1895: Im Dorf Bottrop bekommen die ersten Straßen Namen. Schützen-, Peter- und Bothenstraße gibt es noch heute.

Gut 20 Jahre ist es her, dass 1873 mit Prosper II die erste Zeche auf Bottroper Gebiet Kohle förderte. Das Dorf zwischen Boye und Emscher ist seitdem stetig gewachsen. Doch jetzt, 1895, ist es langsam unübersichtlich geworden. Besonders die vielen Neubürger kommen mit der alten, dörflichen Nummerierung der Häuser nicht mehr klar. Die Gemeindeverwaltung hat ein Einsehen: 1895 bekommen 63 Straßen einen Namen.

Straßen? Nun ja, im heutigen Sinne würde man viele dieser im „Straßenverzeichnis“ von 1896 erstmals aufgeführten Wege eher als Trampelpfade oder Feldwege bezeichnen. Außerdem ist das, was die Gemeindeväter da ausgeheckt haben, nur Stückwerk. Denn die Namensgeber haben sich auf den Dorfkern beschränkt, der etwa den Bereich der heutigen Innenstadt umfasst. Die Wege in den Dorfteilen Batenbrock, Boy, Eigen, Fuhlenbrock und Lehmkuhle bleiben vorerst namenlos. Denn hier, in den verstreut liegenden Gehöften, kennt jeder jeden.

Auch in den bald rund um die Zechen entstehenden Kolonien bleibt es noch für einige Jahre auch ohne Straßennamen übersichtlich. Das erste dieser Wohngebiete, die Rheinbaben-Siedlung, entsteht im Bereich der Gladbecker Straße, die als große Ausfallstraße nach Gladbeck, schon um die Wende zum 20. Jahrhundert diesen Namen trägt. Dies gilt ähnlich auch für Kirchhellener und Horster Straße (Foto oben zeigt die Einmündung beider Straße am Altmarkt) sowie die Essener Straße. Doch im Dorfkern tragen diese Straßen 1895 noch ganz andere Namen.

So heißt die Gladbecker im Dorf Wilhelmstraße. Die Prosperstraße ist die Louisenstraße. Die Friedrich-Ebert-Straße wird ursprünglich Carlstraße genannt, und die Horster Straße ist die Gerichtsstraße. Denn an ihr steht das Bottroper Gericht. Das – mit der Straße und mit dem Gericht – ändert sich erst 1909 mit der Fertigstellung des Amtsgerichts an der heutigen Gerichtsstraße.

Es gibt übrigens nur wenige Straßen in der Innenstadt, die ihren Taufnamen von 1895 bis heute retten konnten. Dazu gehören zum Beispiel Bothen- und Neustraße sowie Peter- und Schützenstraße (Foto rechts).

Doch zurück ins Jahr 1895. Da macht die Gemeindeverwaltung des Industriedorfes Bottrop ganz groß in Geschichte. So wie es sich für echte mittelalterliche Städte gehört, die mit ihren Ringen oder Wällen ihr Alter und ihr stetiges Wachstum dokumentierten, bekommt jetzt auch Bottrop so genannte Ringe. Sie dienen zur Abgrenzung des nun mit Straßennamen gepflasterten Dorfkerns zum Rest der Welt.

Ring 1 ist der Nordring zwischen Kirchhellener und Gladbecker Straße. Es schließt sich Ring 2 an mit Teilen des jetzigen Nord- und Ostrings bis zur Horster Straße. Der Rest des Ostrings bis zur Prosperstraße ist der Ring 3. Und Ring 4 und 5 sind heute Süd- und Westring.

Mit Plätzen ist Bottrop – wie auch heute noch – um 1895 recht sparsam ausgestattet. Neben dem Pferdemarkt gibt es nur den Neumarkt, später Trappenkamp, heute Berliner Platz. Auch die Zahl der bemerkenswerten Gebäude ist seinerzeit sehr übersichtlich. Neben der Cyriakuskirche (1861 fertiggestellt) und der Martinskirche (1881) gibt es noch das Amtshaus (alter Teil des Rathauses an der Kirchhellener Straße) und das Gefängnis (gleich neben dem Amtshaus).

Wie explosionsartig Bottrop um die Jahrhundertwende wächst, wird übrigens daran deutlich, dass die Liste mit den ersten Bottroper Straßennamen schon zehn Jahre später eine Neuauflage erlebt. Nun sind es aber nicht mehr bescheidene 63 Namen, sondern schon 211. Heute gibt es in Bottrop (einschließlich Kirchhellen) gut 700 Straßennamen.

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