Bottroper Nahverkehr. 11. Oktober 2010: Der neue ZOB geht an den Start. Nach einem Jahr eine Bilanz mit Lob und Kritik.

Der neue ZOB am Berliner Platz hat Geburtstag. Heute vor einem Jahr ging der Zentrale Busbahnhof an den Start. Seitdem fahren täglich rund 2000 Busse den Berliner Platz an, um die Bottroper von hier an ihre Ziele zu bringen. Ein Jahr ZOB – Zeit, um Bilanz zu ziehen. Hat das Projekt die von Politikern und Stadtverwaltung hoch gesteckten Ziele erreicht? Was sagen die täglichen Nutzer? Es gibt Lob und Tadel.

Am 10. Oktober 2010, es ist ein Sonntag, fährt auf dem neuen ZOB noch kein Bus. Dennoch ist er rappelvoll (Foto oben). Stadt und Vestische haben zur Eröffnung eingeladen. Bei einem bunten Rahmenprogramm und einem Bierchen, mit dem auch OB Tischler und Vestische-Chef Schmidt (Foto rechts) mit Bürgern und Fahrgästen auf das Bauwerk anstoßen, erkunden Tausende von Bottropern die neue Zentrale des Nahverkehrs. Vor allem die neuen elektronischen Anzeigetafeln und die vielen Sitzgelegenheiten werden spontan positiv registriert.

Doch wie hat sich der ZOB nach dem Beginn des Alltags am 11. Oktober 2010 bewährt? Norbert Konegen, Sprecher der Vestischen, hält im Gespräch mit „Bottroper Geschichte – ganz frisch“ ein uneingeschränktes Lob parat: „Der ZOB hat sich rundum bewährt. Unsere Fahrer profitieren. Sie können an die großzügig angelegten Haltestellen optimal heranfahren, was wiederum den Fahrgästen das Ein- und Aussteigen enorm erleichtert.“

Unter den 16 überdachten Bussteigen hätten die Busse nun auch bei eventuellen Verspätungen genügend Stellfläche. Auf dem alten ZOB sei es da immer wieder zu Staus gekommen, die den Fahrgästen das Ein- und Aussteigen erschwert hätten. Sehr zufrieden ist Konegen auch mit dem neuen Kundencenter. Der Sprecher der Vestischen lobt die aus seiner Sicht gelungene Kombination aus Funktionalität und ansprechender Architektur. Konegen: „Der Lichtbalken zur Horster Straße hin ist schon einmalig.“ (Foto oben)

Zahlreiche Fahrgäste sehen das durchaus anders. Sie interessiert weniger der Lichtbalken und die Architektur, sondern dass sie gerade jetzt im Herbst trotz der Überdachung an vielen Stellen des ZOBs bei Regen nass werden. „Das Dach ist doch viel zu hoch“, klagt ein Fahrgast aus Vonderort, „selbst bei nur leichtem Wind wird der Regen unter das Dach geweht.“ Die Sitzbänke im Bereich der Osterfelder Straße seien dann sofort nass. Außerdem, so beklagt sich ein anderer Bottroper, gebe es dort keinen Windschutz an den Sitzgelegenheiten.

Kritik erntet auch die Planer-Idee mit dem Baum im westlichen Bereich des ZOBs. Schon der erste Versuch, am 1. Juni 2010 einen Baum zu pflanzen, ging schief, weil die Rinde brach (Foto oben). Weil das Dach wegen des später doch erfolgreich gepflanzten Baums ein riesiges Loch habe, seien auch die rund um den Baum arrangierten Sitzbänke bei Regen völlig unbrauchbar (Foto oben). „Die Planer haben hier viel zu kurz gedacht“, sagt eine Frau aus dem Eigen, „die haben einen Schönwetter-ZOB gebaut.“

„Und nicht nur das“, wirft ein Fahrgast aus Ebel ein, „die haben auch das Klo vergessen.“ Das stimmt allerdings nur halb. Es gibt ein ZOB-Klo, doch das muss man erst mal finden! Dazu muss man den ZOB in Richtung Kaufland verlassen, sich zur Fahrrad-Station durchfragen, dort einen Schlüssel abholen und wenn man dann die graue Aufschrift „WC“ auf einer grauen Tür findet (Foto oben) – dann ist es hoffentlich noch nicht zu spät.

Auch bei Verspätungen der Busse läuft nach einem Jahr am neuen ZOB längst noch nicht alles optimal. Die viele zehntausend Euro teuren Anzeigentafeln (Foto unten) funktionieren nur zum Teil. Sie sollen eigentlich die genaue Abfahrtzeit der Busse unter Berücksichtigung aktueller Verspätungen anzeigen. Doch das klappt – mit Ausnahmen – nur bei Bussen der Vestischen. Bei Bussen (SB 91, 979) der Stadtwerke Oberhausen (Stoag) funktionierte das monatelang nicht, doch seit einiger Zeit immer öfter.

Für die Fahrgäste, die Busse des Busverkehrs Rheinland (SB 16 nach Essen und Kirchhellen und SB 29 nach Gelsenkirchen) nutzen wollen, gibt es hingegen keine aktuellen Informationen über Verspätungen. Ausgerechnet, denn der SB 16 hat seit der weltfremden Politiker-Entscheidung, den Bus auf einer 30 Kilometer langen Strecke zwischen Dorsten und Essen fahren zu lassen, die meisten Verspätungen in Bottrop. Für die betroffenen Fahrgäste sind die teuren Anzeigetafeln auch nach einem Jahr ZOB immer noch ohne Nutzen.

Schon vergessen: Der alte Busbahnhof, der von 1982 bis 2009 Mittelpunkt des Bottroper Nahverkehrs war.

Dieser Beitrag wurde unter 1991-2010, Allgemein, Stadtmitte, Verkehr abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>