Mein Gott, Bottrop! Die Stadt, ihr Image und das Fernsehen.

(Ausriss: HörZu)

Bottrop, sein Image und die Medien – das ist eine Geschichte für sich. Speziell vom Fernsehen fühlen sich die Stadtoberen und viele Bürger immer wieder völlig falsch dargestellt. Legendär ist der „Rattenfilm“, mit dem ein Team des ARD-Magazins „Report“ 1972 das Kohlenpott-Image der Stadt mit Bildern von freilaufenden Ratten auf Bottroper Straßen weiter in den Keller befördert. So berichtet der Bottroper Verleger Werner Boschmann 1994 in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ über seine damaligen Erlebnisse als Student an der Ruhruni in Bochum. Nach dem Rattenfilm wurde der Bottroper ständig mit der platten Frage konfrontiert: „Na, biste auch schon angefressen?“

Nur vier Jahre später kommt auf Bottrop erneut eine harte TV-Prüfung zu. Diesmal ist es das ZDF, das (aus Bottroper Sicht) Böses erwarten lässt: Am 17. Juli 1976 läuft um 21.30 Uhr die Satire „Mein Gott, Bottrop!“ (oben). Frei nach dem Titel von Mike Krügers damals aktuellem Hit „Mein Gott, Walther!“ spielen sich dieser Komiker, Brigitte Mira und Dirk Dautzenberg durch die Stadt. Jürgen von Manger ist mit seiner Parodie auf den Hit „Griechischer Wein“ dabei und schmettert den Werbesong für „Bottroper Bier“ (links). Dumm nur, dass die Westfalia-Brauerei am Berliner Platz zwei Jahre später abgerissen wird, um dem 1981 eröffneten Hansa-Zentrum Platz zu machen.

Von „Mein Gott, Bottrop!“ ist offenbar nichts geblieben. Bezahlbare Videorekorder gibt es 1976 noch nicht, private Aufzeichnungen sind offenbar nicht vorhanden. Nicht einmal im Internet finden sich noch nennenswerte Spuren von diesem Film. Und auch aus dem fiktiven Bottroper Fremdenverkehrsverein, der extra für diesen Film Mike Krüger als „Herrn Günther“ eingestellt hatte, ist nie etwas geworden. Schade.

Und so wird Bottrop auch heute noch in den Medien immer wieder gern als Symbol zum Beispiel für Rückständigkeit genutzt. So wie am vergangenen Freitag: In der ZDF-Satire-Reihe „Heute-Show“ ulkt Moderator Oliver Welke über die Bahn-Pannen während er Ostertage und berichtet vom völlig überfüllten EC „Heinrich-von-Kleist“ auf seinem Weg von Bottrop nach Münster. Dazu ist ein Filmschnipsel zu sehen, der einen dreimal überfüllten Zug (in Indien?) zeigt, auf dessen Trittbrettern und Dächern sich Menschen festklammern.

Schade, dass es ein Ulk war, denn eine, schnelle direkte Zugverbindung von Bottrop nach Münster – dafür könnte man ja schon mal auf das Zugdach klettern…

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