Geschichte in zwei Bildern: Berliner Platz 1911/2011

Heute hat fast jede Stadt ihren Berliner Platz. Es gehörte sich einfach, in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts einen repräsentativen Platz nach der damals noch geteilten Ex-Hauptstadt zu nennen. In Bottrop geschieht das 1959.

Vor 100 Jahre hatte fast jede Stadt ihr Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Es gehörte sich einfach, zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts eine repräsentative Wilhelm-Figur auf einem möglichst repräsentativen Platz aufzustellen. In Bottrop geschieht das 1898 auf dem Neumarkt, der später in Trappenkamp umbenannt wird und der – wie erwähnt – seit 52 Jahren Berliner Platz heißt.

Doch Kaiser Wilhelm I. hat in Bottrop selbst als Denkmal keine ruhige Zeit. 1919 ist die Statue plötzlich weg. Im politischen Trubel nach dem verlorenen ersten Weltkrieg (1914-1918) soll der Bottroper Kaiser von Kommunisten und ihren Freunden entführt worden sein. Aber so plötzlich wie das Denkmal verschwunden ist, ist es auch wieder da und wird im Stadtgarten (wenn man durch den Torbogen geht links im Rosengarten) wieder aufgestellt.

Die Nationalsozialisten (ab 1933 an der Macht) halten den alten Kaiser aber für so wichtig, dass er aus der grünen Idylle herausgeholt und auf dem Kreuzkamp aufgestellt wird (etwa da, wo heute die Rasenfläche vor der Kreuzkamp-Kapelle ist). Natürlich wird der Platz dazu in Kaiserplatz umbenannt.

Allerdings werfen die Bottroper NS-Größen während des zweiten Weltkrieges (1939-1945), als die Rohstoffe immer knapper werden, ihre Prinzipien bald über Bord: 1942 wird Wilhelm, der vor allem aus Kupfer besteht, für rund 250 Reichsmark abmontiert und eingeschmolzen. Der durch eine Kriegsniederlage bedrohte NS-Staat läuft Amok und macht nicht nur Denkmalfiguren platt, sondern produziert auch aus Kirchenglocken und Kupferteilen von Kirchen und Häusern Geschütze und sonstiges Kriegsmaterial.

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