen Begriff geworden. Für die „Macher“ ist das ein Desaster: Sie haben in nur 12 Monaten einen einzigartigen Marketing-Flop hingelegt. Der noch vor einem Jahr positiv besetzte Begriff „Innovation-City“ ist verbrannt und steht für viele Bottroper längst für ein Projekt, das man nicht versteht, von dem man viel zu wenig Konkretes weiß, von dem man sich nichts mehr erwartet und mit dem man nichts zu tun haben will.

„Hör’ mir auf mit Innovation-City! Ich kann das nicht mehr hören!“ Das sind nach nur einem Jahr längst Standardsätze im Bottroper Alltag.

Dass es soweit gekommen ist, hat viele Gründe. Ein Zehntel der Zeit für Innovation-City ist um, aber die Projekt-Verwalter haben sich bisher vor allem mit sich selbst beschäftigt. „Es ist klar, dass wir die Menschen mitnehmen müssen“, sagte vor einem Jahr der damalige Initiativkreis-Moderator und Eon-Chef Wulf Bernotat. Und: „Es ist mein Wunsch, dass auf dem Marktplatz ein Info-Zentrum entsteht, damit sich die Bürger vor Ort informieren können, permanent auf dem Laufenden sind und mitreden können.“

Das ist ein frommer Wunsch geblieben.

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Der Aufbau der Grundstrukturen für das Projekt dauert viel zu lange…


Erst ein Jahr später wurde ein Info-Zentrum fertig. Doch das liegt (fernab von Bernotats Marktplatz) am abseits gelegenen Hauptbahnhof und wird – kein Wunder – kaum angenommen. Ein absehbarer Flop. Als Notlösung sollen nun minimal ausgebildete Hilfskräfte als Vertreter durch die Häuser tingeln, um Innovation-City bekannt zu machen. Sie dürften schnell das Image von Drücker-Kolonnen bekommen – eine weitere Marketing-Pleite zeichnet sich ab.

Gemessen an der Flut von Pressemitteilungen, die seit November 2010 verbreitet wurden, müssten Innovation-City-Details längst bekannter sein. Doch auch das hat nicht geklappt. Die Schwemme von Infos hat eine Übersättigung bewirkt. Man konnte ja zeitweise kaum noch eine Lokalzeitung aufschlagen, ohne die x-te Pressemitteilung zum x-ten Mal vorgesetzt zu bekommen. Dass eine Heizungsfirma die älteste Bottroper Heizung sucht, war wochenlang für die Medien offenbar mit das wichtigste Thema in der Stadt.

Das stumpft ab, das verärgert, das schadet dem Projekt. Für diese Art von Marketing-Fehlern haben die Innovation-City-Verantwortlichen in den vergangenen Monaten reichlich Beispiele geliefert und damit immer mehr Bottroper abgeschreckt.

Hinzu kam, dass die meisten Verlautbarungen in einer Sprache abgefasst sind, die vielleicht in Konferenzräumen unter den ach so wichtigen Event-Machern von PR-Agenturen verstanden wird. Und sie mag dort auch der Selbstdarstellung ihrer ach so kreativen Sprachschöpfer dienen – aber auf dem Bottroper Wochenmarkt kommen die aufgeblasenen Worthülsen nur als das an, was sie sind: ein inhaltsleeres Kauderwelsch.

Selbst wenn man mal etwas versteht, wird auch das schnell zum Rohrkrepierer. Angesichts der leeren Stadtkasse kommt es im Bottroper Bürgeralltag nämlich gar nicht gut an, wenn die Innovationen-City-Manager im Geld offenbar schwimmen. Zuerst sollten für das Projekt 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Dann waren es plötzlich 2,5 Milliarden, dann gar 2,8 Milliarden. Und das in einer Stadt, die Büchereien wegen Kosten von ein paar tausend Euro im Jahr platt macht. In einer Stadt, in der Straßen, Schulen und Grünanlagen zum Teil in miserablem Zustand sind. Längst haben die Bottroper in ihrem Alltag für diese ärgerliche Kluft zwischen hochnäsigem Geldgeklimper und den ärmlichen Zuständen in der Wirklichkeit ein geflügeltes Wort entwickelt: „Büchereien und Schulen sind eben nicht innovation genug. Dafür hat die Stadt kein Geld mehr.“

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Nach nicht einmal einem Jahr beginnt die Fassade zu bröckeln…

 

Völlig sauer sind aber die Bottroper, die so langsam durchschauen, wo die 2,8 Milliarden Euro für Innovation-City herkommen sollen. Vor einem Jahr hieß es in der Presse fast übereinstimmend noch: Das Geld stammt überwiegend aus staatlichen und europäischen Fördertöpfen sowie aus Sachleistungen der im Initiativkreis Ruhr zusammengeschlossenen Unternehmen. Inzwischen stellt sich das völlig anders dar.

42 Millionen sollen von der Stadt Bottrop kommen, 450 Millionen von EU, Bund und Land und 2300 Millionen von den Bottropern und der Industrie. Es sollen vor allem also die hiesigen Hausbesitzer und deren Mieter die Zeche zahlen. Einige zehntausend Euro könnten da – trotz einiger Fördermittel – pro Wohnung zusammenkommen.

Monatelang war das so nicht bekannt, und exakte Summen kann Innovation-City auch nach einem Jahr nicht mal ansatzweise nennen. Jetzt spricht sich dieses Manko in Bottrop langsam herum und sorgt für Ärger. Man fühlt sich hinters Licht geführt – ein weiterer gigantischer Imageschaden für Innovation-City.

Das scheint inzwischen selbst der Projekt-Förderer Bodo Hombach zu ahnen. Quasi zum ersten Geburtstag von Innovation-City warnte er vor wenigen Tagen vor „übertriebenen Hoffnungen“. Und es erscheint wie der erste Schritt zu einem geordneten Rückzug, wenn der derzeitige Initiativkreis-Moderator laut WAZ öffentlich erklärt: „Nichts ist schlimmer als enttäuschte Erwartungen. Und von daher bin ich für eine realistische Besinnung.“ Derzeit sei es nicht sinnvoll, Zahlen zum Finanzierungsvolumen zu nennen. Ein solches Stadium habe Innovation-City noch nicht erreicht.

Da stellt sich die Frage: Waren die 2,8 Milliarden Euro, die 2,5 Milliarden und sogar die nur 1,5 Milliarden besinnungslos aus der Luft gegriffen? Die oben zitierten Hombach-Äußerungen lassen für die Innovation-City-Zukunft nichts Gutes ahnen. Und welches „Stadium“ hat das Projekt denn bis jetzt erreicht, wenn man plötzlich keine Zahlen mehr nennen darf oder soll oder kann oder auch nicht..? Wo bleiben die erläuternden Erklärungen zur Hombach-Rede aus dem Bottroper Rathaus?

Für immer mehr Bottroper, so kann man überall im Alltag hören, ist Innovation-City auch aus anderen Gründen ein rotes Tuch. So sind Anfragen an die Stadtverwaltung schon seit Monaten oft nervig. Wenn überhaupt, gibt es eine Antwort manchmal erst nach mehrmaligem Nachfragen. Zugleich klagen einige Rathaus-Mitarbeiter schon mal über heftige Zusatzarbeit wegen Innovation-City, was ihre regulären Aufgaben erschwere.

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Der strahlende Glanz vom 4. November 2010 ist verblichen…

 

Seltsam ist bei näherem Hinsehen auch der Innovation-City-Spruch „Blauer Himmel. Grüne Stadt.“ Während sich der Oberbürgermeister im Rahmen seiner Innovation-City-Werbung für diesen Slogan stark macht, prügeln seine Genossen im Bauausschuss den Kahlschlag des größten Teils der Allee an der Osterfelder Straße ohne Rücksicht auf Bürgereinsprüche durch. Ziel: Mehr Platz für umweltbelastende Autos. Grüne Stadt? Innovation-City? Selbst die zuständigen Bottroper Spitzenpolitiker scheinen die Innovation-City-Idee bisher nicht so recht verstanden haben.

Um nach einem Jahr möglichst viel Konkretes vorweisen zu können, greifen die Innovation-City-Macher auch schon mal zu Tricks. Obwohl die Fernwärme im Emscherraum bereits seit 50 Jahren Hunderttausende von Wohnungen versorgt, wurde jüngst der Anschluss von einigen Dutzend Wohnungen in Bottrop als Innovation-City-Event gepriesen und mit ausgelutschten Marketing-Gags wie einem ersten Spatenstich aufgehübscht. Bürger mit Durchblick fühlen sich veräppelt. Denn Innovation-City-Manager halten sie offenbar für blöd.

Die Werbeleute schrecken nicht einmal davor zurück, wieder einmal von Leuchtturm-Projekten” zu reden, die natürlich als „Chefsache“ gelten. Vor einem Jahr hatte die Innovation-City-Jury Bottrop übrigens ausdrücklich gelobt, dass die Stadt bei ihrer Bewerbung auf “Leuchtturm-Projekte” verzichtet hatte. Denn Leuchttürme und Chefsachen sind gefährlichen Floskeln, und sie stehen inzwischen für desaströse Reinfälle: Erinnert sei an den Chefsachen-Leuchtturm „Metrorapid“, dessen Start von der NRW-Regierung vor zehn Jahren für 2006 zur Fußball-WM ankündigte worden war. Selbst der später ebenfalls für 2006 angekündigte Rhein-Ruhr-Express (RRX) wird – wenn überhaupt – vielleicht mit 20 Jahren Verspätung rollen.

Aber weshalb aus bekannten Fehlern lernen? In Innova-tion-City sollen die Leuchttürme in Zukunft strahlen. In diesem Zusammenhang überrascht es, dass die Innovation-City-Macher noch nicht auf den Telekom-Turm in Batenbrock gestoßen sind. Mit seiner Höhe von 90 Metern ist er doch geradezu prädestiniert, als Innovation-City-Leuchtturm herzuhalten. Er wurde zwar schon vor 30 Jahren gebaut, aber was macht das schon? Ein kleiner Umbau – und man kann ihn als innovativ anpreisen: Einen Leuchtturm-Aufsatz (oben) für den alten Telekom-Spargel geben die 2,8 Milliarden Euro im Innovation-City-Geldtopf doch sicher her.

Für viele Bürger längst ein sinkendes Projekt. Leider…

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Die Bottroper Hauptpost von 1924 – ganz neu gesehen.

Die Umgestaltung des Berliner Platzes in den vergangenen Jahren hat völlig neue Perspektiven geschaffen. Wie diese (Foto oben): Wenn das Sonnenlicht gegen Abend auf die Nordseite, also die Hauptfassade, der Hauptpost trifft, spiegelt sich diese historische Front in der Glasfassade des neuen „Spangengebäudes“, das den Berliner Platz wie ein riesiger Riegel vom ZOB trennt. Stadtgeschichte diesmal also nicht in zwei Bildern, sondern sogar nur in einem Bild: 1924 (Post) und 2009 („Spangengebäude“).

Aus einer ungewöhnlichen Perspektive kann man die Post auch während der Bauarbeiten zur Umgestal- tung des Berliner Platzes (2007/ 2009) erleben. Wer sich in Bottrops größte Baugrube wagt, erblickt einen imposanten  Postbau. Ein Bild, das nur drei Jahre später Geschichte ist. Nicht wiederholbar. Aber auch aus diesem Blickwinkel zeigt sich die Hauptpost als eines der wenigen Bauwerke in Bottrop, das sich im Laufe der Jahrzehnte kaum verändert hat und mit dem sich die Bürger dieser Stadt identifizieren können. Auch das macht eben Geschichte aus: Wer die Wurzeln kennt, fühlt sich hier schneller heimisch. Genau das ist ein Ziel von „Bottroper Geschichte – ganz frisch“. Doch das sei nur mal wieder am Rande erwähnt.

Zwar sind die Eingänge der Post im Laufe der Zeit mal hierhin, mal dahin verlegt worden. Aber der Wiedererkennungswert des Gebäudes ist enorm. Trotz der Neubauten rechts und links (1981 Hansazentrum, 2009 Kaufland) hat die Post ihre dominierende Stellung auf dem Berliner Platz nicht eingebüßt.

Und das nun schon seit 1924. Am 9. Dezember wird das Gebäude eröffnet (Foto unten). „Mit einem dreifachen Hoch auf das deutsche Vaterland“, so berichtet ein Zeitungsreporter, wird das Haus am Trappenkamp (wie der Berliner Platz damals noch heißt) vom Präsidenten der Oberpostdirektion Münster und vom damaligen Bottroper Oberbürgermeister Baur seiner Bestimmung übergeben. Nicht ohne den Wunsch, „Gott möge das Haus segnen, dass es immer zum Segen der Beamten und Bürgerschaft wirken möge“. Diese Reihenfolge „Beamte, Bürger“ gilt übrigens heute noch, wenn man die zeitweise langen Schlangen von Bürgern sieht, die sich brav anstellen, um eine Audienz bei den wenigen “Postbeamten” hinter dem Schalter zu bekommen. Manchmal nur, um ihnen zu sagen, dass der Briefmarkenautomat draußen mal wieder kaputt ist.

