Eine kleine Kohlen-Geschichte. Schwarzes Gold versilbert.

„Morgen kommt Kohle!“ Diese Ankündigung, die man heute vielleicht mit „Morgen ist das Geld auf dem Konto“ übersetzen würde, ist selbst noch vor 30 Jahren in Bottrop wörtlich zu nehmen. Und das bedeutet Arbeit, harte Arbeit. Denn morgen kommt der Kohlenmann mit seinem Laster und kippt uns eine Tonne Kohle (manchmal auch mehr) vor das Haus. Die muss dann irgendwie in den Kohlenkeller kommen.

Für dieses „irgendwie“ sind in den 1960er Jahren meist wir Kinder zuständig. Mit Schaufeln, Eimern und vielleicht mit einer Schubkarre (Luxus pur!) bewaffnet geht es nach den Schulaufgaben auf Straße. Dann wird geschaufelt und geschleppt. Bis kein Krümel Kohle mehr vor dem Haus liegt.

Was sich nach einer typischen Arbeit für Bergmannskinder anhört, ist es keineswegs. Denn mit Kohle wird nicht nur in Zechenhäusern geheizt. Aber die Nicht-Bergleute müssen für die Kohle die üblichen Preise zahlen. Zechen-Angehörige bekommen hingegen ihr Deputat. Bis auf den Fuhrlohn ist die Kohle Teil des Bergleute-Lohns. Das läuft rund 100 Jahre so, bis sich auch in Bottrop immer mehr Zentral- und Ölheizungen durchsetzen.

Was macht man da mit dem Deputat? Dummerweise zahlen die Zechengesellschaften nicht abgenommene Deputat-Menge nicht aus. Deshalb verdienen sich Familien mit Deputat aber ohne Kohlenofen etwas hinzu, indem sie ihre Kohle an einen Nachbarn mit Kohlenheizung „umleiten“. Der Nachbar verfeuert die Kohle zum Freundschaftspreis und der Deputat-Empfänger versilbert seine Kohle.

Doch das ist lange her und verjährt – und hat natürlich nichts mit dem Haufen Kohle an der Horster Straße zu tun, der auf dem Foto oben aus dem Jahr 2008 zu sehen ist. Ein rarer Anblick in unserer Zeit, der Bottroper Geschichte dokumentiert.

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