“Hol’ mal eben Kleie für die Kaninchen!” Erinnerungen an die Boyer Getreidemühle von Wilhelm Große-Kraneburg.

„Geh’ mal eben zur Mühle und hol’ Kleie für die Kanin- chen. Zwei Pfund Mehl kannst Du auch noch mit- bringen.“ Wer Ende der 1950er Jahre als Heran-wachsender in der Boy wohnte, der wird sich vielleicht auch noch an solche Einkaufs-aufträge erinnern.

Denn die übliche Kleintierzucht im Stall hinter dem Haus, vorzugsweise mit Kaninchen und Hühnern, will mit Futter versorgt sein. Und das Mehl, das in den großen braunen Tüten abgepackt wird, ist in der Mühle (Foto oben von 2003) billiger als beim Lebensmittelladen um die Ecke. Discounter gibt es noch nicht.

„Die Mühle“ (Foto oben, rechts im Hintergrund) ist in der Boy und auch in Welheim ein feststehender Begriff – jeder weiß, was gemeint ist: die Getreidemühle von Wilhelm Große-Kraneburg an der Ecke Johannes-/Batenbrockstraße. Es gibt sie schon um die Jahrhundertwende, als die Boy noch „Boyer“ heißt. Ein alter Mühlstein trägt die Jahreszahl 1892 (Foto rechts). Nach neueren Angaben soll die Mühle aber erst kurz vor dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) in Betrieb gegangen sein.

Auf jeden Fall ist sie nicht so ein spektakuläres Bauwerk wie die drei Windmühlen, die um 1900 im Bereich der heutigen Stadtmitte aktiv sind. Denn die Boyer Mühle wird von Maschinen angetrieben. Und so ist es meist recht laut, wenn man als Kunde die Außenstufen erklommen hat und im Inneren der Mühle auf ächzendem und vibrierendem Holzboden versucht, seine Kleie-Bestellung loszuwerden.

Der Mühlen-Besuch ist deshalb jedes Mal auch ein Abenteuer. Das ganze Gebäude, jeder Mauerstein und jede Holzbohle, scheinen damit beschäftigt zu sein, die Körner von den Getreidefeldern der Boyer Bauern an der Kraneburgstraße oder an der Körnerschule zu mahlen.

So gesehen ist die Mühle heute tot. Als Baudenkmal aber wird sie wohl erhalten bleiben.

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