Auch so gesehen hat sich seit 1924 nicht viel geändert. Für die Deutsche Post AG jedoch schon: Das „Hauptpostamt“ hat sich eigentlich in seine Bestandteile zerlegt. Denn es ist schon längst kein „Amt“ mehr, aber es ist auch keine „Post“ mehr, sondern ein „Postbank-Finanzcenter“. Die „Hauptpost“ ist also eine „Bank“ und wird von der Postbank betrieben, und deren Mitarbeiter verkaufen nur so nebenbei auch Briefmarken oder nehmen Pakete an. Das mag den manchmal recht muffigen Umgang mit den Kunden erklären. Denn welcher Banker verkauft schon gern kleine Märkchen, wo er doch die große Mark, äh… den großen Euro drehen könnte…

Übrigens: Trotz des HauptBankPostCenterAmts am „Berliner Platz 6“ tobt sich die Deutsche Post AG am Berliner Platz so richtig aus. Unter der Adresse „Berliner Platz 5“ gibt es einen „Verkaufspunkt für Briefmarken“ und am „Berliner Platz 8“ eine „Postfiliale im Einzelhandel“.

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Geschichte in zwei Bildern: Horster Straße 2001/2011

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31. Oktober 1928: Geburtstag von August Everding

Das Kulturzentrum an der Blumenstraße, einst das von August Everding besuchte Jungengymnasium, trägt heute seinen Namen. Und das seit 1999, jenem Jahr, in dem Everding am 26. Januar stirbt. Damit endet damals ein ungewöhnlicher Lebenslauf, der heute vor 83 Jahren, am 31. Oktober 1928, beginnt.

Everding wird in eine musikalische Familie hineingeboren. Sein Vater, der auch August heißt, ist Organist und gibt Musik-Unterricht in seiner Wohnung an der Gladbecker Straße 71 (s. Ausriss einer Anzeige oben). Klar, dass Everding Jahre später bei einem seiner Bottrop-Besuche selbst an der Orgel von St. Cyriakus sitzt, wie der Bayerische Rundfunk in dem wohl besten filmischen Everding-Portät dokumentiert (oben).

Der Bottroper Ehrenbürger ist Zeit seines Lebens ein international gefragter Theater- und Opernregisseur. Am Wiener Burgtheater ist August Everding ebenso bekannt wie in Bayreuth, Salzburg, Zürich, London oder an der Met in New York. Doch gleich, an welcher Kulturstätte und in welcher Metropole er sich befindet – Everding hat stets mit einem gewissen Stolz gesagt, er sei in Bottrop geboren und habe hier auch das Gymnasium besucht.

Um für seine Stadt zu werben, hat er sie, im Stadtgarten auf seinem Stuhl sitzend, auf einem Videoband vorgestellt und verewigt. Everdings Welt ist vielschichtig. Sie besteht keineswegs nur aus Theater und Oper. Der universell gebildete Generalintendant der Bayerischen Staatstheater plaudert ebenso intelligent wie fachkundig über die Olympischen Spiele und auch über Erziehungswissenschaften oder die Werke von Josef Beuys. Und er macht Filme, meist mit dem Bayerischen Rundfunk, wie etwa den Streifen über Kardinal Ratzinger, den heutigen Papst (Szenenbild oben.)

Immer wieder, wenn es seine Zeit erlaubt, kommt Everding in seine Heimatstadt Bottrop. Wenn gerade ein Tourneetheater hier gastiert und ein Stück aufführt, das er in der Saison vorher selbst inszeniert hat, ist der international gefragte Kulturpapst vor Ort, um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Während der Pause wechselt er dann schnell ein paar Worte mit den Darstellern.

Dann erinnert August Everding an die Schauburg, „ein Bespiel-Theater, es hat mein Leben mitgeprägt“. Und so schreibt er zum Abriss der Schauburg im April 1987 an einen der Initiatoren der Schauburg-Abschiedsgala, an den WAZ-Redakteur Alfons Winterseel, ein paar durchaus kritische Zeilen zur Bottroper Kulturpolitik (die wir links dokumentieren).

Aber die Schauburg-Aufführungen reichen dem jungen Everding nicht. Im Gespräch erinnert sich Everding später genau, wie er „zu Fuß nach Oberhausen ins Theater marschiert“ ist. Dort habe er einen Hamlet gesehen, der ihn verändert habe. Die Begegnung hat Folgen.

Der junge Bottroper wird Regieassistent bei Fritz Kortner und Hans Schweikart. Zuvor studiert er Philosophie, Theologie, Germanistik und Theaterwissenschaften in Bonn und München. In der bayerischen Metropole wird er auch Oberspielleiter sowie Schauspieldirektor an den Münchener Kammerspielen und schließlich Intendant. Er inszeniert in Bayreuth und Salzburg, in Florenz und San Francisco, in Melbourne ebenso wie in Buenos Aires.

Die Hamburger Staatsoper holt August Everding als Intendant, die Münchener holen ihn zurück und vertrauen ihm als Generalintendant die gesamten bayerischen Staatstheater an. Außerdem ist der Bottroper Präsident des Deutschen Bühnenvereins sowie Professor an der Hochschule für Musik in München.

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Geschichte in drei Bildern. 2004/2005: Südring-Center entsteht.

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Wie schon vor einem Jahr: Bottroper Einkaufssonntag ohne Bezug zu irgendwas. Essen lockt mit Start der Lichtwochen.

Morgen ist es wieder soweit: In der Einkaufsmetropole Bottrop gibt es – wie schon vor einem Jahr – einen verkaufsoffenen Sonntag ohne Bezug zu irgendwas (rechts Plakat-Ausriss). Warum sollte man sich auch Gedanken über ein interessantes Thema, über attraktive Zusatzveranstaltungen machen? Das haben ja schon die Nachbarstädte Essen, Gelsenkirchen und Oberhausen besorgt, die morgen ebenfalls zum Sonntagseinkauf locken und ihn mit buntem Programm zu einem besonderen Ereignis machen.

Beispiel Essen-City, 20 Minuten von Bottrop-Mitte entfernt: Neben den offenen Läden gibt es dort ab 15 Uhr auf dem Willy-Brandt-Platz am Hauptbahnhof, eingangs der Fußgängerzone, Konzerte der Formationen „Ruhrschnellweg“ und den „Ruhrkrainern“ sowie Auftritte von zahlreichen Solisten und Chören. Um 18 Uhr werden die 62. Essener Lichtwochen beginnen. 600 000 LED-Lampen tauchen Plätze und Straßen in eine Lichtflut. Unzählige Lichtkegel verwandeln die Fußgängerzonen in illuminierte Alleen. Gegen 19.30 Uhr beginnt ein Feuerwerk, das synchron zur Musik gezündet wird.

In Bottrop verzichtet man hingegen auf jegliches Programm. Und selbst herbstliche Dekorationen wird man wohl vergeblich suchen. Aber das überschaubare Angebot von Wintersocken und Herbst-Bratpfannen in Bottrop wird das kleine Manko von fehlendem Motto, fehlendem Programm und fehlender Dekoration sicher mehr als ausgleichen.

Karl Reckmann (links), Chef des Bottroper Einzelhandelsverbands, wird auch aufatmen. Da der morgige Verkaufssonntag zunächst durch ein Bürgerbegehren gefährdet war, hatte Reckmann die Zukunft der Einkaufsstadt Bottrop im Sommer noch in düsteren Farben gemalt: Wenn der offene Sonntag gestrichen werde, erwarte er als mögliche Folgen den Vormarsch von Leerständen, Billigläden und Spielhallen in der City. Da Bottrop morgen auf hat, werden jetzt die Leerstände, Billigläden und Spielhallen wohl endlich zurückgehen.

Oder vielleicht auch nicht? Dazu ein Blick ein Jahr zurück: Am 31. Oktober 2010, auch schon ein  verkaufsoffener Sonntag ohne Bezug zu irgendwas, waren ngst nicht alle Geschäfte in der City geöffnet. Und es gab sogar kuriose Situationen. So prangte nachmittags zur besten Einkaufszeit hinter der fest verschlossenen Glastür einer Bäckerei ein Schild „Wir backen heute frische Waffeln“. Fehlte nur ein Zusatz wie: „Aber Ihr Kunden müsst draußen bleiben!“

Ein paar Meter weiter bot eine Apotheke den Einkaufswilligen etwas Besonderes an: einen Ballen mit letzten Strohhalmen (links). In einigen Schaufenstern wurde von den Händlern per Plakat sogar darauf hingewiesen: „Wir handeln“ (oben). Erstaunlich, dass Bottroper Händler das extra betonen müssen. Und wie handeln sie? Auch darauf gab das Plakat eine Antwort: „In herbstlicher Atmosphäre“.

Da hatte sogar die Stadtreinigung – bewusst oder unbewusst – mitgemacht und in der Fußgängerzone etwas buntes Laub liegen gelassen. Kostenlose Naturdeko.

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Beiträge zur Bottroper Kino-Geschichte. 1919: Die Lasterhöhle.

Krimi, Action, Western, Komödie – alles schon mal gesehen, was es da am Wochen- ende im Fernsehen gibt? Wie wäre es da mit einem Blick ins Kinopro-gramm? Ach ja, stimmt ja: Wir leben in Bottrop. In der einzig-artigen deutschen Großstadt ohne Kino. Aber das war nicht immer so. Zum Beispiel vor 92 Jahren. Da ist Bottrop in Sachen Kino wesentlich weiter als heute – im Jahr eins nach der Kulturhauptstadt 2010. Deshalb hier ein Blick auf das, was die Vereinigten Bottroper Lichtspiele ab dem 8. Juli 1919 so zeigen. Und siehe da, alles da: Krimi, Action, Western, Komödie.

Geschichte kann ja so fürchterlich frustrierend sein! Vielleicht ist das Fernsehprogramm am Wochenende ja doch nicht so schlecht. Obwohl: Die „Erlebnisse aus einer chinesischen Lasterhöhle“ des Jahres 1919 in drei Akten, das könnte ja schon interessant sein – natürlich nur so aus historischem Interesse…

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Ein Amtmann mit Herkulesjob: Hermann Böckenhoff stirbt 1918

Auf der Böckenhoffstraße dürfte jeder Bottroper schon einmal gewesen sein. Sie führt von der Hans-Böckler-Straße (mit der sie gern mal verwechselt wird) bis zum Rathausplatz. Und damit gibt es schon einen wichtigen Tipp für die Beantwortung der Frage: Nach wem ist Straße benannt?

Als Hermann Böckenhoff (Bild links) am 15. November 1900 zum Amtmann, also zum Verwaltungschef, nach Bottrop berufen wird, mag er ahnen, dass er sich auf einen nicht alltäglichen Job eingelassen hat. Was das dann aber konkret für ihn bedeuten wird, kann er nicht gewusst haben: Es wird eine einmalige und zugleich eine der aufreibendsten Positionen, die in der damaligen Verwaltungsgeschichte zu vergeben sind. Ein Herkulesjob, der den preußischen Amtmann aber mit Stolz erfüllt.

Wenige Zahlen reichen, um das deutlich zu machen. Als Böckenhoff nach Bottrop kommt, hat das größte Dorf in Preußen 24 000 Einwohner. Als der Amtmann am 1. Juni 1918 stirbt, leben hier 78 000 Menschen. Wohl nie hat eine Gemeinde in Deutschland in so kurzer Zeit den Wandel von einem dörflich geprägten Gemeinwesen zu einer Industriestadt vollziehen müssen. Und mittendrin: Amtmann Böckenhoff, der in den Aufzeichnungen fast nur so bezeichnet wird – als wenn er keinen Vornamen hatte.

Grafik oben: Der Plan für das Rathaus aus dem Jahr 1913. Der Turm wird jedoch anders gebaut. Und auch die durchgängig geplanten Arkaden werden nicht so verwirklicht. (Ausriss: BVZ/Bearbeitung: wilb)

Was die Bottroper Verwaltung in den knapp 20 Jahren der Ära Böckenhoff zu leisten hat, zeigt auch ein Blick auf die Bildung, die zu den wichtigsten Aufgaben der Gemeinden gehört: 1900 gibt es in Bottrop 11 Volksschulen mit 56 Klassen, zu Einschulung Ostern 1918 sind es 27 Volksschulen mit 234 Klassen. Und was macht dieser Amtmann den lieben, langen Tag sonst noch so? Er sorgt dafür, dass Straßen gebaut, ausgebaut und endlich gepflastert werden. Böckenhoff setzt sich als weitsichtiger Verkehrspolitiker auch dafür ein, dass das Straßenbahnnetz in Bottrop ab 1910 deutlich ausgebaut wird. Er fördert zudem die Erweiterung der Rohr- und Kabelnetze für die Gas- und Stromversorgung. In seiner Schaffenszeit beginnt 1913 der Bau des monumentalen Bottroper Rathauses, das dennoch bald wieder zu klein sein wird, wie damals das alte Amtshaus.

