26. Oktober: 150 Jahre Telefon…und die lange Leitung nach Bottrop. Als das Rathaus noch die Nummer 1 hatte.

Heute vor genau 150 Jahren, am 26. Oktober 1861, stellte der Erfinder Philipp Reis einen Prototyp seines „Telephons“ erstmals öffentlich vor. „Die Sonne ist von Kupfer“ soll der erste Satz gewesen sein, der per Fernsprecher übertragen wurde. Mit diesem Apparat trug Reis maßgeblich zur Entwicklung des heutigen Telefons bei. Aber die Vermarktung der Idee erfolgte erst später durch den Schotten Alexander Bell. 50 Jahre nach der Telefon-Präsentation durch Reis, im Herbst 1911, gibt es in Bottrop gerade einmal 386 Telefonapparate. Doch dann geht’s los! Kommen Sie mit auf eine Zeitreise entlang der langen Leitung.

Der genaue Beginn der Telefon-Geschichte in Bottrop liegt im Dunkeln. An das Telegrafennetz zur Übermittlung von Telegrammen ist das Dorf zwar schon seit 1876 angeschlossen, aber wann hier zum ersten Mal ein Telefon klingelt, lässt sich nur ungenau rekonstruieren. Es dürfte auf einer Zeche gewesen sein, die über Fernsprechvermittlungen in Nachbarorten an das Telefonnetz angeschlossen sind. So liegt zum Beispiel Prosper I, die erste Schachtanlage in unserem Raum auf Essener Gebiet.

In Bottrop dauert es bis zum 15. Januar 1901. Da geht das „selbständige Fernsprechamt“ in Betrieb. Die Telefonnummer 1 hat sich natürlich die Dorfverwaltung im Amtshaus (Foto rechts) gesichert – eine Behörde auf der Höhe der Zeit. Das Netz wächst langsam. 1906 hat die „Bottroper Volks-Zeitung“ die Rufnummer 14. Die Brauerei Jansen ist unter „Amt Bottrop, Nummer 21“ zu erreichen. Und mit Kampmann’s Cigarrenhaus am Kirchplatz 5 ist 1912 immerhin schon der „Fernruf 218“ vergeben.

Obwohl die Einwohnerzahl seit 1901 geradezu explodiert ist, hat die einst technisch so fortschrittliche Amtsverwaltung den Anschluss an die Zeit irgendwie verpasst und ist 1911 immer noch nur über eine Telefonleitung mit der Außenwelt verbunden. Doch am 9. Dezember 1912 erkennt auch Amtmann Böckenhoff  (Foto links) die Zeichen der Zeit: Als Vorstoß in Richtung „bürgernahe Verwaltung“ lässt er eine zweite Leitung ins Amtshaus legen. Immerhin zählt die Dorfverwaltung Bottrop zu dieser Zeit bereits 127 Bedienstete (einschließlich der 28 Polizisten).

Und somit ist klar, dass auch die zweite Leitung nicht ausreichen wird. Zumal der eher konservative Amtmann plötzlich Geschmack an den neuen Kommunikationsmöglichkeiten findet: Die zweite Leitung muss dem Verwaltungschef ständig zur Verfügung stehen. Der Ausweg: 1913 wird die erste Fernsprechzentrale mit noch mehr Leitungen im Amtshaus eingerichtet – mit weitreichenden Folgen.

Der schnellere Informationsfluss leitet eine Modernisierung der Verwaltung schlechthin ein. Völlig neue Richtlinien werden in den kommenden Jahren für einen rascheren Verwaltungsbetrieb ausgearbeitet. Anweisungen wie die, dass „jedes Defektwerden eines Aktendeckels dem Amtmann sofort gemeldet“ werden muss, landen im amtlichen Papierkorb.

Der Fortschritt in Bottrop ist nicht zu bremsen. Im Jahr 1919 – das Dorf ist Stadt geworden und hat jetzt ein Rathaus (rechts der Entwurf von 1913) – sind zwei Telefonistinnen für die 225 Stadtbediensteten (einschließlich 53 Polizisten) tätig. Als 1924 im neuen Hauptpostamt am Trappenkamp (Berliner Platz, Foto unten) das erste „Selbstanschluß-Telefonamt“ im Bereich der Oberpostdirektion Münster in Betrieb geht, rüstet auch die Stadtverwaltung auf und hat jetzt eine Haupt- und zwei Untertelefonzentralen.

So bleibt es 28 Jahre lang. 1952, zu Beginn der so genannten Wirtschaftswunderzeit, stehen den 1300 städtischen Beschäftigten (fortan ohne Polizei) 15 Amtsleitungen zur Verfügung. 1963 erhöht sich ihre Zahl auf 20 – bei jetzt 3000 Stadt-bediensteten. 1973 sind die 1500 Beamten, Angestellten und Arbeiter bei der Stadt über 30 Leitungen mit dem Bottroper Volk verbunden.

Foto: Das Telefon macht Brieftauben und -post Konkurrenz.

Kein Vergleich zu heute. Nun ist alles anders. Denn die Verwaltung ist nicht nur über 90 Kommunikationsleitungen mit der Welt verbunden. Die Stadtmitarbeiter nutzen auch 500 Handys, das sind 150 Geräte mehr als vor sechs Jahren. Und im Zeichen des Dauersparens ist auch die Senkung der Telefonkosten ein ständiges Thema. Statt über das bestehende Telefonnetz sprechen die Rathaus-Mitarbeiter an den 29 Verwaltungsstandorten im Stadtgebiet intern längst per Glasfaser oder Funk über das Datennetz. Über 1300 Telefongeräte werden dabei genutzt.

Übrigens: Als Amtmann Böckenhoff 1912 die zweite Telefonleitung ins Amtshaus legen lässt, wird das in einem Zeitungsbericht als „heroischer Entschluß“ gefeiert…

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