Im Juni 1960 ist Schluss: Bahnhof Nord sperrt Fahrgäste aus. Doch die Trasse ist in Bottrop heute noch allgegenwärtig

Heute ist der Bottroper Bahnhof-Nord auf dem Eigen für Fahrgäste ohne Bedeutung. Als Treffpunkt, von dem aus sie in die „große, weite Welt“ gefahren sind, wird er nur wenigen noch lebenden Bottropern gedient haben: Denn schon vor 51 Jahren, im Juni 1960, verschwindet der Bahnhof (Foto unten, 2008) aus dem Kursbuch der Deutschen Bundesbahn.

Doch das geschieht ohne Aufsehen, ohne Proteste von Fahrgästen – denn die gibt es kaum noch, als zwischen Osterfeld und Dorsten der letzte „Zug mit Personen-beförderung“ über die Gleise rollt. Diese Behördenbahn-Formulierung kommt nicht von ungefähr: Eigentlich fahren auf der Strecke nämlich nur Güterzüge, an die die Bundesbahn jeweils einen Personenwagen anhängt. Im Bahn-Abkürzungs-Wahn heißt das „GmP“ oder in der Langfassung: „Güterzug mit Personenbeförderung“. (Meine alte Märklin hat so einen GmP-Zug oben und unten nachgestellt.)

Da Güterzüge bei der Bahn seit jeher noch unpünktlicher sind als Personenzüge, wird die Fahrt im angehängten Personenwagen oft zur Abenteuertour. Termine können die Fahrgäste solcher GmP-Züge meist nicht einhalten. Und da auf der Strecke Osterfeld–Bottrop–Dorsten zunächst meist Schüler unterwegs waren, sind die längst auf Linienbusverbindungen ausgewichen. Das gibt weniger Einträge ins Klassenbuch wegen Zuspätkommens.

Hinzu kommt, dass die Strecke seit einer Brückensprengung in Oberhausen gegen Ende des zweiten Weltkrieges nur noch ein Torso ist und Oberhausen Hbf nicht mehr erreicht. Darunter hat die Attraktivität der Trasse sehr gelitten. Die ständigen Fahrplan-Ausdünnungen während der 1950er Jahre haben die Fahrgäste zusätzlich abgeschreckt. Vor 1939 (Fahrplan-Ausriss oben) fahren auf der Strecke täglich noch bis zu sechs Züge in jede Richtung und brauchen dafür von Oberhausen bis Dorsten um die 35 Minuten. Im letzten Fahrplan, der bis Anfang Juni 1960 gilt, sind gerade noch zwei Züge aufgeführt: Um 6.51 fährt ab Bottrop-Nord ein Zug nach Osterfeld und um 7.30 Uhr nach Dorsten. So weint dem GmP-Verkehr über Bottrop-Nord niemand eine Träne nach, als damit vor 51 Jahren Schluss ist.

Die Trasse kennen viele Bottroper aber noch heute: Ob sie von der Eisenbahnbrücke an der Sterkrader Straße in die tiefe Schlucht auf die Gleise blicken oder an der Hans-Böckler-Straße auf dem Weg zum Fuhlenbrock kurz vor dem Parkfriedhof die Gleise kreuzen oder am Marienhospital auf dem Weg zu den Stadtteichen den Bahndamm überqueren (Foto oben) – immer ist es die gleiche Bahnlinie, auf der GmP-Züge einst auch Personen von Oberhausen nach Dorsten transportieren.Foto: Teile einer Märklin-Modellbahn aus den 1970er Jahren versuchen, einen Eindruck von einem “Güterzug mit Personenbeförderung” zu vermitteln.

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