Ostern 1978: Das Wunder im Knusperhäuschen

Es ist kurz vor Ostern 1978, da geschieht im Bottroper Hauptbahnhof ein Wunder. Wohl gemerkt: Gemeint ist nicht der zugige Haltepunkt am Südring-Center, der seit 1999 großspurig als „Bottrop Hbf“ bezeichnet wird. Nein, es geht um jenes Fachwerkgebäude, das seit seinem Bau 1905 als „Knusperhäuschen“ verspottet als „Bottrop Hbf“ herhalten muss. Nachdem die damalige Bundesbahn das Gebäude jahrelang vergammeln ließ, wird kurz vor Ostern 1978 dort plötzlich die Schalterhalle renoviert (Foto oben).

Den Fahrgästen bringt das allerdings nicht viel: Die Empfangshalle ist auch nach der Renovierung düster und abschreckend. Kein Wunder, dass die Bottroper ihren „Hbf“ immer öfter meiden. Dabei verbindet der Bahnhof vor 33 Jahren Bottrop noch mit der großen, weiten Welt. Nun ja, so ganz groß darf man sich diese Welt nicht vorstellen, aber: Es gibt noch direkte Zugverbindungen nach Münster, nach Rheine und sogar nach Aachen.

Während die meisten Bottroper Verkehrspolitiker ihren jahrzehntelangen Traum von einer S-Bahnstation am Berliner Platz träumen, nutzt die DB die Zeit, um am Hbf ungehindert immer mehr Service abzubauen. Mit dem Start des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) am 1. Januar 1980 werden Nahverkehrsfahrkarten nur noch am Automaten verkauft. Und so wird der Fahrkartenschalter natürlich immer weniger genutzt. Am 1. April 1991 wird er nach 86 Jahren dicht gemacht. Das vergrault viele Fahrgäste.

Wer ab April 1991 zum Beispiel von der Boy oder vom Fuhlenbrock über Bottrop Hbf nach Münster fahren will, muss sich in einem Reisebüro in Stadtmitte erst eine Fahrkarte kaufen, bevor er im Hauptbahnhof in den Zug einsteigen darf. Die Schließung des gesamten Knusperhaus-Bahnhofs ist somit nur noch eine Frage der Zeit.

Seit knapp 15 Jahren ist der alte Bahnhof, der auf der jetzigen Festwiese an der Devenstraße stand, Geschichte. Nichts ist von der bescheidenen Bahntradition an dieser Stelle geblieben. Nur kleine Erinnerungen wie ein Foto von Ostern 1978, auf dem ein Plakatständer sogar über „zusätzliche Züge über Ostern“ informiert.

Heute kommt man von Bottrop Hbf auf einem der drei Gleise allenfalls noch bis Haltern, Borken oder Wuppertal. Mit der S-Bahn. Wenn sie pünktlich fährt. Und wenn der Zubringerbus vom ZOB nicht zu viel Verspätung hat. Wegen des Anschlusses. Und zusätzliche Züge über Ostern? Etwa nach Wuppertal? Vergessen Sie’s!

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3 Antworten auf Ostern 1978: Das Wunder im Knusperhäuschen

  1. Sylvia sagt:

    Sind es tatsächlich nur noch drei Gleise? Seinerzeit waren es 17: Die Gleise 1 und 2 und 15 und 17. Herrlich war das noch.

  2. Janka sagt:

    Wo bekomme ich Bilder von alten Bahnhof und Schule bahhofstr gerne gegen Bezahlung.

  3. Peter reimann sagt:

    Ich wuerde mich auch ueber Bilder vom alten Bahnhof und der alten Lehmkuhlerschule freuen.
    Auf dem Bild von der Schalterhalle ist sogar noch die Personenwaage zu sehen. Fuer 10 Pfennig konnte man sich wiegen. Es gab auch noch einen Schalter fuer Gepaeckaufgabe.
    Der Bahnhof war fuer mich der schoenste Spielplatz den man sich denken kann.
    Leider brauchte man in den 50/60er Jahren noch eine Bahnsteigkarte um auf diese zu kommen.
    Gruss,
    Peter Reimann ( frueher Friedrich Ebertstr. 7)

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