Das Bild zum Tage: Volkszählung light. 1919.

Wenn ab morgen, 9. Mai 2011, die Datensammler durch Bottrop ziehen, um die Volkszählung 2011 zu verwirklichen, gibt es offenbar nur verhaltene Diskussionen über Sinn oder Unsinn so einer kostenträchtigen Aktion. Welcher Bürger kann aber auch etwas dagegen haben, wenn er aus dem Rathaus hört, dass man die Daten brauche, um nicht falsch zu planen. Da kann einem ja wirklich angst und bange werden: Heißt das etwa, dass die Stadt bisher blind in der Gegend herumplant? Das geht natürlich nicht. Und deshalb wirkt das Argument in Bottrop offenbar. Denn das Rathaus verkündet an gleicher Stelle, dass sich nicht der geringste Widerstand gegen die Datenerhebung regt: „Es ist absolut ruhig“, wird der Bottroper Zensus-Chef Klaus Wenger zitiert.

Nicht alle der über      26 000 Bottroper, die für die Volkszählung Zeit und Geld opfern müssen, dürften das so ruhig sehen. So sind Wohnungseigentümer zum Teil mit zusätzlichen Verwalterkosten konfrontiert.

Vor knapp 100 Jahren (s. Ausriss BVZ) geht es da in Bottrop noch gemütlicher zu. Eine Übersicht über ihr Volk hat die damalige Obrigkeit auch, aber nicht so kostspielig und datenträchtig wie heute. Die Wählerlisten zur National- und Preußenwahl reichen seinerzeit offenbar aus, um gut zu planen. Schließlich werden in den 1920er Jahren viele Gebäude im Bottroper “Regierungsviertel” rund um das Rathaus sowie die Hauptpost am Trappenkamp (Berliner Platz) fertiggestellt. Und sogar eine Art Adressbuch wird aus den Wählerdaten gebastelt. Kosten: Drei Mark pro Stück. Eine „Volkszählung light“. Im Jahr 1919.

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