Der blaue Himmel über der Ruhr. 50 Jahre danach. Kommentar.

Im einstigen pechschwarzen Kohlenpott und somit auch in der bald letzten Kohlenstadt Bottrop kann man den 28. April 1961 gar nicht hoch genug einschätzen. Auch wenn der SPD-Kanzlerkandidat Willy Brandt an jenem Tag vor allem wohl nur eines im Sinn hatte, als er im fernen Bonn den blauen Himmel über der Ruhr forderte: den beginnenden Bundestagswahlkampf vor 50 Jahren. Und wie reagierte die CDU-Regierung? Sie tat Brandts Vorstoß in einer Zeit, in der es den Begriff „Umwelt“ im heutigen Sinn noch gar nicht gab, als „Hustenbonbon“ ab. Für die vielen Menschen im Ruhrgebiet, die noch immer an den Industrie-Giften jener Zeit leiden, eine bis heute nachhallende Ohrfeige. Ganz zu schweigen von den Menschen, die vermutlich durch Umweltbelastungen aus grauer Ruhrpott-Zeit bereits viel zu früh gestorben sind.

Brandts Idee blieb dann auch noch jahrzehntelang eine Vision. 24 Jahre, im Januar 1985,  nach dem Blauen-Himmel-Vorstoß erlebte das Ruhrgebiet den ersten und gleich mehrtägigen Smog-Alarm mit Einschränkungen für Wirtschaftsproduktion und den Autoverkehr. Erst dieser Umwelt-GAU brachte den Umweltschützern und den Grünen viel Zulauf, und in vielen Köpfen begann ein langsames Umdenken. Doch die Wirtschaft klagte, dass Umweltschutz die Produktion drastisch verteuern würde. Der Industrie- und Exportnation Deutschland drohe der Niedergang.

Sollte sich Geschichte etwa doch wiederholen? Hören wir aktuell nicht wieder ähnliche Argumente? Diesmal wird der Anfang vom Ende der deutschen Wirtschaft bei einem Atomausstieg beschworen. Auch von daher ist der 28. April 1961 ein Tag, an den man sich erinnern sollte.

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