Der Innovation-Architekt, die Autos und die zufriedene SPD. Historische Fehlentscheidung an der Osterfelder Straße?

Die SPD ist also zufrieden, dass an der Osterfelder Straße 56 Bäume abgehackt werden und so Platz für 42 Parkplätze entsteht (s. rechts). Allerdings könnte sich dieser umweltpolitische Unfug bald als Eigentor, als historische Fehlentscheidung, entpuppen. Denn der Innovation-City-Oberbürgermeister (SPD) plant laut Pressemitteilung, das Kölner Büro des Frankfurter Architekten Albert Speer zu verpflichten. Der Sohn von Hitlers gleichnamigen Generalbauinspektor und seit langem anerkannter Experte seines Fachs soll am „Masterplan“ für Innovation-City mitarbeiten. Denn, so Stefanie Hugot vom Innovationcity-Team: „Schließlich ist es kein leichtes Unterfangen, die beiden Ziele, die Senkung des CO2-Verbrauchs und die Steigerung der Lebensqualität, planerisch zu erarbeiten.”

Da könnte das Speer-Büro auf bewährte Ideen zurückgreifen, die aber irgendwie nicht zur zufriedenen SPD mit ihren 56 gefällten Bäumen (s. Fotomontage links) und zusätzlichen Parkplätzen an der „Osterfelder“ passen. Schon 2008 hat Speer für Köln so einen „Masterplan“ entworfen, wie er ihn jetzt wohl auch für Bottrop erstellen soll. In diesem Konzept spielt die Verkehrsplanung eine wichtige Rolle.

Laut Welt-Online (19. Dezember 2008) stellte Speer dabei nicht nur für den Kölner Plan die zentrale Frage: „Wie geht die Stadt des 21. Jahrhunderts mit dem Autoverkehr um?” Seine Antwort: Nur wenn das Kraftfahrzeug aus seiner beherrschenden Rolle in die dienende Funktion zurückgedrängt werde, könnten die Städte für das heute wieder verstärkt nachgefragte innerstädtische Wohnen qualifiziert werden. Erst dann werde auch der großstädtische Boulevard, das „sehr schöne Gebäude“, der Platz und die alte Kirche jene Wirkung zurückerlangen, die sie einst so anziehend gemacht hätten.

Damit kritisiert Speer vor allem die Idee der autogerechten Stadt, die in den Nachkriegsjahren zum Bau vom mehrspurigen Autopisten durch die Innenstädte führte. In der zerschnittenen Bottroper City mit ihren zwei Einkaufsinseln ist das  – trotz Umbaus 2002 (Foto unten) - auch nach 50 Jahren immer noch zu bewundern. Mehr Großstadt-Flair durch Zurückdrängen der Autos – das würde zur von Innovationen-City angekündigten umweltschonenden Verkehrspolitik mit Ausbau des Nahverkehrs passen.

Zumal Verkehrsplaner erwarten, dass es schon in einigen Jahren immer weniger Autobesitzer geben wird. Denn das Autofahren dürfte drastisch teurer werden und der öffentliche Nahverkehr als attraktive Alternative immer besser ausgebaut werden. Da wird der Bedarf an Parkplätzen vor der Haustür immer weiter sinken. Und was dann die jetzt geplanten zusätzlichen Parkplätze an der Osterfelder Straße sollen, bleibt ein Rätsel.

Denn schon heute ist die “Osterfelder” und die gesamte Straßentrasse zwischen Westring und ZOB mit dem besten öffentlichen Nahverkehr in Bottrop versorgt. Alle 10 bis 20 Minuten fahren hier Busse direkt nach Oberhausen (Centro, Hbf, Bero-Center, Osterfeld, Sterkrade), nach Gladbeck, Essen-Karnap und Gelsenkirchen-Buer, nach Ebel, Fuhlenbrock, Eigen, Boy/Welheim, Batenbrock, Vonderort, Lehmkuhle, Hauptbahnhof.

Wenn zusätzliche Parkplätze und dafür abgeholzte Bäume in einer Innovation-City als Fortschritt gefeiert werden, dürfte das vermutlich auch den Star-Architekten Speer wundern.

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