Die Knippenburg (1385 – 1962). Eine wechselvolle Bottroper Geschichte. Vom Adelssitz zum Gewerbegebiet.

Waggonweise rollen heute an jedem Tag „An der Knippenburg” in Bottrop Schuhe an. Wo einst der erste Landrat des Landkreises Recklinghausen, Friedrich Carl Devens, gelebt hat, steht heute die Zentrale eines der größten Schuh-Filialisten Deutschlands. An das Geschlecht derer von Knippenburg und an die Knippenburg selbst erinnert nur noch der Straßenname: „An der Knippenburg”. Er steht inzwischen für ein großes Gewerbegebiet.

Man schreibt das Jahr 1385, da beginnt der Bau der Knippenburg durch jenes Adelsgeschlecht, das ihr auch den Namen gibt. Ein Familienmitglied gehört damals zu den Ministerialen der Fürstäbtissin von Essen. Und auch noch im 18. Jahrhundert gehört die Knippenburg zum Fürstentum Essen. 1758 wird dort ein Klemens Freiherr von Asbeck geboren. Er wird später berichten, dass die Dichterin Luise Hensel öfter auf der Knippenburg zu Gast ist.

Hier soll sie auch das vertonte Abendgebet „Müde bin ich, geh zur Ruh’” geschrieben haben. Sie hat aber auch dem Hause selbst ein Gedicht gewidmet. Es beginnt mit: „Grau ragt und ernst ein Schloss empor / Aus Fluren und uralten Bäumen, / Es öffnet sich freundlich das gastliche Tor / Zu des Hauses stattlichen Räumen…” Luise Hensel beschreibt die Knippenburg um 1870 (Bild oben) als, „malerisch auf dem rechten Emscherufer gelegen, erhebt sich, von der einen Seite im Parke verborgen, von der anderen Seite von alten Bäumen, Garten und Teich umgeben, das große herrschaftliche Gutsgebäude, das so genannte Schloss. Es ist ein interessanter, altehrwürdiger Bau aus der Gattung der mittelalterlichen Bauten der Ordenszeit, die in den Schlossbauten alteingesessener westfälischer Geschlechter zum Ausdruck gekommen sind. Alle Innenräume haben in Baustil und Ausstattung das nämliche vornehme Gepräge, während Treppenhaus, Hauptsaal und Hauskapelle die Ausschmückungen der französischen Spätrenaissance tragen.” Luise Hensel berichtet von einer großen Terrasse, „von der aus man einen köstlichen Blick auf die mit edelsten Bäumen und Sträuchern sich weit hinziehenden Zieranlagen und Teppichgärten genoss.”

Eine wichtige Rolle für die Knippenburg spielt der erste Landrat des Vests Recklinghausen, Friedrich Carl Devens. Als er 1849 in Bottrop stirbt (rechts sein Grabstein auf dem Alten Friedhof an der Horster Straße), wird seine Tochter Antonia Devens durch Erb-Ausgleichungen Alleinbesitzerin der Burg. 1883 erbt der Referendar Dr. jur. Fritz Karl Devens das Anwesen, und 1885 kauft die Bergbau-Gesellschaft Arenberg AG die Burg. Ihre Nachfolgerin, die Rheinstahl-Bergbau AG lässt 1962 den Sprengmeister kommen. Am 31. Oktober jenes Jahres ist das Schicksal der Knippenburg, die schon im zweiten Weltkrieg gelitten hatte, besiegelt. Eine Mehrfachdetonation beseitigt die noch vorhandenen Mauern. Bagger räumen die Trümmer fort und schaffen Platz für Gewerbe-Betriebe.

Rund 50 Firmen siedeln sich in den folgenden Jahrzehnten im Einzugsbereich der einstigen Knippenburg an. Zu den ersten gehört das Schweizer Unternehmen Rothrist, Hersteller hochpräziser Rohre. Formen für Schokoladen-Weihnachtsmänner und -Osterhasen werden ebenfalls im Umkreis des früheren Herrensitzes produziert.

An die Knippenburg selbst erinnert nur noch eine Dokumentation im Bottroper Stadtarchiv. Spuren ihrer früheren Bewohner finden sich in etwa 300 Handschriften aus der Zeit zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert. Sie sind nicht in Bottrop, sondern beim Westfälischen Archivamt in Münster registriert.

Dieser Beitrag wurde unter 0001-1900, Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>