Eine besondere Herausforderung für die Dorfverwaltung und ihren Chef stellt der Erste Weltkrieg dar. Zunächst durch den Personalschwund. Denn im Laufe der Jahre werden immer mehr Verwaltungsmitarbeiter an die Fronten geschickt – und kommen oft nie wieder. Gegen Ende des Krieges kommen auf die Gemeinde zudem immer mehr Aufgaben zu, wie zum Beispiel die Versorgung der Bevölkerung mit den rationierten Lebensmitteln. Obwohl sich Böckenhoff nach den Überlieferungen während der Kriegszeit keinen freien Tag gönnt, muss er immer wieder Kritik einstecken, wenn es mit der Nahrungsmittelversorgung mal wieder nicht so läuft, wie es sich die Bürger wünschen.

Foto links: Das Grabmal der Familie Böckenhoff auf dem Alten Friedhof. Ein  Hinweis auf die Bedeutung des Amtmannes  fehlt auch 93 Jahre nach Böckenhoffs Tod.

Aus der Würdigung, die am 3. Juni 1918 in der „Bottroper Volkszeitung“ (BVZ) erscheint, hier die letzten Zeilen als Ausriss:

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26. Oktober: 150 Jahre Telefon…und die lange Leitung nach Bottrop. Als das Rathaus noch die Nummer 1 hatte.

Heute vor genau 150 Jahren, am 26. Oktober 1861, stellte der Erfinder Philipp Reis einen Prototyp seines „Telephons“ erstmals öffentlich vor. „Die Sonne ist von Kupfer“ soll der erste Satz gewesen sein, der per Fernsprecher übertragen wurde. Mit diesem Apparat trug Reis maßgeblich zur Entwicklung des heutigen Telefons bei. Aber die Vermarktung der Idee erfolgte erst später durch den Schotten Alexander Bell. 50 Jahre nach der Telefon-Präsentation durch Reis, im Herbst 1911, gibt es in Bottrop gerade einmal 386 Telefonapparate. Doch dann geht’s los! Kommen Sie mit auf eine Zeitreise entlang der langen Leitung.

Der genaue Beginn der Telefon-Geschichte in Bottrop liegt im Dunkeln. An das Telegrafennetz zur Übermittlung von Telegrammen ist das Dorf zwar schon seit 1876 angeschlossen, aber wann hier zum ersten Mal ein Telefon klingelt, lässt sich nur ungenau rekonstruieren. Es dürfte auf einer Zeche gewesen sein, die über Fernsprechvermittlungen in Nachbarorten an das Telefonnetz angeschlossen sind. So liegt zum Beispiel Prosper I, die erste Schachtanlage in unserem Raum auf Essener Gebiet.

In Bottrop dauert es bis zum 15. Januar 1901. Da geht das „selbständige Fernsprechamt“ in Betrieb. Die Telefonnummer 1 hat sich natürlich die Dorfverwaltung im Amtshaus (Foto rechts) gesichert – eine Behörde auf der Höhe der Zeit. Das Netz wächst langsam. 1906 hat die „Bottroper Volks-Zeitung“ die Rufnummer 14. Die Brauerei Jansen ist unter „Amt Bottrop, Nummer 21“ zu erreichen. Und mit Kampmann’s Cigarrenhaus am Kirchplatz 5 ist 1912 immerhin schon der „Fernruf 218“ vergeben.

Obwohl die Einwohnerzahl seit 1901 geradezu explodiert ist, hat die einst technisch so fortschrittliche Amtsverwaltung den Anschluss an die Zeit irgendwie verpasst und ist 1911 immer noch nur über eine Telefonleitung mit der Außenwelt verbunden. Doch am 9. Dezember 1912 erkennt auch Amtmann Böckenhoff  (Foto links) die Zeichen der Zeit: Als Vorstoß in Richtung „bürgernahe Verwaltung“ lässt er eine zweite Leitung ins Amtshaus legen. Immerhin zählt die Dorfverwaltung Bottrop zu dieser Zeit bereits 127 Bedienstete (einschließlich der 28 Polizisten).

Und somit ist klar, dass auch die zweite Leitung nicht ausreichen wird. Zumal der eher konservative Amtmann plötzlich Geschmack an den neuen Kommunikationsmöglichkeiten findet: Die zweite Leitung muss dem Verwaltungschef ständig zur Verfügung stehen. Der Ausweg: 1913 wird die erste Fernsprechzentrale mit noch mehr Leitungen im Amtshaus eingerichtet – mit weitreichenden Folgen.

Der schnellere Informationsfluss leitet eine Modernisierung der Verwaltung schlechthin ein. Völlig neue Richtlinien werden in den kommenden Jahren für einen rascheren Verwaltungsbetrieb ausgearbeitet. Anweisungen wie die, dass „jedes Defektwerden eines Aktendeckels dem Amtmann sofort gemeldet“ werden muss, landen im amtlichen Papierkorb.

Der Fortschritt in Bottrop ist nicht zu bremsen. Im Jahr 1919 – das Dorf ist Stadt geworden und hat jetzt ein Rathaus (rechts der Entwurf von 1913) – sind zwei Telefonistinnen für die 225 Stadtbediensteten (einschließlich 53 Polizisten) tätig. Als 1924 im neuen Hauptpostamt am Trappenkamp (Berliner Platz, Foto unten) das erste „Selbstanschluß-Telefonamt“ im Bereich der Oberpostdirektion Münster in Betrieb geht, rüstet auch die Stadtverwaltung auf und hat jetzt eine Haupt- und zwei Untertelefonzentralen.

So bleibt es 28 Jahre lang. 1952, zu Beginn der so genannten Wirtschaftswunderzeit, stehen den 1300 städtischen Beschäftigten (fortan ohne Polizei) 15 Amtsleitungen zur Verfügung. 1963 erhöht sich ihre Zahl auf 20 – bei jetzt 3000 Stadt-bediensteten. 1973 sind die 1500 Beamten, Angestellten und Arbeiter bei der Stadt über 30 Leitungen mit dem Bottroper Volk verbunden.

Foto: Das Telefon macht Brieftauben und -post Konkurrenz.

Kein Vergleich zu heute. Nun ist alles anders. Denn die Verwaltung ist nicht nur über 90 Kommunikationsleitungen mit der Welt verbunden. Die Stadtmitarbeiter nutzen auch 500 Handys, das sind 150 Geräte mehr als vor sechs Jahren. Und im Zeichen des Dauersparens ist auch die Senkung der Telefonkosten ein ständiges Thema. Statt über das bestehende Telefonnetz sprechen die Rathaus-Mitarbeiter an den 29 Verwaltungsstandorten im Stadtgebiet intern längst per Glasfaser oder Funk über das Datennetz. Über 1300 Telefongeräte werden dabei genutzt.

Übrigens: Als Amtmann Böckenhoff 1912 die zweite Telefonleitung ins Amtshaus legen lässt, wird das in einem Zeitungsbericht als „heroischer Entschluß“ gefeiert…

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Seit 83 Jahren unter Dampf: Die Zentralkokerei Prosper

Die Bottroper Kokerei Prosper gehört seit Anfang Juni zum Stahlhersteller Arcelor-Mittal Bremen. In der Mitteilung zum Verkauf der bisherigen Ruhrkohle-Kokerei hieß es, dass das die Zukunft des Unternehmens langfristig – zumindest drei Jahre über das Ende des deutschen Steinkohlenbergbaus im Jahr 2018 hinaus – sichern werde. Nun, das wird bei solchen Anlässen meist verkündet. Doch was tatsächlich wird, wenn die notwendige Kohle ab 2018 von weither nach Bottrop transportiert werden muss, kann nur die Zukunft zeigen. Klar ist auf jeden Fall: Mit diesem Verkauf geht eine Ära zu Ende. Die direkte Konzern-Verknüpfung zwischen Bergbau und Kokerei wird gekappt.

Grund genug für eine Zeitreise zu den Anfängen des Bottroper Bergbaus, der zugleich auch der Anfang der Kokereien ist. Dazu geht es 140 Jahre zurück – in das Dorf Bottrop des Jahres 1871. Am 2. Oktober beginnt auf Bottroper Gebiet das Kohle-Zeitalter mit der Abteufe von Prosper II. Das offiziell in Bottrop gern genommene Datum für den Start in die Püttzeit (1856) ist nicht korrekt. Denn Prosper I, die angeblich erste Bottroper Zeche, liegt in Ebel und das gehört beim Prosper-I-Start im Jahr 1856 noch zu Essen und kommt erst 1929 zu Bottrop.

Zu jenem Zeitpunkt, zehn Jahre nach der Stadtwerdung Bottrops 1919, sind hier schon sieben Schachtanlagen tätig. Alle haben zunächst ihre eigenen Kokereien. Doch das ist auf Dauer nicht wirtschaftlich. So beginnen die Prosper-Zechen, die seit 1921 zum Bergbau- und Stahl-Konzern Rheinstahl gehören, 1926 mit dem Bau der Bottroper „Zentralkokerei“, der heutigen Prosper-Kokerei. Sie ist eine von 17 Großkokereien, die zwischen 1925 und 1930 im gesamten Ruhrgebiet entstehen. Dafür werden viele Zechenkokereien dicht gemacht.

1928 geht die Prosper-Zentralkokerei in Betrieb und macht in 180 Öfen pro Jahr eine Million Tonnen Koks. Um 1942 – die Kriegsproduktion der deutschen Wirtschaft läuft auf Hochtouren – sind es 1,8 Millionen Tonnen. Prosper, so heißt es damals, sei damit die größte Kokerei des Ruhrgebiets. Im Februar 1945 geht das Werk im Bombenhagel der Alliierten unter.

Der Wirtschaftswunder-Aufbau nach dem Zweiten Weltkrieg geht zügig voran. Auch die Stadt Bottrop will sich offenbar modern geben und präsentiert sich in der Werbung ab Mitte der 1950er Jahre ganz in Kohlrabenschwarz. Mit einem düsteren Plakat wirbt das Rathaus viele Jahre lang für Bottrop – und wundert sich bis heute darüber, dass es so schwer ist, vom Kohlenpott-Image wegzukommen.

Zu dieser Zeit, 1954, produziert die Kokerei nach Firmenangaben zwei Millionen Tonnen Koks, wie auch heute noch. Doch was so steril wirkt, in den an Zahlen entlang geschriebenen Geschäftsberichten, sieht in der Wirklichkeit durchaus anders aus. Und es riecht auch anders, wie zum Beispiel ein WAZ-Mitarbeiter 1956 berichtet: „Wer einmal bei Südwind über die Prosperstraße an der Zentralkokerei vorbeigegangen ist, mag vielleicht zu eigenartigen Vorstellungen über die Produkte gekommen sein, die in den gigantischen Anlagen mit den aufragenden Schornsteinen erzeugt werden und einen üblen Geruch verbreiten.“

Doch wer nur mal so an der Kokerei vorbeigehen kann und nicht im Bottroper Süden leben muss, der kann die gravierenden Umweltbelastungen in jener Zeit natürlich mit folgendem Satz leicht zur Seite schieben: Ginge der Spaziergänger nämlich, so schreibt der Zeitungsmann weiter, „der Sache aber einmal auf den Grund und informierte sich über das, was hier geschieht, so würde er schnell herausfinden, daß diese Anlage, die zu den modernsten Kokereien auf dem europäischen Festland zählt, wichtiges Glied und entscheidende Grundlage all jener Industriezweige ist, die letzten Endes die westdeutsche Wirtschaftskraft ausmachen“. Doch wer will schon die westdeutsche Wirtschaftskraft durch Kritik an den Umweltbelastungen für den Bottroper Süden schmälern? Und außerdem: Die Kokerei ist seit jeher ein großer Arbeitgeber.

1982 beginnt das Unternehmen nach eigenen Angaben „über eine Neukonzipierung der Anlage – insbesondere unter Berücksichtigung der gestiegenen Anforderungen an den Umweltschutz und die Arbeitsplatzbedingungen – nachzudenken.“ 1985 nehmen die ersten Teile der neuen Kokerei ihre Arbeit auf – wieder als modernste Anlage. Die Investitionen gehen nach Firmenangaben auch in die neue Gasentschwefelungs- und Schwefelsäureanlage sowie in die Gewinnung von Wasserstoff aus Koksofengas und 1998 in eine neue Benzolfabrik.

2005 erhält die Kokerei Prosper die Genehmigung zur Erweiterung der bestehenden Anlage, die bisher jedoch nicht wahrgenommen wurde. Stattdessen, so berichtet die Firma, sei in „erhebliche Verbesserungen im Umweltschutz“ investiert worden. Zum Beispiel wieder in Entstaubungsanlagen.

Und wie sieht die zukünftige Geschichte der Kokerei aus? RAG-Vorstandsvorsitzender Bernd Tönjes: „Uns war auch besonders wichtig, dass alle rund 490 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz behalten. So ist nicht nur die Zukunft der Kokerei am Standort Bottrop, sondern auch die der Arbeitsplätze nach Beendigung des subventionierten Steinkohlenbergbaus Ende 2018 sichergestellt.

Auf der Kokerei Prosper werden laut RAG heute neben Koks auch Gas, Rohbenzol, Teer und Ammoniumsulfat gewonnen. Und so schließt sich der Kreis: Diese Nebenprodukte, die beim Verkokungsprozess anfallen, sind schon seit jeher mindestens genauso wichtig für die Industrie wie der Koks für die Stahlkocher.

