Stadtgeschichte stößt auf Friedhöfen auf großes Interesse

Die Stadtmarketing-Gesellschaft hat die Friedhöfe entdeckt. Seit dem 1. Juni ist ihr Mitarbeiter Holger Kröcher (Foto rechts) zwischen Grabsteinen und Kreuzen unterwegs. Gefolgt von jeweils 20 bis 30 Personen, die mehr über die Friedhöfe, deren Geschichte, aber auch über die verstorbenen Bottroper erfahren wollen, die hier liegen.

Gästeführer Kröcher enttäuscht sie nicht. Seine hintergründigen Informationen spiegeln meist auch ein Stück Stadtgeschichte wider. Mit gebührendem Ernst – aber immer wieder auch mit einem Schmunzeln im Gesicht – berichtet er an ihren Gräbern über die großen Taten einiger bekannter Bottroper, aber auch schon mal von ihren kleinen Marotten und Tricks, mit denen sie zu ihren Lebzeiten ihre Mitmenschen beeinflussten und ihre Ziele erreichten.

Auf dem Alten Friedhof (Fotos oben) zwischen Horster und Passstraße, wo Kröcher vor zwei Monaten seine Touren begann, hat er die große Auswahl. Ab etwa 1820 ist dieser Friedhof die erste Totenruhestätte außerhalb des Dorfes Bottrop. Bis dahin wurden die Toten rund um die Cyriakuskirche begraben. Die ersten menschlichen Relikte auf dem Alten Friedhof stammen aber aus dem 13. Jahrhundert und sind durch Umbettungen nach Bottrop gekommen.

Prominente Bottroper, über die Kröcher vieles zu berichten weiß, sind zum Beispiel Amtmann Böckenhoff, der die Geschäfte der Stadt vor 100 Jahren knapp zwei Jahrzehnte lang führte. Oder es geht um Friedrich Carl Devens, der sich um die Knippenburg in Welheim verdient gemacht hat. Die Grabsteine verschiedener Mitglieder der Familie Geyr lassen die Bottroper Apothekengeschichte wach werden. Am Grabstein der Familie August Dickmann erfahren Kröchers Gäste etwas über die Bottroper Sandgruben und die Villa Dickmann (Foto oben).

Aber der Friedhofsführer hat auch kritische Töne drauf. Am schmucklosen Grab der Familie Lorenz Albers zum Beispiel (Foto rechts), das durch wucherndes Gras und einen arg mitgenommenen Grabstein auffällt. Kröcher bemängelt, das hier, bei den Eltern des weltbekannten Bottroper Künstlers Josef Albers, seit Jahren durch die Stadt die Chance vertan werde, auf würdige Weise auf den großen Bottroper hinzuweisen.

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