Lange vor Mal Sondock: Die legendären Jugendtanzabende des Anton Oppermann begannen schon in der Rock’n'Roll-Zeit.

Unser Erinnerungs- stück an Mal Sondocks legendäre Auftritte in den 1970er Jahren im Lichthof der Berufsschule (Foto rechts) hat zu einer großen Zahl von Nachfragen geführt. Wie war das eigentlich genau mit diesen so genannten Jugendtanzabenden des Jugendamtes? Gab es die nicht schon viel früher, wollte zum Beispiel HorstB wissen, der sich noch an Rock’n'Roll-Abende zu erinnern glaubt. Wir sind noch einmal tiefer ins Archiv gestiegen – und HorstB hat Recht: Die Jugendtanzabende waren keineswegs nur von Mal Sondock in den 1970ern geprägt – ihre Ursprünge gehen zurück bis in die 1950er Jahre.

Es ist die Zeit, da Elvis Presley in den internationalen Hitparaden mit „One Night“ die Spitzenpositionen erobert, The Platters „Smoke Gets in Your Eyes“ schmachten und der schon tote Buddy Holly mit „It Doesn’t Matter Anymore“ seine Fans begeistert. Hier zu Lande wird „Tom Dooley“ besungen und in der Hitparade bald von Freddy Quinn mit „Die Gitarre und das Meer“ verdrängt. In diesen Tagen, Ende 1959, geschieht in Bottrop eine Art Revolution: Die Stadtverwaltung in Person des legendären Stadtjugendpflegers (so seine amtliche Bezeichnung) Anton Oppermann inszeniert den Ur-Jugendtanzabend.

Doch für viele echte Rock’n'Roll-Abende ist es eigentlich schon zu spät. Die Musik der angeblich Halbstarken verschmust immer mehr. So verschwinden die Tanzabende bald wieder in der Versenkung. Aber 1965, die britische Beat-Welle hat auch Bottrop erreicht, ist der Jugendtanzabend wieder da. Mehr noch: Die Zeit der weit über die Grenzen der Stadt hinaus beachteten „Bottroper Beat-Festivals“ beginnt. Dreimal finden sie statt. Dann ist die Hoch-Zeit der Beat-Ära auch schon wieder vorbei. Was bleibt sind die Jugendtanzabende.

Die sind allerdings nicht unumstritten. Das Geld, das die Stadt für diese Veranstal-tungen ausgebe, fehle für eine effektivere Jugend-arbeit, argumen-tieren die Kritiker. „Derartige grundsätzliche Überlegungen sind auch von uns angestellt worden“, erklärt Gerald Pichocki (Foto oben, links, mit Mal Sondock), später beim Jugendamt für die Tanzabende verantwortlich. Dennoch habe man die Jugendtanzabende weiter veranstaltet, weil sie jeweils um 21 Uhr beendet sind und deshalb auch von 14-Jährigen besucht werden dürfen.

Gerade jene Bottroper, die damals zu dieser Altersgruppe gehören, erinnern sich denn auch besonders gerne und intensiv an jene Abende im Lichthof der Berufsschule. Dazu trägt dann ab Anfang 1973 besonders Mal Sondock bei. Der seinerzeit bundesweit beliebteste Disc-Jockey und das WDR-2-Aushängeschild kommt fortan regelmäßig nach Bottrop.

Seine Begründung in einem Interview von 1974 (Foto rechts): „Was das Jugendamt hier in Bottrop veranstaltet, ist vorbildlich. Es ist immerhin mehr als das, was andere Städte auf diesem Gebiet tun.“ Und weil er diese Möglichkeit für die Jugend, sich einmal auszutoben, unterstützen will, gastiere er regelmäßig in Bottrop. Und dazu bringt der Chef der „Discothek im WDR“ regelmäßig auch Sänger wie Graham Bonney („Supergirl“) mit, der 1974 durchaus zu den Topstars gehört.

Auch in diesen für Bottrop vorteilhaften Arrangements, die Mal Sondock für die Jugendtanzabende bietet, sieht Gerald Pichocki damals einen Grund, der für die Veranstaltungsreihe spricht. „Die meisten Jugendlichen haben nicht das Geld, um zu den teuren Gastspielen der Stars zum Beispiel nach Essen zu fahren. Nun haben sie in Bottrop – wenn auch nur für eine Stunde – die Gelegenheit, die Stars live zu erleben.

Das Ende der Jugendtanzabende kommt Anfang der 1980er Jahre mit Beginn der Disco-Welle, die man entsprechenden Lokalen erleben will und nicht in einem kargen Lichthof einer Berufsschule.

Mehr zum Jugendtanzabend HIER.

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