Und so schreibt der zuvor zitierte journalistische Kokerei-Besucher schon 1956: Über 585 Millionen Kubikmeter Gas strömten jährlich aus den Koksöfen der Zentralkokerei. Über große Leitungen würden die Riesenöfen der Industrie und die kleinen Gasherde in den Haushalten versorgt. Ob die Hausfrau im Bergischen Land, in Bonn oder in Hannover den Gashahn aufdrehe und ihre Kartoffeln auf die Flamme setze, immer komme dieses Gas von der Ruhr und zum Teil aus der Bottroper Zentralkokerei.

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1931: Das Knappschaftskrankenhaus wird eröffnet. Oder: Mit welchem Trick Bottrop Vonderort schluckte.

Foto: Das Knappschaftskrankenhaus 1932.

Jede Stadt braucht manchmal einen Oberbürgermeister von der schlitzohrigen Sorte, um für die Stadt etwas zu erreichen oder gar, um ihre Zukunft zu sichern. Bottrop hat damit in der Vergangenheit stets Glück gehabt: Wenn es um Sein oder Nichtsein ging, war jeweils ein trickreicher OB am Ball. So, als OB Ernst Wilczok die Stadt in den 1970er Jahren durch die wilden Wasser der kommunalen Neuordnung lotste. Ein halbes Jahrhundert zuvor war es Ernst Baur, der erste OB des erst 1919 zur Stadt erhobenen größten preußischen Dorfes namens Bottrop. Durch ihn wurde die erste kommunale Neuordnungsrunde in den 1920er Jahren für Bottrop zu einem großen Erfolg. Und dieser Erfolg ist – so seltsam es zunächst klingt – direkt mit dem Knappschaftskrankenhaus an der Osterfelder Straße verbunden, das am 1. Juni 1931 eröffnet wird. Dieser Tag ist das Ziel unserer heutigen Zeitreise. Und die steckt voller Überraschungen.

Eines der ersten Projekte, das Baur nach seiner Wahl im Jahr 1920 in Angriff nimmt, ist ein zusätzliches Krankenhaus. Das Marienhospital allein reicht für die bald 80 000 Einwohner zählende Stadt nicht mehr aus. 1921 beginnen die ersten Verhandlungen mit Krankenhausträgern und Grundstückseigentümern. Als Träger des zweiten Bottroper Krankenhauses ist schnell die Sozialversicherung der Bergleute ausgeguckt, die sich seit 1924 Ruhrknappschaft nennt und die im Ruhrgebiet schon mehrere Kliniken betreibt. Und damit steht auch schon früh der Name „Knappschaftskrankenhaus“ fest. Auch das Grundstück ist bald gefunden: Graf Droste zu Vischering von Nesselrode Reichenstein verkauft der Knappschaft ein Gelände, das genau auf der Grenze Bottrop-Osterfeld liegt – eben da, wo das Krankenhaus heute steht.

Fotos (oben und unten): Die Umgestaltung der alten Fassade nimmt dem Krankenhaus momentan nach und nach seine architektonische Identität.

Aber da ist doch gar keine Grenze, werden viele Leser einwenden. Heute nicht, heute beginnt Osterfeld und damit Oberhausen erst am Revierpark. Mitte der 1920er Jahre aber gehört der gesamte Stadtteil Vonderort noch zu Osterfeld und Bottrop ist kurz hinter der Kreuzung Osterfelder Straße/Westring zu Ende. Doch die kommunale Neuordnung des Ruhrreviers steht bevor. Und die hat Oberbürgermeister Baur schon im Blick, als der Standort des Krankenhauses geplant wird.

Zur Erläuterung des Zusammenhangs wechseln wir jetzt einmal den Blickwinkel und sehen das ganze Projekt aus Osterfelder Sicht. Dirk Hellmann vom Osterfelder Arbeitskreis Heimatkunde hat dazu im dortigen Heimblatt „Der Kickenberg“ vor einigen Monaten u. a. Folgendes geschrieben: „Die damalige Stadt Osterfeld kämpfte zu Zeiten der Bauplanungen für das (Knappschaftskrankenhaus) um ihr Überleben… Das Vorhaben hatte man bewusst so angelegt, dass es genau auf der damaligen Grenze der Städte Osterfeld und Bottrop errichtet werden musste. Mit diesem Argument konnte die Stadt Bottrop die preußische Landesregierung davon überzeugen, dass eine Grenzkorrektur (bei der Neuordnung von 1919) unumgänglich war. Zudem hatte Bottrop eine Abgeordnete im Landtag in Berlin und damit direkten Zugang zur Landesregierung, die damals im Gegensatz zu heute, in Berlin residierte. Dies war die Zentrums-Abgeordnete Elisabeth Giese. Derselben Partei gehörte auch der damalige Oberbürgermeister von Bottrop, Dr. Erich Baur, an. Insgesamt konnte die Stadt Bottrop die Grenzkorrektur auf 170 Hektar ausweiten, so dass der komplette Stadtteil Vonderort nach Bottrop eingemeindet werden konnte…“

Als das Krankenhaus vor 80 Jahren eingeweiht wird, ist die kommunale Neuordnung mit der deutlichen Handschrift von OB Baur schon seit zwei Jahren Geschichte. Somit liegt das gerade fertiggestellte Krankenhaus nun vollständig in Bottrop, und die Vonderorter versuchen gerade, Bottroper zu werden. Einige sollen das ja bis heute noch nicht geschafft haben, was aber vielleicht dran liegt, dass Vonderort 1929 nicht nur nach Bottrop, sondern auch vom Rheinland nach Westfalen exportiert wird. Dafür haben die Neu-Bottroper jetzt aber auch eines der modernsten Krankenhäuser des Ruhrgebiets gleich um die Ecke.

Der Bau mit seinen fünf Abteilungen (Chirurgie, Nerven, Röntgen, Haut und Desinfektion) scheint auf die Eröffnungsgäste am 1. Juni 1931 imposant zu wirken. So beginnt der offenbar leicht eingeschüchterte Reporter der Bottroper Volkszeitung (BVZ) seinen Bericht im Stil der Zeit mit den Worten: „Wir betreten durch den Haupteingang das Gelände der Anstalt. Breit ausladend in betont ruhigen Linien nimmt der dreiflügelige Gebäudekomplex unseren Blick gefangen… Rechts und links vom Vorplatz postieren sich die Wohnhäuser des Chefarztes und Oberarztes… Der linke Flügel ist als das eigentliche Krankenhaus anzusehen. In den Stationen stehen 300 Betten; hinzu kommen noch rund 55 Betten im Verwaltungsflügel, die für Beamte und Private vorgesehen sind…“

Und noch etwas wird damals nicht nur auf die Eröffnungsgäste, sondern auch auf die ersten Patienten großen Eindruck gemacht haben: Der gesamte Küchenbetrieb ist vollständig elektrifiziert, so dass die modernsten Küchengeräte eingesetzt werden können. Damit das funktioniert hat das RWE – auch das gibt es damals schon – für das Krankenhaus eine eigene Trafostation gebaut. Und irgendwie haben sich bei der Krankenhausplanung die Technik-Freaks auch sonst ausgetobt: Alle Zimmer haben einen Radio-Anschluss! Na und, wird da so mancher sagen. Was ist das Besondere? Ganz einfach: 1931 steckt das Radio noch in seinen Kinderschuhen. Erst seit 1923 gibt es ein regelmäßiges Programm. Radiogeräte finden sich damals nur in wenigen Bottroper Haushalten – aber schon im Krankenhaus.

Foto: Elektrische Küchengeräte, im Knappschaftskrankenhaus schon 1931 Standard, werden in den Haushalten meist erst mit dem “Wirtschaftswunder” nach 1950 heimisch. (AEG-Bild)

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Beiträge zur Bottroper Kino-Geschichte: 1987: Ende der Schauburg. OB Wilczok: Ihr könnt doch Fernsehen gucken!

Am 8. April 1987 wird es in der Schauburg an der Hochstraße zappenduster. Der Kino- und Theaterbau wird nach 61 Jahren als “Bottroper Kulturtempel” abgerissen. Aus diesem Anlass machte sich einer der Initiatoren der Abschiedsgala für die Schauburg, der Bottroper und  Verleger Werner Boschmann, Gedanken zur örtlichen Kino-Geschichte. Sie sind erschienen im Buch “Zappenduster” (1987, Verlag Rainer Henselowsky), aus dem ich hier mit freundlicher Genehmigung des Verlages per Ausriss zitiere.

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Geschichte in zwei Bildern. 1961: Essener/Hochstraße und Kapitän-Lehmann-Straße

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1923: Während der Ruhrbesetzung werden viele Kumpel zu Widerstandskämpfern. Versenkte Kohlekähne blockieren den Kanal.

Im Januar 1923, fünf Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, wird das Straßenbild in Bottrop schon wieder von Soldaten bestimmt. Franzosen und Belgier besetzen das Ruhrgebiet. Begründung der Siegermächte: Sie wollen die per Reparationsvertrag festgesetzten Kohlelieferungen kontrollieren. Kohle, die auch auf Bottroper Zechen abgebaut wird.

Schwarz wie Kohle sind auch die Truppen aus dem Senegal, damals französische Kolonie. Für viele Ruhrpottler ist es die erste Begegnung mit dunkelhäutigen Menschen. Mit ihnen freilich verstehen sich die Bottroper Kumpel wesentlich besser als mit den weißen Franzosen. Ein Heer von etwa 100 000 Soldaten ist in die Städte des Ruhrgebiets eingezogen – und die Bevölkerung ist entsetzt.

Doch insgeheim haben die Kumpel in Bottrop, Dortmund, Essen, Bochum, Wetter oder Herten den passiven Widerstand ausgerufen. Sie sind empört. Und nicht nur sie. Nach wenigen Tagen solidarisieren sich Handel, Handwerk und Stadtverwaltung mit der “werktätigen Bevölkerung” (Ausriss oben aus der “Bottroper Volks-Zeitung”/BVZ vom 19. Januar 1923).  Denn der französische Ministerpräsident und Außenminister Raymond Poincaré hat die Besetzung des Ruhrgebiets aufgrund einer geringen Verzögerung bei den deutschen Reparationsleistungen angeordnet. Drei Jahre zuvor war er noch Vorsitzender der Reparationskommission im französischen Senat. Dort setzte er sich rigoros für die Erfüllung des Versailler Vertrages ein. Als absoluter Gegner der Verständigungspolitik eines Aristide Briand provozierte er 1922 dessen Sturz und hatte damit grünes Licht für seine harte Linie.

Den Oberbefehl im ab Januar 1923 besetzten Ruhrgebiet hat der französische General Degoutte. Er verschärft die Vorschriften, um den heimlichen Widerstand der Kumpel zu brechen. Zunächst verhängt er den Belagerungszustand. Es gibt Ausgehverbote. Jeder muss ständig seinen Personalausweis vorweisen können, will er nicht verhaftet werden.

Die Bottroper Bergleute versuchen auf ihre Art, die Reparationen zu hintertreiben. Sie verhindern schlicht und einfach die Kohlelieferungen. Als die Franzosen die Transporte selbst übernehmen, versenken Kumpel in Bottrop bei Nacht sowohl unterhalb des Bottroper Hafens als auch oberhalb jeweils einen Lastkahn. Damit ist der Transportweg per Schiff auf dem Rhein-Herne-Kanal (oben eine Ansichtskarte auch mit französischer Beschriftung) für etliche Wochen blockiert.

Die Franzosen reagieren. General Degoutte droht jedem mit Erschießen, sofern er auf den Brücken, den Schleusen oder an den Wegen der Kanäle angetroffen wird. Die Bevölkerung von Wesel bis Dortmund und vor allem die Püttleute aber lassen sich nicht einschüchtern. Sie verhindern weiterhin Kohletransporte nach Frankreich. Auch, als es den Besetzern nach Wochen langer Arbeit endlich gelungen ist, die versenkten Lastkähne im Bottroper Hafengebiet zu entfernen.

Zwar wird jeder, der gegen die strengen Verordnungen des Generals Degoutte verstößt, vor ein französisches Militärgericht gestellt. Das aber hinderte den Widerstand nicht, weiter erfinderisch zu wirken. Denn kaum ist das Hindernis aus dem Rhein-Herne-Kanal bei Bottrop entfernt, kracht es in Henrichenburg. Dort fliegt die Verbindung zwischen dem Rhein-Herne- und dem Dortmund-Ems-Kanal in die Luft. Die Wassermassen stürzen in die Emscher, fegen mit ihrer Gewalt etliche Holzbrücken weg. Der Kanal-Wasserspiegel sinkt und die Wache schiebenden Franzosen staunen: Das Kanalbett läuft trocken und die Kohlekähne kippen um.

Damit stehen die Besatzer vor einem Problem. Sie sind ihrer eigentlichen Aufgabe, die Kohlelieferungen zu garantieren, schlichtweg beraubt. Für eine ganze Weile ist es nicht möglich, größere Mengen des Schwarzen Goldes aus dem Ruhrgebiet nach Frankreich zu transportieren. Zwar reagieren die Franzosen mit Verhaftungen, doch können sie den Vorwurf der Sabotage nie beweisen. Die Verhafteten werden wieder aus den Gefängnissen entlassen.

