Stichtag 9. Mai 1951. Baubeginn der Kanalbrücke nach Essen.

Unsere heutige Zeitreise führt uns genau 60 Jahre zurück. Schon seit über sieben Jahren rattert keine „3“ mehr nach Essen. Autos kommen nur über lange Umwege in die Nachbarstadt: Die Brücke zwischen Bottrop und Essen über den Rhein-Herne-Kanal ist in den letzten Wirren des Zweiten Weltkriegs zerstört worden. Die Folgen behindern nun Handel und Wandel, sie erweisen sich als lokaler Hemmschuh zu Beginn der Wirtschaftswunderzeit. Doch damit soll es nun bald vorbei sein: Am 9. Mai 1951 beginnt der neue Brückenschlag über den Kanal zwischen Bottrop und Essen.

Dabei ist es 1951 nicht einmal 40 Jahre her, dass die erste Kanalbrücke gebaut worden ist. Das geschah aber ganz nach Plan. Denn vor 100 Jahren kann man zwischen beiden Städten die bis dahin wohl größten Übertage-Bauarbeiten in unserer Region bewundern: Der Rhein-Herne-Kanal wird gebaut. Und im Zuge dieses riesigen Projektes müssen zwischen Duisburg und Herne natürlich auch zahlreiche Brücken geschaffen werden.

Wer sich über die „3“ im ersten Satz dieses Berichts wundert: Damit ist die wichtige Straßenbahnlinie 3 gemeint. Sie ist 1899 die erste Tramlinie in Bottrop und führt vom Pferdemarkt (dort, wo seit 1958 die Stadtsparkasse steht) über Hoch- und Essener Straße in die Nachbarstadt. Allerdings: Wenn man genau ist, hat es die Straßenbahnlinien schon früher gegeben. Als Pferdetram. Ab 1899 fährt sie elektrisch und wird von der Süddeutsche Verkehrs-AG aus Darmstadt betrieben. Das ist der Vorläufer der Essener Verkehrs-AG (EVAG). Denn es ist nicht die Vestische, als Bottroper Haus- und Hof-Verkehrsbetrieb, der eingangs des 20. Jahrhundert die moderne Transporttechnik nach Bottrop bringt. Bis das übrige Straßenbahnnetz in der Stadt Gestalt annimmt, sollen 1899 noch einige Jahre vergehen. Die Vestische ist noch nicht soweit.

Anfang der 1950er wird die „3“ nach erfolgtem Brückenschlag über den Kanal auf Bottroper Seite jedenfalls mit Jubel begrüßt. Doch der wird nicht lange nachhallen. Bottrop entwickelt sich durch die autofreundliche Politik der Verantwortlichen zu einer Stadt, in der Anfang der 1960er Jahre zum Beispiel die Innenstadt – und damit der Einzelhandelsschwerpunkt – durch eine vierspurige Piste in zwei Teile aufgespalten wird. In der Folge spielt der öffentliche Nahverkehr in Bottrop bald nur noch eine Nebenrolle. Schon am 11. Juni 1967 fährt denn auch die letzte Straßenbahn über die Kanalbrücke nach Essen. Am 8. Mai 1967 ist die Traditionslinie „3“ noch für einen Monat in „86“ umgetauft worden. Und so ist heute der EVAG-Bus 186, der vom ZOB über Hbf und die Kanalbrücke nach Borbeck fährt, das letzte Überbleibsel einer Nahverkehrslinie, die vor rund 120 Jahren einmal mit einer Pferdestraßenbahn zwischen Pferdemarkt und Essen Hbf begann.

Nach dem am 9. Mai 1951 begonnenen Brückenschlag ist für die Bottroper im Süden der Stadt bald auch wieder ihr Freibad Hesse direkt hinter der Kanalbrücke zu erreichen. Im Sommer heißt es in der „3“ dann wieder öfter „Einmal Kanalbrücke, bitte“. Ob das in Zukunft auch im 186er Bus so bleibt, ist allerdings fraglich: Das Freibad Hesse war in letzter Zeit immer wieder durch Stilllegungspläne der Stadt Essen bedroht.

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