Bottrop stöhnt unter Hitzewelle – im Juli 1911.

Es regnet in Strömen. Der 24. Juli 2011 begegnet den Bottropern morgens um neun Uhr mit mickerigen 12,4 Grad Celsius. Pullover sind angesagt, Regenjacke und Regenschirm. Wer die Wohnung nicht verlassen muss, bleibt drinnen und schaut am ersten Ferienwochenende betrübt aus dem Fenster.

Ganz anders vor genau hundert Jahren. Ganz Bottrop stöhnt unter einer lang anhaltenden Hitzewelle. Der Juli 1911 beschert Bottrop und halb Europa ständig Temperaturen über 30 Grad Celsius. Berlin meldet 34,6 Grad. Überall in der Emscherzone liegen die Temperaturen im Durchschnitt 2 Grad über dem langjährigen Mittel.

Die wochenlange Dürre lässt die Bottroper Bauern verzweifeln. Die Ernte ist verdorrt. Die Wiesen sind nicht mehr grün sondern graubraun. Kühe auf den Weiden suchen apathisch Schattenplätze. Die Menschen lechzen nach Regen. Die Tiere sind für jeden Wassertropfen dankbar (Foto oben, nachgestellt mit “Zorro” im Sommer 2005). Doch der Regen bleibt im Sommer 1911 aus, und das preußische Kulturministerium beschließt schulfrei für alle.

Die Hände reiben sich allerdings die Bottroper Limonaden und Eisverkäufer. Ihnen beschert der Jahrhundertsommer bis dahin nie erreichte Umsätze, er füllt ihre Kassen.

Dagegen führt die Missernte im Herbst zu steigenden Lebensmittelpreisen. Besorgt schauen die Bottroper Hausfrauen auf dem Markt auf die Preisschilder. Nicht die Trauben sind ihnen zu sauer, wie dem Fuchs in der Fabel, sondern die Kartoffeln sind zu teuer. Und das ist 1911 Realität.

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