Zweieinhalb Jahre nach ihrem Beginn (unten ein Ausriss aus der BVZ vom 12. Januar 1923) endet die die Besetzung des Ruhrgebiets. Die pfiffigen Kumpel aber haben Widerstand geleistet. Geheim und effektiv.

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Film-Zeitreise. 1990: Freundschaftsspiel des VfB Bottrop gegen Wattenscheid 09 im alten Jahnstadion (0:11)

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Bottroper Nahverkehr. 1890 – 1967: Die Geschichte der “3″.

Die „3“ ist die erste, die erste Straßenbahnlinie in Bottrop. Sie ist aber keine Bottroperin, sondern kommt aus Essen. Sie geht 1899 an den Start und ist für die Bottroper rund zehn Jahre lang die „Elektrische“ schlechthin. Sie führt vom Pferdemarkt (dort, wo seit 1958 die Stadtsparkasse steht) über Hoch- und Essener Straße in die Nachbarstadt. Allerdings: Wenn man genau ist, hat es die Straßenbahnlinien schon früher gegeben. Als Pferdetram ab etwa 1890.

Ab 1899 fährt sie aber mit Strom (Foto rechts vor 100 Jahren auf der Hochstraße) und wird von der Süddeutsche Verkehrs-AG aus Darmstadt betrieben. Das ist der Vorläufer der Essener Verkehrs-AG (EVAG). Denn es ist nicht die Vestische, als späterer Bottroper Haus- und Hof-Verkehrsbetrieb, der eingangs des 20. Jahrhundert die moderne Transporttechnik nach Bottrop bringt. Bis das übrige Straßenbahnnetz in der Stadt Gestalt annimmt, soll 1899 noch ein Jahrzehnt vergehen. Die Vestische ist noch nicht soweit.

Im Zweiten Weltkrieg wird die wichtige Straßenbahnstrecke in die Nachbarstadt allerdings unterbrochen: Die Brücke über den Rhein-Herne-Kanal zwischen Ebel und Dellwig wird durch Bomben zerstört. Kein Wunder, dass die „3“ Anfang der 1950er – nach erfolgtem Brückenschlag über den Kanal – auf Bottroper Seite mit Jubel begrüßt. Doch der wird nicht lange nachhallen.

Bottrop entwickelt sich durch die extrem autofreund- liche Politik der Verant- wortlichen zu einer Stadt, in der Anfang der 1960er Jahre zum Beispiel die Innenstadt – und damit der Einzel- handelsschwerpunkt – durch eine vierspurige Piste (Foto oben die Osterfelder Straße zwischen Pferdemarkt und Altmarkt) in zwei Teile aufgespalten wird. In der Folge spielt der öffentliche Nahverkehr in Bottrop bald – und das bis heute – nur noch eine Nebenrolle.

Schon am 11. Juni 1967 fährt denn auch die letzte Straßenbahn über die Kanalbrücke nach Essen. Am 8. Mai 1967 ist die Traditionslinie „3“ noch für einen Monat in „86“ umgetauft worden. Und so ist heute der EVAG-Bus 186, der vom ZOB über Hbf und die Kanalbrücke nach Borbeck fährt, das letzte Überbleibsel einer Nahverkehrslinie, die vor rund 120 Jahren einmal mit einer Pferdestraßenbahn zwischen Pferdemarkt und Essen Hbf begann.

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Bottroper Nahverkehr. 1976: Abschied von der Straßenbahn. Die letzte 17 fährt nach Gladbeck.

Fast verschämt und bei stockdunkler Nacht läuft im Herbst 1976 in Bottrop die Geschichte der Straßenbahn aus. Die Linie 17 stellt als letztes an Schienen gebundenes Straßenfahrzeug den Dienst ein. Um Mitternacht fährt die letzte Bahn ein. Die Verbindung zwischen Bottrop und Gladbeck übernimmt die Bus-Linie 59 (seit 1980: 259).

Über drei Jahrzehnte sind seitdem vergangen. Die Vestische Straßenbahnen GmbH, kurz „Vestische“ genannt, ist seit 1980 Mitglied des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) und feierte 2001 ihr 100-jähriges Bestehen: plakativ, mit Eigenwerbung auf ihren Bussen. Die Straßenbahn-Geschichte Bottrops freilich beginnt nicht mit der Vestischen, sondern 1899 mit der Linie 3 (Foto oben vor 100 Jahren auf der Essener Straße), betrieben vom Vorläufer der  Essener Verkehrs-AG (EVAG). Verbunden werden damals der Pferdemarkt mit dem Hauptbahnhof des großen Nachbarn Essen.

Erst im Mai 1909 tritt die Vestische, die 1899 in Herten mit Pferdebussen begonnen hat, in Bottrop auf den Plan. Damals startet sie die Nahverkehrsverbindung zwischen Bottrop und Gladbeck mit der Linie 19. Bereits ein Jahr später notiert sie in ihrem Jahresbericht eine Schienenstrecke zwischen Bottrop und Gladbeck von 18,1 Kilometern Länge. 13 Triebwagen und 9 Beiwagen fahren 1913 auf dieser Strecke. Vielfach werden Bahnen der Vestischen während des Ersten Weltkrieges auch als Lazarett-Fahrzeuge für den Verwundeten-Transport genutzt. Schon damals sitzen die ersten Frauen an der Kurbel, also der Steuerung der Bahnen. Zu ihnen gehört die Bottroperin Klara Diehl. Lebte sie noch, wäre sie heute weit über 100 Jahre alt.

Überhaupt, was wäre aus der Straßenbahn geworden ohne die Frauen. Sie sorgen dafür, dass die Bottroper auch während des Zweiten Weltkriegs und in den ersten Jahren danach nach Essen, Gladbeck, Sterkrade, Osterfeld oder Gelsenkirchen gelangen. Damals ist der Schlager von der „lieben kleinen Schaffnerin“ der reine Ohrwurm.

Trittbrettfahrer – ein noch heute gängiger Begriff – gehören in den Jahren 1945 bis 1947 zum gewohnten Bild. Die Wagen sind überfüllt. Mit Mühe drängen sich die Schaffnerinnen durch, verkaufen Fahrscheine, knipsen Wochenkarten ab. Trittbrettfahren war zwar nicht erlaubt, doch die meisten Schaffnerinnen drücken beide Augen zu. Die Straßenbahn ist damals fast das einzige Verkehrsmittel, um von A nach B zu kommen.

Doch zurück zu den Anfangsjahren der Vestischen in Bottrop. Bereits 1912 beschließt der auch für das Dorf Bottrop zuständige Landkreis Recklinghausen eine Erweiterung des Schienennetzes. Es verbindet bald Bottrop-Mitte mit dem Stadtteil Boy. Jahre später folgt die Verbindung mit Prosper II. 1927 nimmt die Vestische eine Dollar-Anleihe auf, um die 4,7 Kilometer lange Verbindung von Bottrop nach Sterkrade zu bauen. Später fährt die Linie 18 vom Bahnhof Gladbeck-Ost über Bottrop nach Osterfeld.

Schon 1909 baut die Vestische in Bottrop an der Gladbecker Straße neben der Gaststätte Kruse ihren Betriebshof (Foto rechts). Genutzt wird er bis 1975. Heute befindet sich dort das Brauhaus Bottich. Zeitweilig ist dort nach Schließung des Betriebshofes – die Bottroper nennen ihn Straßenbahn-Depot – auch das Straßenverkehrsamt untergebracht. Immerhin ist das Depot bis zuletzt Standort von 50 Bussen, die dort auch gewartet werden.

Über ihr längstes Schienennetz verfügt die Vestische 1958. Damals sind es 265 Kilometer. Zwei Jahre später beginnt es zu schrumpfen. Die Straßenbahnlinien werden ersetzt durch Busse. Übrig bleibt 1975 noch die Verbindung nach Gladbeck, nun im Fahrplan als Linie 17  (Foto unten 1973 am Pferdemarkt) geführt.

Übrigens werden die Linien nicht immer durch Ziffern gekennzeichnet. Die Verbindung von Gladbeck über Bottrop nach Osterfeld trägt 1914 als Bezeichnung den Buchstaben A, die Verbindung von Boy über den Pferdemarkt nach Prosper II den Buchstaben C. Vorbei! Die „liebe kleine Schaffnerin“ gibt es schon lange nicht mehr. Eine letzte Straßenbahnerin der Linie 17 wird später als Busfahrerin gesichtet. Im ehemaligen Depot gastieren Jazz-Bands.

Über die Schienen aber rollt in der Nacht vom 27. auf den 28. November 1976 die alte Linie 17 der Vestischen das letzte Mal. Für die „Elektrische“ gehen die Lichter aus.

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Film-Zeitreise. Bottroper Nahverkehr. 1995/1999: Ein Bahnhof verschwindet

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Film-Zeitreise. Bottroper Nahverkehr. 1998: Der neue Bottroper Hauptbahnhof noch ohne Dach und ohne Gebäude.

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17. Oktober 2001: Noch 75 Tage bis zum Euro/Teuro.

Vor zehn Jahren läuft der Countdown für den Start des Euros, was zugleich das Ende der bewährten D-Mark bedeutet. Die Bottroper Bevölkerung ist gespalten. Die Einen befürworten den Währungswechsel, die Anderen lehnen ihn ab. Was von Euro-Befürwortern bis heute meist geleugnet wird: Der Euro entpuppt sich in vielen Bereichen doch als Teuro. Unten ein Beispiel aus dem Bottroper Handel mit einer Preis-Gegenüberstellung für ein TV-Gerät in Anzeigen vom Oktober 2001 und vom Januar 2002. Seit dem 1. Januar gilt das Euro-Bargeld.


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Film-Zeitreise. 2002: “Hallo Ü-Wagen” auf dem Pferdemarkt.

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1981: Karstadt feiert 100 Jahre. In Bottrop ging’s 1892 los.

Bei Karstadt an der Hansastraße ist der Teufel los. Das Bottroper Haus des Konzern erlebt vor  30 Jahren einen Ansturm, wie schon lange nicht mehr – und wie danach wohl auch kaum wieder. Der Grund: Die Warenhauskette feiert ihren 100. Geburtstag. Nicht nur in Bottrop, sondern allgemein.

Vor allem mit Jubiläumsangeboten aus der Unterhaltungselektronik (Ausriss oben: Karstadt-Prospekt, Mai 1981) versucht die Firma zu glänzen. So gibt es Fernsehgeräte mit 63 cm Bildschirmdiagonale für gut 1200 DM (knapp 600 Euro). Und das sogar in bunt – 14 Jahre nach dem Farbfernseh-Start in Deutschland ist das längst noch nicht selbstverständlich. Generell wundert man sich aus heutiger Sicht, wie teuer damals selbst diese Sonderangebote sind. Aber der Preisverfall für TV & Co. hat 1981 noch nicht begonnen.

100 Jahre zuvor sind Radio und Fernsehen noch nicht erfunden und so handelt Rudolf Karstadt 1881 bei der Eröffnung seines ersten Geschäfts in Wismar mit Mode, mit Konfektionsware. Aus diesem Ur-Laden entwickelt sich schnell eine Ladenkette. Allerdings hat das zunächst nichts mit Bottrop zu tun. Warum das so ist, dazu müssen wir im Jahr 1885 in Richtung Münster, nach Dülmen, blicken.

Dort eröffnet zu der Zeit Theodor Althoff ebenfalls ein Geschäft für Mode und Wollwaren. Beide Kaufleute verwirklichen in ihren Läden unabhängig voneinander ein für die damalige Zeit revolutionäres Konzept: Die Preise, die sie verlangen, sind Festpreise, feilschen ist verboten. Außerdem muss bar bezahlt werden. Das bis in die 1960er Jahre vor allem im Lebensmittelhandel so beliebte „Anschreiben“ (Kauf auf Pump) gibt es bei Althoff schon 70 Jahre früher nicht mehr.

Die Idee kommt an: 1887 eröffnet Althoff in Gladbeck seine erste Filiale, in Rheine folgt bald die zweite, und am 25. Mai 1892 beginnt der Verkauf in Filiale Nummer drei in Bottrop an der Hochstraße. Der Laden – er befindet sich etwa da, wo heute Rebbelmund steht – ist allerdings mit nur gut 200 Quadratmetern recht klein.

Erst am 1. Mai 1929 können die Althoff-Kunden beim Einkauf durchatmen: Der Neubau an der Hansastraße (Ausriss links mit einer Anzeige von 1953) wird mit seinen 6000 Quadratmetern an der Stelle der erste großen Schule in Bottrop aus dem Jahr 1837 errichtet. Kommerz statt Kultur? In diesem Fall sicher nicht: Es wird damals eine moderne Schule gebaut. Aber sonst ist dieses Prinzip eine Praxis, die Bottroper Politiker auch später noch gerne verwirklichen. So als 1987 die Schauburg (Kino und Theaterbühne) der Textilkette C&A geopfert wird oder die Rücklagen für einen Theaterbau in ein Gewerbegebiet fließen.

Auf den Tag genau 59 Jahre nach dem Start in Bottrop wird das 1943 durch Bomben zerstörte Althoff-Haus am 25. Mai 1951 an der Hansastraße wieder eröffnet. Auf drei Stockwerken gibt es auf 3000 Quadratmetern Platz für die Wirtschaftswunderwaren. Bald kommen zwei weitere Geschosse hinzu. 1976 wird die Filiale bis zur Hochstraße mit insgesamt nunmehr über 10 000 Quadratmetern erweitert, wofür allerdings fast alle bis dahin erhaltenen alten Fassaden an dieser Straße fallen müssen.

