Als viele City-Kaufleute noch gemeinsam handelten. 1970.

Ein Blick in die Geschichte kann manchmal auch traurig machen. Und das ist leider fast immer der Fall, wenn man den einst blühenden Bottroper City-Handel  mit heute vergleicht.

Dazu heute ein kleines Beispiel aus dem Jahr 1970. Damals gibt es in Bottrop doch tatsächlich eine Werbe- und Parkgemeinschaft, der über 40 Händler angehören. Sie erstatten ihren Kunden einen Teil der Parkgebühren und haben so ein zusätzliches Argument, Menschen auch aus der Nachbarschaft nach Bottrop zu locken. Was hier nicht nur an Spitzentagen so los ist, zeigt ein Foto vom Altmarkt aus jenem Jahr (oben): Wann ist die Stadt an normalen Einkaufstagen noch so voll?

Ein Blick auf das Plakat (links) der damaligen Parkgemeinschaft lässt zudem erkennen, warum der Bottroper Einzelhandel seinerzeit so attraktiv ist: Die Firmenliste weckt Erinnerungen an viele traditionsreiche Bottroper Handelsunternehmen, die sich individuell um ihre Kunden kümmern und eine Vielfalt an speziellen Waren bieten konnten. Bei der heutigen Flut von Filialunternehmen, die es in fast jeder Stadt genauso gibt, ist das besondere Bottroper Einkaufsflair längst verschwunden. So beklagt der Einzelhandelsverband 2007, das die Zahl der Geschäfte, in denen noch der Inhaber tätig ist, seit 1997 von 60 auf 40 Prozent abgestürzt sei. Heute dürfte diese Zahl noch niedriger liegen. Einzelhandelsverbands-Chef  Reckmann 2007 in der WAZ: „Immer mehr Ein-Euro-Läden und Ketten haben sich in der Innenstadt niedergelassen. Das ist nicht gut für die Stadt.“

Und noch etwas anderes ist schon seit vielen Jahren nicht gut für die Stadt und deren Attrak-tivität als Shopping- Standort im Revier: das fast tote Hansa-Zentrum. —-Foto: Beispiel: Die Firma Broch ist aus dem Stadtbild verschwunden.

Trotz zahlreicher Ankündigungen aus dem Rathaus und von den Investoren mit immer neuen Umbau-Terminen  hat sich das 1981 eröffnete Zentrum in den vergangenen Jahren zu einer Art Einkaufsruine im Mittelpunkt der City entwickelt. Ein Super-GAU für den Handel. Solange hier nicht wieder Leben einzieht, wird es Bottrop kaum gelingen, als Einkaufsstadt an Profil zu gewinnen.

Die Einkaufszentren in Oberhausen, Essen und Mülheim sind auch für viele Bottroper inzwischen viel attraktiver – vor allem für jene jüngeren Bottroper, die seit 15 Jahren mit dem Centro groß werden. Ihr dort gelerntes Einkaufsverhalten prägt sie für ihr Leben. Viele werden also auch künftig Einkaufszentren mit einheitlichen Öffnungszeiten und vielen Serviceangeboten bevorzugen. Für den Bottroper City-Handel tickt da eine Zeitbombe, denn die so geprägten Menschen in die hiesige City als Stammkunden zurückzuholen, dürfte fast unmöglich sein. Zum Shopping gehört auch für die mittelalte Generation längst, irgendwo essen oder ins Kino zu gehen. Und was bietet Bottrop da?

Aber es wird ja alles gut. Wie erklärte doch ein Sprecher der Projektgesellschaft für das Hansa-Zentrum im Dezember 2008 im Anzeigenblatt „Mittendrin“: „Die geplante Revitalisierung des Hansa-Zentrums wird sich aufgrund der aktuellen Situation an den Kapital- und Finanzmärkten auf Ende 2009 verschieben.“ Na, dann: Zurück in die Vergangen- heit! Warten wir da doch noch mal auf Ende 2009.

Foto: Symbol für den Niedergang im Bottroper City-Handel. Die Karstadt-Leuchtreklame ist längst abmontiert, nur ein Schmutzrand deutet den Firmennamen noch an. Und der Schriftzug “Hansa-Zentrum” hat auch schon bessere Tage gesehen.

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