Mai 2008: Das Ehrenpark-Fiasko beginnt

Im Mai 2008 herrscht im Ehrenpark Aufbruchstimmung (Foto oben). Auf Einladung der Stadtverwaltung engagieren sich viele hundert Bürger und machen eine Woche lang ihre Vorschläge zur geplanten Umgestaltung des Parks. Der damalige Baudezernent Bernd Tischler hängt sich besonders rein. Er will offenbar sein Meisterstück in Sachen Stadtumbau und Bürgerbeteiligung abliefern. Die WAZ ist mit ihrer mobilen Redaktion vor Ort (Foto unten), und die im Park heimischen jugendlichen Skater können ihre Wünsche bei mehreren Workshop-Terminen einbringen. Neben verschiedenen städtischen Ämtern sind auch Politiker aller fast Parteien am Ball. Fazit nach dem Ende der Workshop-Woche: Der Ehrenpark wird unter Berücksichtigung möglichst vieler Ideen möglichst schnell umgestaltet. Mit neuer und leiserer Skaterbahn. Mit einer Café-Terrasse. Mit neuem Spielplatz. Mit moderner Toilette. Mit abgegrenzter Hundewiese. Als Starttermin für diesen so genannten Mehrgenerationenpark wird zunächst immer wieder „Ende 2009“ genannt. Die Planungen seien abschlossen, heißt es schon bald bei der Stadtverwaltung, man warte jetzt nur noch auf grünes Licht für die Freigabe der Fördermittel durch die Bezirksregierung in Münster.

Diese uniforme Aussage bekommen die Bürger meist auch im Laufe des Jahres 2010 immer wieder zu hören, wenn sie nach dem Stand der Dinge fragen. Denn bis Ende 2009 sind tatsächlich nur der neue Spielplatz und ein paar Fitnessgeräte für Senioren fertig. Inzwischen ist auch die Kommunalwahl 2009 vorbei, Baudezernent Tischler ist Oberbürgermeister geworden.

Für Fachleute zeichnet sich nun aber offenbar immer deutlicher ab, dass es vorläufig mit der Finanzierung des Parkprojektes nichts mehr wird. Selbst wenn die Fördermittel kämen, ist nicht mehr klar, ob die Stadt über ihre für den Parkumbau notwendigen eigenen Gelder überhaupt noch frei verfügen könne. Und so landet das Projekt Ehrenpark langsam, still und heimlich auf dem Abstellgleis. Die anfangs so heftig umworbenen Bürger werden weiter vertröstet, aber nicht klar informiert: Der Bau beginne, sobald die Bezirksregierung Münster….

Ende 2010, ein Jahr, nachdem der Park fertig sein sollte, kommen die Fördergelder an. Aber jetzt hat die Stadt  – wie befürchtet – auf die Gelder, die sie zu dem Projekt selbst beisteuern muss, keinen Zugriff mehr. Wegen des  Schuldenbergs darf Bottrop den Park ohne Genehmigung aus Münster nicht bauen. Die Lage werde geprüft, heißt es im Frühjahr.

Ob der neue Park jemals Wirklichkeit wird, steht also in den Sternen über Münster. Über das Fiasko sind die Bottroper bisher offiziell nicht informiert worden. Fast alle, die vor drei Jahren die Zukunft des Ehrenparks noch in den schönsten Farben malten, tauchen inzwischen weg, wenn sie auf den Umbau angesprochen werden. Das macht die Projektpleite noch peinlicher.

Und so ist der Park auch genau drei Jahre nach Planungsstart nur ein Torso. Ein Torso mit einem für über 200 000 Euro gebauten Spielplatz, für dessen Betrieb die Stadt aber offenbar nicht einmal die Folgekosten eingeplant hat. So sollen die wegen der guten Nutzung des neuen  Spielplatzes fast ständig überfüllten Abfallkörbe (Foto oben) nur alle zwei Wochen geleert werden. Das geschieht nach Bürgerhinweisen inzwischen zwar öfter, doch es reicht nicht aus. Wilde Müllkippen, die sich bei Wind über den gesamten Park verteilen, sind die Folge. Als im vergangenen Herbst die Park-Kaninchen wegen einer Seuche in Massen verenden, liegen die Kadaver zum Teil über zwei Wochen selbst in Nähe der Spielplätze herum (Foto oben). Auch die teure Toiletten-Anlage ist wegen Zweckentfremdung immer wieder demoliert und seit über einem halben Jahr unbrauchbar. Die Klo-Ruine als Symbol für Steuergeldvernichtung durch eine alltagsferne Planung kann nur noch von außen benutzt werden – als das teuerste Urinal Bottrops (Foto unten).

Das Ende der Geschichte? Nicht absehbar. Mit so einem Stückwerk kann man weder als Politiker noch als Verwaltungsmanager einen Blumentopf gewinnen. Deshalb ist der Ehrenpark momentan im offiziellen Bottrop auch kaum ein Thema. Schade. Das haben die Bottroper und ihre Innenstadt nicht verdient.

Und der Flurschaden ist groß. Durch ihr Verhalten haben die Verantwortlichen bei vielen engagierten Bürgern das Vertrauen in Aussagen von Politikern und Verwaltungsleuten gründlich zerstört. Besonders die Jugendlichen, die von der Stadtverwaltung vor zwei, drei Jahren noch gehätschelt wurden, sind schwer enttäuscht. An der alten und lauten Skaterbahn kann man das jeden Tag hören. Allein schon deshalb ist es wichtig, an die traurige Geschichte dieses Innenstadt-Projekts zu erinnern: Auch als Beispiel dafür, wie man in nur drei Jahren aus einer Aufbruchstimmung ein Fiasko machen kann.

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Eine Antwort auf Mai 2008: Das Ehrenpark-Fiasko beginnt

  1. raullix sagt:

    Wahrscheinlich haben die Verantwortlichen reichlich Erklärungen warum das so ist, so sein muss und das es ja sooo schlimm auch nicht ist, dass es ein polemischer Artikel ist etc.
    Ich hatte die Sache völlig aus den Augen verloren, war nur kurz nach der off. Eröffnung mal kucken. Das Fiasko will ich nächste Tage mal live sehen.
    Jetzt weiß ich auch warum die Trinkerfraktion am Berliner Platz sitzt. Da is wohl schöner.
    So funktioniert halt Politik im kleinen. Die ‘Großen’ in Berlin machen’S ja auch nicht anders…

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