Doch daran denkt im Bottrop des Jahres 1981 kaum noch jemand. Bis zum 15. Mai bestimmt die Schnäppchen- Jagd das Geschehen. In dieser Stimmung kann sich auch niemand vorstellen, dass der Karstadt-Konzern gut 20 Jahre später als Problemfall in die deutsche Wirtschafts-geschichte eingehen wird. Die Marketing-Abteilung in der Essener Konzernzentrale hat vielleicht schon 2005 etwas geahnt, als sie den KSV, den „Karstadt-Schlussverkauf“ (Foto oben), zur Werbekampagne erhebt. Im Interesse der Bottroper Innenstadt und der wenigen verbliebenen Mitarbeiter kann man nur hoffen, dass die Transparente von 2005 nie wieder zum Einsatz kommen.

Ach ja, eine Erklärung fehlt noch: Was haben Althoff und Karstadt miteinander zu tun? Schon 1920 waren beide Firmen zum Karstadt-Konzern verschmolzen. Doch der traditionsreiche Name „Althoff“ bleibt noch bis 1960 an den meisten Filialen hängen. Erst vor rund 50 Jahren werden auch die Bottroper auf „Karstadt“ umgeschult. Aber es gibt heute durchaus ältere Bottroper, die noch zu „Althoff“ gehen.

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Serie: Kunst kaputt (2). Die demolierten Mädchen vor der Marie-Curie-Realschule.

An der Marie-Curie-Realschule ist eine neue Epoche angebrochen. Mit einem Festakt und einem Schulfest wurde vor den Sommerferien der neue Schultrakt nach 15 Monaten Bauzeit und einer Bauabrechnung über 2,3 Millionen Euro in Betrieb genommen. Und es war offenbar sogar etwas Geld für Kunst übrig. Eine Wende beim Kultur-Kahlschlag in Bottrop? Leider nicht!

Schwergewichtige Betonskulpturen (auf dem Foto unten aus dem Mai 2011 im Hintergrund) zieren jetzt den Raum direkt hinter dem Schulzaun an der Friedrich-Ebert-Straße. Was sie darstellen, war bei einer zufälligen Schülerbefragung während des Schulfestes aber nicht herauszubekommen: „Das würden wir auch gern wissen“, war meist die Antwort. Immerhin: Die neue Kunst des Jahrgangs 2011 wird wahrgenommen.

Schlechtere Karten hat da die gleich nebenan stehende Kunst des Jahrgangs 1969. Die Schülerbefragung zur Keramik „Mädchen im Gespräch“ brachte auch keine erhellenden Ergebnisse. Aber warum auch? Die Skulptur ist von der Stadt als Trägerin der Schule offenbar längst abgeschrieben worden. Irgendwann wurden ihr – von wem und wann auch immer – ein Arm und eine Hand abgeschlagen, ein Arm gebrochen, die Nasen angeschlagen und Anfang April auch noch die Köpfe abgeschlagen, die aber provisorisch wieder auf die Rümpfe gesetzt wurden (Bild oben im Vordergrund). Eine Reparatur, die sich zur Eröffnung des neuen Schultrakts angeboten hätte, gab es nicht.

Heute vergessen und demoliert wurde diese Plastik des Essener Künstlers Röwer am 15. Juni 1969 der Schule feierlich übergeben (Ausriss RN  links). Sollte sich der Umgang der obersten Bottroper Kulturverwalter mit der Kunst im öffentlichen Raum an dieser Stelle nicht ändern, ist schon jetzt absehbar, wie die neuen Betonfiguren in 40 Jahren aussehen könnten: Kopf ab, Arm ab…

Noch ist es nicht klar, wie es mit Kunst, Theater, Literatur, Musik und Stadtarchiv mittelfristig in Bottroper weitergehen soll. Die ramponierte Keramik von 1969 ist ein mahnendes Symbol. Plötzlich ist Kunst offenbar keine Kunst mehr. Kultur künfig nur noch nach Kassenlage? Oder wie erklärt sich der stillose Umgang mit der Skulptur vor der Marie-Curie-Realschule? Eine städtische Schule, über die auf der Schüler-Schulseite im Internet übrigens der Satz steht: „Kunst ist ein Schwerpunkt unserer Schule.“ Ist das im Rathaus etwa nicht bekannt?

Der frisch am neuen Schultrakt aufgehängte Spruch von Marie Curie ist geradezu eine Aufforderung, den Kultur-Kahlschlag in Bottrop auch künftig immer wieder zum Thema zu machen: „Man muss Ausdauer haben und vor allem Zutrauen zu sich selbst.“

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Film-Zeitreise. Als die Innenstadt noch lebte. Die Bottroper City im Sommer 1989. Mit vielen Menschen und viel Grün.

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Das Hansa-Zentrum: Neuer strahlender Mittelpunkt der Stadt. Vor 30 Jahren wird das Einkaufszentrum eröffnet.

Der 2. Mai 1981 wird in der Bottroper City wie ein Feiertag begangen: Das Hansa-Zentrum am Berliner Platz (Foto rechts: Frühjahr 1980) wird gut zwei Jahre nach dem ersten Spatenstich endgültig eröffnet. Denn ein Teil der Geschäfte hatte schon im November 1980 die Türen geöffnet. Jetzt, im Mai 1981,  sind alle 40 Geschäfte ein neuer Magnet für die Kunden (unten links einige Schriftzüge von Läden der ersten Stunde). Die mittelständischen Einzelhändler und Dienstleister haben viel zu bieten. Die Angebotspalette reicht von Fotogeschäften über Bäcker, Fleischer und Cafés, einen Raumgestalter und eine Änderungsschneiderei bis hin zu diversen Modeläden.

Bei den Eröffnungsreden wird die zentrale Lage des Einkaufszentrums betont. Es sei die ideale Brücke zwischen Wochenmarkt, ZOB und Post auf der einen Seite und der Hansastraße, Karstadt und Cyriakuskirche auf der anderen Seite.

Die Idee, an dieser zentralen Stelle in der Innenstadt einen Einkaufsmagneten zu schaffen, geht bis zum Beginn der 1970er Jahre zurück. Die Brauerei Jansen hatte auf einem Teil des Geländes seit 1874 Bier gebraut. Bereits kurz nach dem Aufkauf der Bottroper Traditionsbrauerei („Westfalia“-Bier) durch die Duisburger König-Brauerei war der Braubetrieb eingestellt worden. Als auch in der Brotfabrik Allermann, die den übrigen Teil des Geländes nutzte, die Öfen kalt werden, ist der Weg frei für eine völlig neue Nutzung des Areals mitten in der Stadt.

Schon bald nach der Eröffnung bildet sich im Hansa-Zentrum eine Werbegemeinschaft, die der neuen Einkaufsmeile durch regelmäßige Veranstaltungen zusätzliche Kunden bringt. Das Hansa-Zentrum wird durch seine zahlreichen gastronomischen Angebote auch zu einem beliebten Kommunikationstreffpunkt in Bottrop-City. Die Zukunft für das 30 Millionen D-Mark-Projekt (rund 15 Millionen Euro) scheint rosig…

Wann das von vielen Bottropern heute als eine Art Einkaufsruine angesehene Hansa-Zentrum (Foto rechts) wieder zum Leben erweckt wird, ist seit Jahren nebulös. Termin-Ankündigungen der Besitzer und der Stadt werden von vielen Bottropern schon lange nicht mehr ernst genommen, da sie sich in der Regel als falsch erwiesen haben.

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Bottroper Nahverkehr. 11. Oktober 2010: Der neue ZOB geht an den Start. Nach einem Jahr eine Bilanz mit Lob und Kritik.

Der neue ZOB am Berliner Platz hat Geburtstag. Heute vor einem Jahr ging der Zentrale Busbahnhof an den Start. Seitdem fahren täglich rund 2000 Busse den Berliner Platz an, um die Bottroper von hier an ihre Ziele zu bringen. Ein Jahr ZOB – Zeit, um Bilanz zu ziehen. Hat das Projekt die von Politikern und Stadtverwaltung hoch gesteckten Ziele erreicht? Was sagen die täglichen Nutzer? Es gibt Lob und Tadel.

Am 10. Oktober 2010, es ist ein Sonntag, fährt auf dem neuen ZOB noch kein Bus. Dennoch ist er rappelvoll (Foto oben). Stadt und Vestische haben zur Eröffnung eingeladen. Bei einem bunten Rahmenprogramm und einem Bierchen, mit dem auch OB Tischler und Vestische-Chef Schmidt (Foto rechts) mit Bürgern und Fahrgästen auf das Bauwerk anstoßen, erkunden Tausende von Bottropern die neue Zentrale des Nahverkehrs. Vor allem die neuen elektronischen Anzeigetafeln und die vielen Sitzgelegenheiten werden spontan positiv registriert.

Doch wie hat sich der ZOB nach dem Beginn des Alltags am 11. Oktober 2010 bewährt? Norbert Konegen, Sprecher der Vestischen, hält im Gespräch mit „Bottroper Geschichte – ganz frisch“ ein uneingeschränktes Lob parat: „Der ZOB hat sich rundum bewährt. Unsere Fahrer profitieren. Sie können an die großzügig angelegten Haltestellen optimal heranfahren, was wiederum den Fahrgästen das Ein- und Aussteigen enorm erleichtert.“

Unter den 16 überdachten Bussteigen hätten die Busse nun auch bei eventuellen Verspätungen genügend Stellfläche. Auf dem alten ZOB sei es da immer wieder zu Staus gekommen, die den Fahrgästen das Ein- und Aussteigen erschwert hätten. Sehr zufrieden ist Konegen auch mit dem neuen Kundencenter. Der Sprecher der Vestischen lobt die aus seiner Sicht gelungene Kombination aus Funktionalität und ansprechender Architektur. Konegen: „Der Lichtbalken zur Horster Straße hin ist schon einmalig.“ (Foto oben)

Zahlreiche Fahrgäste sehen das durchaus anders. Sie interessiert weniger der Lichtbalken und die Architektur, sondern dass sie gerade jetzt im Herbst trotz der Überdachung an vielen Stellen des ZOBs bei Regen nass werden. „Das Dach ist doch viel zu hoch“, klagt ein Fahrgast aus Vonderort, „selbst bei nur leichtem Wind wird der Regen unter das Dach geweht.“ Die Sitzbänke im Bereich der Osterfelder Straße seien dann sofort nass. Außerdem, so beklagt sich ein anderer Bottroper, gebe es dort keinen Windschutz an den Sitzgelegenheiten.

Kritik erntet auch die Planer-Idee mit dem Baum im westlichen Bereich des ZOBs. Schon der erste Versuch, am 1. Juni 2010 einen Baum zu pflanzen, ging schief, weil die Rinde brach (Foto oben). Weil das Dach wegen des später doch erfolgreich gepflanzten Baums ein riesiges Loch habe, seien auch die rund um den Baum arrangierten Sitzbänke bei Regen völlig unbrauchbar (Foto oben). „Die Planer haben hier viel zu kurz gedacht“, sagt eine Frau aus dem Eigen, „die haben einen Schönwetter-ZOB gebaut.“

„Und nicht nur das“, wirft ein Fahrgast aus Ebel ein, „die haben auch das Klo vergessen.“ Das stimmt allerdings nur halb. Es gibt ein ZOB-Klo, doch das muss man erst mal finden! Dazu muss man den ZOB in Richtung Kaufland verlassen, sich zur Fahrrad-Station durchfragen, dort einen Schlüssel abholen und wenn man dann die graue Aufschrift „WC“ auf einer grauen Tür findet (Foto oben) – dann ist es hoffentlich noch nicht zu spät.

Auch bei Verspätungen der Busse läuft nach einem Jahr am neuen ZOB längst noch nicht alles optimal. Die viele zehntausend Euro teuren Anzeigentafeln (Foto unten) funktionieren nur zum Teil. Sie sollen eigentlich die genaue Abfahrtzeit der Busse unter Berücksichtigung aktueller Verspätungen anzeigen. Doch das klappt – mit Ausnahmen – nur bei Bussen der Vestischen. Bei Bussen (SB 91, 979) der Stadtwerke Oberhausen (Stoag) funktionierte das monatelang nicht, doch seit einiger Zeit immer öfter.

Für die Fahrgäste, die Busse des Busverkehrs Rheinland (SB 16 nach Essen und Kirchhellen und SB 29 nach Gelsenkirchen) nutzen wollen, gibt es hingegen keine aktuellen Informationen über Verspätungen. Ausgerechnet, denn der SB 16 hat seit der weltfremden Politiker-Entscheidung, den Bus auf einer 30 Kilometer langen Strecke zwischen Dorsten und Essen fahren zu lassen, die meisten Verspätungen in Bottrop. Für die betroffenen Fahrgäste sind die teuren Anzeigetafeln auch nach einem Jahr ZOB immer noch ohne Nutzen.

Schon vergessen: Der alte Busbahnhof, der von 1982 bis 2009 Mittelpunkt des Bottroper Nahverkehrs war.

