Seit 40 Jahren: Es blüht auf dem Kirchplatz. Oder Höttenplatz?

Der Frühling lockt. Auf dem Kirchplatz am Rande der Cyriakuskirche sind die Sitzbänke in diesen Tagen sehr begehrt. Und viele Blicke fallen dabei zwangsläufig auf die Skulptur, die sich am Westende des Platzes regelrecht in den Himmel schraubt. Was ist das da, was wie ein Korkenzieher aussieht? Das Kunstwerk hat einen Namen: „Das Blühende“. Und es hat Geburtstag: Seit genau 40 Jahren, seit 1971, ziert es den Platz. Doch damit geht die Zeitreise in die Bottroper Geschichte erst richtig los!

Das Kunstwerk ist ein Geschenk der Bottroper Kaufleute und der Handwerker, die damals offenbar noch Geld hatten, an die Bürger der Stadt. Anlass ist 1969 der 50. Jahrestag der Stadtwerdung Bottrops am 21. Juli 1919.

Mit ihren Unterschriften beenden die Mitglieder des preußischen Kabinetts an jenem regnerischen Montag einen Kampf, der die Bottroper Amtmänner 15 Jahre lang auf Trab gehalten hatte: Die Minister unterzeichnen die Urkunde, durch die der „Landgemeinde Bottrop im Landkreis Recklinghausen“ die Städteordnung verliehen wird. Im Alltag bedeutet das: Das „größte Dorf in Preußen“ mit seinen 72 000 Bürgern darf über seine Steuereinnahmen und seine weitere Entwicklung endlich selbst entscheiden und ist nicht mehr vom Kreis Recklinghausen abhängig. Wie es sich für ein verschlafenes Großdorf gehört, erfährt Bottrop aber erst viele Tage später, dass es Stadt geworden ist.

Dafür sind die Bottroper 50 Jahre später hellwach, um die „Sternstunde“ von 1919 gebührend zu feiern. Dazu ist sogar der neu geschaffene Platz südlich der Cyriakuskirche rechtzeitig fertig geworden. Gegenüber der Kirche eröffnet 1969 zudem das aus dem Eigen kommende Möbelhaus Hötten seinen Prachtbau. In diese Aufbruchstimmung passt das aufstrebende „Blühende“, das der Künstler H. Schlüter aber erst zwei Jahre später fertigstellen kann (Foto oben rechts).

Die Skulptur hat längst auch die Möbel-Ära an diesem Platz überlebt. Denn die Firma Hötten hat den eigenen Bau nur bis 2001 genutzt.

Vor genau zehn Jahren wurde der Laden dicht gemacht (Foto rechts), der seit einigen Jahren Krankenkasse und Billigladen beherbergt. Damit verschwand auch der inoffizielle Name „Hötten-Platz“, der sich 1969 schnell eingebürgert hatte.

Und so blüht das Blühende in seinem 41. Lenz – ohne jemals den Ort gewechselt zu haben – jetzt wieder auf dem Kirchplatz.

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Das ist Geschichte – ganz frisch. Und damit herzlich willkommen bei dem historischen Tagebuch für Bottrop.

Wir wollen hier Vergangenes aus unserer unmittelbaren Umgebung lebendig machen. Und das in einer Stadt, die oft als „geschichtslos“ angesehen wird. Doch das liegt vor allem daran, dass die Geschichte der Stadt – im Gegensatz zu vielen Nachbargemeinden – im Bottroper Alltag keinen hohen Stellenwert hat. Das Stadtarchiv, einst von einem Stadtarchivrat geleitet, führt – trotz allen Einsatzes der viel zu wenigen Mitarbeiter – nur  ein Schattendasein. Seit Jahren kommen Politiker und Stadt auch mit der dringend notwendigen Sanierung und Neukonzeption des Museums für Ur-und Ortsgeschichte im Stadtgarten nicht so recht zu Potte.

Zum Glück pflegen einige wenige Privatpersonen, zum Beispiel in kirchlichen Vereinen oder bei der Feuerwehr, die Geschichte. Meist wird sie aber nur zu Jubiläen bemüht. Sonst dämmert das Bottroper Gedächtnis zwischen Akten- und Buchdeckeln und oft nur schwer zugänglich vor sich hin. Und das ist sehr schade.

Die Internetseite Damals.inBottrop.net will das ein wenig ändern. Hier gibt es ab sofort in möglichst kurzen Abständen Historisches mit dem Bezug zur Gegenwart. Dafür brauchen wir keinen besonderen Anlass. Aber natürlich kann es auch mal ein rundes Datum sein, um „Geschichte – ganz frisch“ zu präsentieren.

Kommen Sie also mit auf Bottroper Zeitreisen. Es sind spannende Touren mit vielen Aha-Erlebnissen. Wer die Geschichte kennt, sieht plötzlich Bottrop neu. Es geht los mit einem Klick auf Damals.inBottrop.net

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