Serie: Kunst kaputt (2). Die demolierten Mädchen vor der Marie-Curie-Realschule.

An der Marie-Curie-Realschule ist eine neue Epoche angebrochen. Mit einem Festakt und einem Schulfest wurde vor den Sommerferien der neue Schultrakt nach 15 Monaten Bauzeit und einer Bauabrechnung über 2,3 Millionen Euro in Betrieb genommen. Und es war offenbar sogar etwas Geld für Kunst übrig. Eine Wende beim Kultur-Kahlschlag in Bottrop? Leider nicht!

Schwergewichtige Betonskulpturen (auf dem Foto unten aus dem Mai 2011 im Hintergrund) zieren jetzt den Raum direkt hinter dem Schulzaun an der Friedrich-Ebert-Straße. Was sie darstellen, war bei einer zufälligen Schülerbefragung während des Schulfestes aber nicht herauszubekommen: „Das würden wir auch gern wissen“, war meist die Antwort. Immerhin: Die neue Kunst des Jahrgangs 2011 wird wahrgenommen.

Schlechtere Karten hat da die gleich nebenan stehende Kunst des Jahrgangs 1969. Die Schülerbefragung zur Keramik „Mädchen im Gespräch“ brachte auch keine erhellenden Ergebnisse. Aber warum auch? Die Skulptur ist von der Stadt als Trägerin der Schule offenbar längst abgeschrieben worden. Irgendwann wurden ihr – von wem und wann auch immer – ein Arm und eine Hand abgeschlagen, ein Arm gebrochen, die Nasen angeschlagen und Anfang April auch noch die Köpfe abgeschlagen, die aber provisorisch wieder auf die Rümpfe gesetzt wurden (Bild oben im Vordergrund). Eine Reparatur, die sich zur Eröffnung des neuen Schultrakts angeboten hätte, gab es nicht.

Heute vergessen und demoliert wurde diese Plastik des Essener Künstlers Röwer am 15. Juni 1969 der Schule feierlich übergeben (Ausriss RN  links). Sollte sich der Umgang der obersten Bottroper Kulturverwalter mit der Kunst im öffentlichen Raum an dieser Stelle nicht ändern, ist schon jetzt absehbar, wie die neuen Betonfiguren in 40 Jahren aussehen könnten: Kopf ab, Arm ab…

Noch ist es nicht klar, wie es mit Kunst, Theater, Literatur, Musik und Stadtarchiv mittelfristig in Bottroper weitergehen soll. Die ramponierte Keramik von 1969 ist ein mahnendes Symbol. Plötzlich ist Kunst offenbar keine Kunst mehr. Kultur künfig nur noch nach Kassenlage? Oder wie erklärt sich der stillose Umgang mit der Skulptur vor der Marie-Curie-Realschule? Eine städtische Schule, über die auf der Schüler-Schulseite im Internet übrigens der Satz steht: „Kunst ist ein Schwerpunkt unserer Schule.“ Ist das im Rathaus etwa nicht bekannt?

Der frisch am neuen Schultrakt aufgehängte Spruch von Marie Curie ist geradezu eine Aufforderung, den Kultur-Kahlschlag in Bottrop auch künftig immer wieder zum Thema zu machen: „Man muss Ausdauer haben und vor allem Zutrauen zu sich selbst.“

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