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Hirschfelder, Löchelt und ein gläsernes Rathaus: Plakatives vor der Kommunalwahl am 12. September 1999.

Und was ist nach 12 Jahren von den plakativen Sprüchen geblieben?

SPD. Der Bürger steht immer noch nicht im Mittelpunkt. Aktuell: Erst stand die Partei der Ansiedlung eines offenbar unter Druck stehenden Autohauses (s. WAZ vom 5. Oktober 2011) in der Frischluftschneise an der Kirchhellener Straße laut Zeitungsbericht mit Skepsis gegenüber. Wenige Tage später plötzlich heftige Zustimmung (mehr HIER). Der Bürger steht außen vor und darf sich nur wundern. Transparenz geht anders. UND: Wenn der Kahlschlag der Allee an der Osterfelder Straße eine “liebenswerte Stadtplanung” ist, dann sprechen Bürger und SPD offenbar nicht mehr die gleiche Sprache.

CDU. Herr Hirschfelder ist nie Oberbürgermeister geworden. Vielleicht ist er in der falschen Partei: 1999 hätte er die Piraten Bottrop gründen sollen. Einen optisch besseren Spitzenkandidaten hätte es nicht gegeben.

DKP. Das gläserne Rathaus ist immer noch ein Traum der Partei. Aber immerhin: Sie kämpft nach wie vor dafür. Zum Beispiel HIER.

FDP. Schon damals sinnfreie Sprüche.

Grüne. Der 1999 plakatierte Atomausstieg ist tatsächlich auf den Weg gebracht worden – dummerweise aber von einer anderen Partei.

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“Hol’ mal eben Kleie für die Kaninchen!” Erinnerungen an die Boyer Getreidemühle von Wilhelm Große-Kraneburg.

„Geh’ mal eben zur Mühle und hol’ Kleie für die Kanin- chen. Zwei Pfund Mehl kannst Du auch noch mit- bringen.“ Wer Ende der 1950er Jahre als Heran-wachsender in der Boy wohnte, der wird sich vielleicht auch noch an solche Einkaufs-aufträge erinnern.

Denn die übliche Kleintierzucht im Stall hinter dem Haus, vorzugsweise mit Kaninchen und Hühnern, will mit Futter versorgt sein. Und das Mehl, das in den großen braunen Tüten abgepackt wird, ist in der Mühle (Foto oben von 2003) billiger als beim Lebensmittelladen um die Ecke. Discounter gibt es noch nicht.

„Die Mühle“ (Foto oben, rechts im Hintergrund) ist in der Boy und auch in Welheim ein feststehender Begriff – jeder weiß, was gemeint ist: die Getreidemühle von Wilhelm Große-Kraneburg an der Ecke Johannes-/Batenbrockstraße. Es gibt sie schon um die Jahrhundertwende, als die Boy noch „Boyer“ heißt. Ein alter Mühlstein trägt die Jahreszahl 1892 (Foto rechts). Nach neueren Angaben soll die Mühle aber erst kurz vor dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) in Betrieb gegangen sein.

Auf jeden Fall ist sie nicht so ein spektakuläres Bauwerk wie die drei Windmühlen, die um 1900 im Bereich der heutigen Stadtmitte aktiv sind. Denn die Boyer Mühle wird von Maschinen angetrieben. Und so ist es meist recht laut, wenn man als Kunde die Außenstufen erklommen hat und im Inneren der Mühle auf ächzendem und vibrierendem Holzboden versucht, seine Kleie-Bestellung loszuwerden.

Der Mühlen-Besuch ist deshalb jedes Mal auch ein Abenteuer. Das ganze Gebäude, jeder Mauerstein und jede Holzbohle, scheinen damit beschäftigt zu sein, die Körner von den Getreidefeldern der Boyer Bauern an der Kraneburgstraße oder an der Körnerschule zu mahlen.

So gesehen ist die Mühle heute tot. Als Baudenkmal aber wird sie wohl erhalten bleiben.

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7. Oktober 2001: Noch 85 Tage bis zum Euro/Teuro.

Der Euro kommt! Vor genau zehn Jahren, im Herbst 2001, wird diese Ankündigung von vielen Menschen bejubelt. Andere sehen darin aber eine Bedrohung ihres Geldes und ihrer Ersparnisse. Die zweite Gruppe sollte – wie wir es seit Monaten erleben müssen – mit ihrer Skepsis dichter an der Wirklichkeit sein als die Jubler. Aber auch schon vor zehn Jahren werden die Kritiker des neuen Geldes durch Alltagsbeobachtungen in ihrer Haltung unterstützt, wie diese Fotodokumente zeigen. Um der Kritik aus dem Wege zu gehen, in der Euro-Start-Nacht vom 31. Dezember 2001 auf den 1. Januar 2002 nicht exakt umgerechnet zu haben, treffen zahlreiche Händler schon Monate vor der Währungsumstellung ihre trickreichen Vorbereitungen. Sie planen, aus dem Euro einen Teuro zu machen.

So ist in einem Bottroper Geschäft eine CD-Reihe mit Hits aus vielen Musik-richtungen zunächst zum alten Standard- preis von 12,99 DM pro Scheibe zu bekommen (ab 2002 wären das exakt 6,64 Euro). Doch plötzlich erhöht sich der Preis laut neuem Preisetikett auf die völlig krumme Summe von 15,63 DM, also um stolze 20 Prozent. Wenige Tage später wird klar, was dahinter steckt: Ein neues Preisschild zeigt an, dass 15,63 DM genau einen handelsüblich griffigen Schwellenpreis von 7,99 Euro ergeben. Die vielfach befürchteten Preiserhöhungen durch den Euro finden also nicht in der Silvesternacht 2001 statt, sondern schon lange vor diesem Termin. Dafür gibt es im Alltag des Jahres 2001 reihenweise Beispiele, die den späteren Ruf des Euro als Teuro begründen.

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Film-Zeitreise. 2001: Das Rote Pferd geht an den Start.


Mehr dazu HIER.

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Vor 30 Jahren: Bürger retten die Kapelle am Kreuzkamp

Das Gebäude des alten Marien-hospitals am Kreuzkamp hatte längst ausgedient (Foto rechts). 1979 wird mit dem Abriss des Gemäuers begonnen. Hier sollen die neue Polizeiwache und das Finanzamt entstehen. Doch was ist mit der kleinen Kapelle, die zum Krankenhaus gehörte und die den Neubauten keineswegs im Wege steht?

Sie soll auch verschwinden, hat irgendwer entschieden. Doch das bringt viele Bottroper auf die Palme. Der Ende 1980 erstmals erschienene „Stadtspiegel“ greift diesen Unmut vieler Bürger auf und startet eine Aktion zum Erhalt der Kapelle (Foto oben). Nach einigem Hin und Her haben die Bottroper Erfolg: Die kleine Kirche bleibt bestehen.

Heute – nach 30 Jahren – steht das damals angeblich schon baufällige Gemäuer immer noch und gilt als Zierde auf dem grünen Platz vor den Behörden-bauten. Irgendwie hat die Kapelle was von einer kleinen Kirche, die irgendwo in Schottland stehen könnte – wenn nicht die drei typisch deutschen Abfalltonnen auf dem Bild (oben) zu sehen wären.

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Film-Zeitreise. 1989: Auf der Horster Straße durch die Boy.

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Serie: Kunst kaputt (1). Die sinnlose Zerstörung des Glaskunstfensters im alten Hallenbad im Jahr 2007.

Im Sommer 2007 herrscht in der Bottroper Innenstadt Abbruchstimmung. Der Umbau des Berliner Platzes zur geplanten „guten Stube Bottrops“ beginnt. Als Erstes wird das 1958 eröffnete Hallenbad platt gemacht. Es soll dem Kaufland-Komplex Platz machen. Bei diesen Abbruch-Arbeiten verschwindet auch der größte Teil des bekannten Glaskunstfensters vom anerkannten Glasmaler Hans Lünenborg im Bauschutt (Fotos oben und unten). Ein Verlust, der seitdem von vielen Kunstexperten überall im Land kopfschüttelnd beklagt wird. Am 2. Januar 2010 beschäftigt sich WAZ-Redakteur Norbert Jänecke in einem Artikel ausführlich mit dieser sinnlosen Zerstörung eines Kunstwerkes mitten in Bottrop. Im Folgenden zitiere ich aus seinem Bericht.

Sein Meer war nicht blau, auch nicht grün. Das Meer des Glasmalers Hans Lünenborg am alten Hallenbad leuchtete in Rot. Gischt schäumte. Sonne spiegelte sich in den Wellen. Auf ihnen tanzten gläserne Perlen wie Wassertropfen. Ein Meer in Rosa und Rot? (Foto unten)

Entartet” – so hatten Faschisten in Nazi-Deutschland auch Lünenborgs Kunst diffamiert. Über sechs Jahrzehnte nach dem Untergang des Hitler-Reichs schlug ein Bagger Lünenborgs Werk beim Abriss des Bades in tausende Scherben. War es Ahnungslosigkeit, war es Gedankenlosigkeit?

Der Anblick schockiert”, meinte Dr. Annette Jansen-Winkeln, nachdem sie Bilder von der Zerstörung des Kunstwerks am Berliner Platz sah. „So darf man nicht mit Kunst umgehen”, kritisiert die Gründerin der Stiftung Forschungsstelle Glasmalerei in Mönchengladbach. Der Stadt war es nicht nur zu teuer, Lünenborgs gebäudehohe Glasarbeit an anderer Stelle zu rekonstruieren, sie gab nicht einmal das Geld dafür, diese zu erhalten (Foto unten: Fragmente des Fensters mit Rathausturm). „Es ist eine Schande”, sagte die Sprecherin der Stiftung. Auf die Pflege der Bleiverglasung aus Opalglas, Goldoxyden und Goldrosaglas hatte die Stadt ja ohnehin schon kaum Wert gelegt. Kurz vor dem Abriss war die Glasarbeit nur ein Schatten ihrer selbst, viele Glasstücke zerbrochen, die Goldauflage verwittert gewesen. „Nur weil die Kunst aus Glas ist, darf man sie doch nicht zerstören”, bedauerte Annette Jansen-Winkeln, deren Stiftung die Glasmalkunst in der Metropole Ruhr dokumentierte.

Hans Lünenborg, der den Entwurf für das zerstörte Glaskunstwerk am Berliner Platz ausgearbeitet hatte, so berichtet Jänecke weiter, sei durch Vertreter des Expressionismus geprägt gewesen. Der Künstler, der 1990 in Köln starb, gehöre nach Meinung von Kunstkennern zu den Menschen, die die Glasmalerei in Deutschland entscheidend geprägt hätten.

Sein Glasfenster im Bottroper Hallenbad sei für die Öffentlichkeit geschaffen worden. Und deshalb, so zitiert Norbert Jänecke die Vertreterin der Stiftung Glasmalerei, müsste es eigentlich dauerhaft in der Öffentlichkeit bleiben. Und wie sieht das die Kulturverwaltung in Bottrop?

…die Stadt verarbeitete Bruchteile des Kunstwerks zur Wanddekoration, die jetzt im Treppenhaus des Verwaltungstrakts an der Paßstraße hängt (Foto links mit Pfeil, damit man den kläglichen Glaskunst-fenster-Rest im Bottroper Alltag überhaupt findet).

„Einmal zerstört ist für immer zerstört”, befürchtet Angela Jansen-Winkeln und meint: „Wir sollten heute aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und keine Kultur zerstören, die wir noch gar nicht richtig kennengelernt haben”.

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Politiker durchkreuzen Innovation-City-Idee: Automeile statt Frischluftschneise. Umwelt und Geschichte werden geopfert.

Die neue Bot- troper Auto- meile ist bald komplett. Zwei große Auto- häuser säumen die Kirch-hellener Straße bereits. Jetzt soll nach dem Willen der politischen Mehrheit in Bottrop ganz plötzlich auf historischem Gelände, dem Sackers-Areal (Foto oben im Morgennebel), ein weiteres Autohaus hinzu kommen.

In Innovation City, wo ja laut Ankündigungen der Innovation-City-Ankünder die umwelt-schädlichen Autoabgase in nächster Zeit drastisch reduziert und der Nahverkehr deutlich besser werden sollen, ist der Automeilen-Ausbau ein sehr seltsam anmutender Beschluss. Offenbar nehmen tonangebende Politiker in Bottrop die hehren Umweltziele, die ihr Oberbürgermeister überall verkündet, nicht so richtig ernst (s. auch geplanter Kahlschlag der Allee an der Osterfelder Straße). Das ist Wasser auf die Mühlen der stetig wachsenden Zahl von Bürgern, die den Begriff “Innovation City” nicht mehr hören können und die die Aktion nur noch für ein aufgeblasenes Marketing-Projekt halten.

Inkonsequent gegenüber den Innovation-City-Ankündigungen wirkt die Entscheidung zum Ausbau der Automeile an der Kirchhellener Straße auch deshalb, weil laut Flächenutzungsplan die „Fläche zur Sicherung besonderer Kilmafunktionen“ ausgewiesen ist. In dieser Frischluftschneise nördlich des Stadtgartens und des Marienhospitals soll nach den Autohaus-Plänen die versiegelte Fläche von bisher 4000 Quadratmetern auf 11 000 Quadratmeter vergrößert werden. Und: An der Gladbecker Straße hinterlässt die bisherige Automeile Leerstände und versiegelte Flächen.

