Die City am 31. Oktober 2010: Laub, Stroh und keine Waffeln. Ein verkaufsoffener Sonntag ohne Bezug zu irgendwas.

Das Gerangel um einen verkaufsoffenen Sonntag am 30. Oktober 2011 in der Bottroper City spitzt sich zu. Das angelaufene Bürgerbegehren des Stadtverbandes der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) gegen die offenen Sonntage in Bottrop (pro Jahr je vier in der City und in den Stadtteilen) hat den Einzelhandelsverband (EHV) offenbar nervös gemacht.

Wenn das Begehren (mit dem Ziel drei offene Sonntage in der City und jeweils zwei in den Stadtteilen) erfolgreich sein sollte, erwartet EHV-Chef Karl Reckmann (Foto links) als mögliche Folgen den Vormarsch von Leerständen, Billigläden und Spielhallen in der City. Wie Reckmann am 9. Juli 2011 in der WAZ in scharfer Form erklärte, sieht er zudem die Gefahr, das mögliche neue Mieter des Hansazentrums wegen der Streichung des verkaufsoffenen Sonntags am 30. Oktober 2011 nicht ins Hansazentrum einziehen würden. Und auch negative Folgen „für unser Karstadt-Haus“ will er offenbar nicht ausschließen.

Dazu bieten wir einen kleinen Blick neun Monate zurück, also „Bottroper Geschichte – ganz frisch“. Und danach kann die „Allianz für den freien Sonntag“ der KAB-Gruppen dem letzten Oktober-Sonntag in diesem Jahr eigentlich ganz gelassen entgegensehen. Denn sie hat auch unter den Bottroper City-Händlern Verbündete, wie die Geschichte beweist.

Am 31. Oktober 2010, dem letzten verkaufs-offenen Sonntag ohne Bezug zu irgendwas, waren nämlich längst nicht alle Geschäfte in der City geöffnet. Und es gab sogar kuriose Situationen. So prangte nachmittags zur besten Einkaufszeit hinter der verschlossenen Glastür einer Bäckerei ein Schild „Wir backen heute frische Waffeln“ (Foto oben). Fehlte nur ein Zusatz wie: „Aber Ihr müsst draußen bleiben!“

Ein paar Meter weiter bot eine Apotheke den Einkaufswilligen etwas Besonderes an: einen Ballen mit letzten Strohhalmen (Foto links). In einigen Schaufenstern wurde von den Händlern per Plakat sogar darauf hingewiesen: „Wir handeln“. Erstaunlich, dass Bottroper Händler das extra betonen müssen. Und wie handeln sie? Auch darauf gab das Plakat eine Antwort: „In herbstlicher Atmosphäre“ (Foto unten). Da hatte sogar die Stadtreinigung – bewusst oder unbewusst – mitgemacht und in der Fußgängerzone die bunten Blätter liegen gelassen. Quasi als Naturdeko.

Fazit: Bei solchen „Konzepten“ besteht keine Gefahr, dass der letzte Oktober-Sonntag in Bottrop auf Dauer verkaufsoffen sein wird. Dafür sorgt der Handel vermutlich selbst. Und auch vor noch mehr Leerständen, Billigläden und Spielhallen muss man in Bottrop keine Angst haben. Mehr als jetzt geht kaum noch.

NACHTRAG: Am 21. Juli 2011 ist plötzlich alles ganz anders. Zur aktuellen Situation an diesem Tag geht es HIER zum Bottblog.

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