Wie auch immer – mit der neuen Nutzung des Sackers-Geländes kommt es nicht nur zu einem folgenreichen Eingriff in die Umwelt, sondern es geht auch wieder einmal so ganz nebenbei ein Stück Bottroper Stadtgeschichte unter.

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Da bleibt nur eins:

Aber selbst den gibt es ja nicht mehr…

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NACHTRAG: Wie die WAZ am 5. Oktober 2011 berichtet, steht das Autohaus, das sich an der Kirchhellener Straße ansiedeln will, “unter Druck. Gegen das Autohaus sind an zehn von 18 Standorten im Ruhrgebiet Räumungsklagen anhängig”. Für einige Standorte müsse das Unternehmen sogar den Verlust der Händlerlizenz (für BMW und Mini) befürchten. Mehr dazu HIER.

Dass es Probleme rund um das Autohaus geben könnte, berichtete die Westfalenpost bereits am 14. März 2011. HIER mehr.

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Beiträge zur Bottroper Kino-Geschichte. 1956 geht jeder Einwohner siebenmal ins “Lichtspieltheater”.

In der Glanzzeit der Bottroper Kinos, 1956, raufen sich die verschiedenen Unternehmen zusammen und veröffentlichen gemeinsam eine Zeitungsanzeige, die ich hier dokumentiere. Interessant: Die Vielzahl der Kinos, die in fast jedem Stadtteil vertreten sind. Aufschlussreich ist auch der zentral platzierte ergänzende Text, der die Situation der Bottroper Kinos in der erst am Anfang stehenden Fernseh-Ära beschreibt und der unten in lesbarer Größe zu finden ist.

Mehr zur Bottroper Kino-Geschichte lesen Sie HIER.

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Allee an der “Osterfelder”: Einem Stück Stadtgeschichte droht der Schredder. Oder warum Bottrop oft ein Trauerspiel ist.

Bottrop, die „grünste Stadt im Ruhrgebiet“ – das war einmal. Zumindest in der Innenstadt hat die Stadtverwaltung während der Umbauarbeiten im vergangenen Jahrzehnt kräftig geholzt. In unserer Fotoreihe „Das neue Bottrop: Grün raus – Grau rein“ in der Kategorie „Geschichte in zwei Bildern“ ist das dokumentiert.

Jetzt laufen die Anti-Grün-Planer aber zur Höchstform auf: Die Allee an der Osterfelder Straße soll weit mehr als die Hälfte ihrer Bäume verlieren. Damit würde eine der wenigen Alleen und damit ein Stück Bottrop weitgehend in Kleinholz verwandelt. Aber auch ein wichtiges Kapitel Stadtgeschichte würde im Schredder landen. Denn dieses Grün gehört seit den ersten Anpflanzungen um 1880 zum typischen Bottroper Stadtbild.

Aber das passt zu den Erfahrungen, die diese Stadt ihren Bürgern liefert: Das offizielle Bottrop hat kaum einen Bezug zur Vergangenheit der Gemeinde. Sonst würden die Verantwortlichen im Rathaus die vielfältige Stadtgeschichte intensiv nutzen, um mit den Bürgern ein Bottrop-Gefühl zu schaffen. Stattdessen wird jetzt mal eben im Schweinsgalopp eine über 130 Jahre alte Lindenallee zum größten Teil plattgemacht. Gemäß dem Bottroper Rathaus-Motto: Gut, dass wir nicht drüber geredet haben.

Denn eine ausführliche Bürgerbeteiligung an dem jetzt erst kurz vor der politischen Entscheidung vorgelegten Konzept ist nicht möglich. Sie wäre aber notwendig, weil das von den Politikern der großen Parteien im Bauausschuss offenbar ausgeguckte Fällen von 56 der jetzt noch stehenden 95 Bäume ein gravierender Eingriff ist, der das Stadtbild verändert und der jeden Bottroper berühren könnte – nicht nur die Anwohner.

So gesehen ist Bottrop mal wieder ein Trauerspiel.

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Bildstreifzug: Schützenparade auf dem Berliner Platz 1993.

Die Schützenvereine sind eines der wenigen Beispiele für die gelungene Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart. Mit ihren regelmäßigen Auftritten in der Öffentlichkeit rund um ihre Schützenfeste dokumentieren sie, dass auch die oft als geschichtslos angesehene Stadt Bottrop tiefe historische Wurzeln hat. Hier ein Bildstreifzug aus dem Jahr 1993 von der Schützenparade auf dem (alten) Berliner Platz. Mehr zum Thema Schützen auch HIER.

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Historische Entscheidung der Verkehrspolitiker: Allee mit 56 Baumstümpfen schafft Platz für 43 Autos.

Wenn das nicht innovativ ist!? Alleen mit kompletten Bäumen gibt es fast überall – aber eine Allee mit 56 Baumstümpfen, die wird es bald nur in Innovation City geben. Nachdem die Mehrheit der Politiker im Verkehrsausschuss bewiesen hat, dass man auch ohne enge Beziehung zur Stadtgeschichte historische Entscheidungen fällen kann, wird es an der Osterfelder Straße bald etwa so aussehen:Noch steht die zum Teil über 100 Jahre alte Allee mit ihren 95 Linden (Foto unten). Aber es werden nur 39 übrigbleiben. Das schafft Raum für Abstellplätze für 43 Autos. Eine Auto-Allee mit einigen Bäumen dazwischen. Das ist wirklich „innovation“: Mit weniger Sauerstoff spendenden Bäumen und mehr Autos soll die Luftbelastung sinken. Aber auch hier wäre ein Blick in die Geschichte hilfreich: In der Vergangenheit war das immer umgekehrt.

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2002: In Bottroper Briefkästen landet historische Wahlwerbung. Die heutige 1,8-%-Partei will 18 % erreichen.

Vor neun Jahren, am 22. September 2002, findet die Wahl zum 15. Deutschen Bundestag statt. Die FDP, in Berlin inzwischen zur 1,8-Prozent-Splitterpartei zerbröselt, fährt damals die „Strategie 18“, die u. a. von NRW-Parteichef Jürgen Möllemann entwickelt worden ist. Ziel ist es, 18 % der Stimmen zu erreichen. Die Wahlwerbung dazu landet im Sommer 2002 als „Postwurfsendung“ auch in allen Bottroper Briefkästen (Ausriss rechts). Was damals bald im Altpapier landet, kann heute als ein historisches Dokument in der FDP-Geschichte angesehen werden.

Und das kam so: Das Wahlergebnis ist weit von den strategischen Plänen mit 18 % entfernt: Die FDP bringt es auf 7,4 % der Stimmen. Nach den enttäuschenden Zahlen und einer von Möllemann ausgelösten Antisemitismus-Debatte drohen die erbitterten Diskussionen zwischen den Gegnern und den Befürwortern Möllemanns die Partei zu spalten.

Als Details der fragwürdigen Finanzierung des hier abgebildeten Flugblattes (links, die Rückseite) bekannt werden, verliert Möllemann immer mehr den Rückhalt in der FDP und schließlich droht ihm sogar ein Parteiausschluss-verfahren. Nach der gebrochenen Zusicherung, sein 2002 gewonnenes Bundestagsmandat wieder aufzugeben, kommt er einem vom Parteivorstand beschlossenen Ausschluss zuvor und tritt im März 2003 aus der FDP aus.

Drei Monate später stirbt Möllemann unter nicht völlig geklärten Umständen bei einem Fallschirmsprung in Marl.

Quellen: Eigene Recherchen, Wikipedia

 

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Bottroper Handelsgeschichte in historischen Anzeigen (Schluss)

Der Einzelhandelsverband Bottrop, der am 16. Juni 1921 gegründet wurde,  feiert in diesen Tagen offiziell seinen 100. Geburtstag. Der Blog “Bottroper Geschichte – ganz frisch”  dokumentiert die Bottroper Handels-Historie in mehreren Beiträgen mit ausgewählten Zeitungsanzeigen aus 90 Jahren.

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Beiträge zur Bottroper Kino-Geschichte. Asbest und explosive Streifen. Film-Pionier Biggemann erinnert sich. 1908-1926.

Eigentlich wollte Fritz Biggemann ganz etwas anderes machen. Doch ein Unfall wirft ihn aus seiner beruflichen Bahn und bringt ihn auf eine Idee: Er wird zum “Kinomatographie-Pionier” in Bottrop: Am 4. Oktober 1908 eröffnet er an der Hochstraße 16 sein erstes Kino. Knapp 20 Jahre später, aus Anlass der Eröffnung der Schauburg als Theater/Kino-Kombination, erinnert er in einem Beitrag für die BVZ an die Anfänge der Bottroper Kino-Geschichte.

Es beginnt mit einer Enttäuschung: Das Geschäft läuft nicht so wie erwartet. Trotz der „sehr niedrigen Preise“, die zwischen 10 und 40 Pfennig pro Eintrittskarte liegen, bleiben die Besucher aus. „Schwere Tage musste ich überstehen“, berichtet Biggemann. An einem der schlimmsten Tage hat er 3 Mark Einnahmen, denen aber 80 Mark an eingegangenen Rechnungen gegenüberstehen. „Trotzdem ließ ich den Mut nicht sinken. Meine Frau ging an die Kasse. Mein Bruder Josef führte vor, und einen Invaliden stellte ich als Programmverteiler an. Während ich selbst die Rolle eines Platzanweisers übernahm.“

Das Lokal an der Hochstraße 16 ist 60 Quadratmeter groß und hat 100 Sitzplätze. Zu dem Vorführraum aus Holz führt eine halsbrecherische Treppe hinauf. Der „noch vorsintflutliche Mechanismus ermöglicht auf die Dauer keine einwandfreie Vorführung und wird mit Recht von den Leuten als ,Flimmerkasten’ bezeichnet“, erzählt Biggemann selbstkritisch. Aber damit nicht genug: Aus heutiger Sicht unmöglich ist der Vorführraum mit Asbest ausgeschlagen. Zum Löschen für einen eventuellen Brand des explosiven Zelluloids gibt es eine Decke. In die Wand ist ein primitives Loch gehauen worden, wo hindurch projiziert wird.

 

 

 

Foto: 1917 wird das erste Kino mit dem Namen Schauburg an der  Hochstraße eröffnet.

Biggemann ist sich der Gefahr, die von dieser Inneneinrichtung ausgeht, durchaus bewusst. Doch er sieht es auch positiv: „Von Polizei und Steuerbehörden wurde man recht wenig belästigt, man kümmerte sich kaum um unsereins.“ Denn die Feuergefährlichkeit des Zelluloids ist wohl erst recht Wenigen bekannt. Binsenstühle, die durch einfache Latten verbunden und festgemacht sind, ein elektrisches Klavier, das die musikalische Illustration zum Film liefert, vervollständigen die Einrichtung. Weiterlesen

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Bildstreifzug: Eigener Markt 1993

Das Wohn- und Geschäftshaus wird gebaut…und ein Kiosk.

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Vor zehn Jahren: Das Ehrenmal im Ehrenpark wird neu gestaltet

Das Areal heißt zwar noch Ehrenpark und das Denkmal im Ehrenpark wird als Ehrenmal bezeichnet, doch offiziell geehrt wird hier schon lange niemand mehr. Die einzige Grünanlage in der City, zwischen Friedrich-Ebert- und Brauerstraße gelegen, ist in dieser Hinsicht aus dem Rennen. Offizielle Veranstaltungen, die nach einem Ehrenmal verlangen, finden längst im Stadtgarten am dortigen Ehrenmal statt. Dabei ist es gerade einmal zehn Jahre her, dass die Stadtverwaltung das Ehrenmal im Ehrenpark neu gestaltete.

Die ersten Pläne für die Errichtung eines Ehrenmals – damals zum Gedenken an die getöteten Soldaten im Ersten Weltkrieg (1914-1918) gedacht – reichen bis ins Jahr 1928 zurück. Doch erst 1934 wird das Ehrenmal errichtet. Allerdings haben die Nationalsozialisten ein Jahr zuvor die Macht an sich gerissen und auch in Bottrop inzwischen regen Zuspruch. Auf einem Sandsteinblock, der sieben Meter lang, zweieinhalb Meter hoch und zwei Meter tief ist, wird ein sterbender Soldat dargestellt, der sich einem aufsteigenden Adler entgegen reckt.

Natürlich dürfen in jener Zeit das Hakenkreuz und das Eiserne Kreuz nicht fehlen. Das Denkmal dient den Nationalsozialisten laut Stadt zur Verherrlichung des Soldatentums und zur Propaganda. Das wird auch durch den darunter stehenden Spruch deutlich: „Aus Euren Opfern Wächst Das Neue Reich“.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Untergang des Nazi-Reichs (1945) werden das Hakenkreuz und auch das Eiserne Kreuz entfernt. Das Ehrenmal (Foto oben) erinnert seitdem nicht mehr nur an getötete Soldaten, sondern an alle Opfer der Weltkriege. Entsprechend wird damals der Spruch des Ehrenmals geändert (Foto ganz oben).

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