Ein Amtmann mit Herkulesjob: Hermann Böckenhoff stirbt 1918

Auf der Böckenhoffstraße dürfte jeder Bottroper schon einmal gewesen sein. Sie führt von der Hans-Böckler-Straße (mit der sie gern mal verwechselt wird) bis zum Rathausplatz. Und damit gibt es schon einen wichtigen Tipp für die Beantwortung der Frage: Nach wem ist Straße benannt?

Als Hermann Böckenhoff (Bild links) am 15. November 1900 zum Amtmann, also zum Verwaltungschef, nach Bottrop berufen wird, mag er ahnen, dass er sich auf einen nicht alltäglichen Job eingelassen hat. Was das dann aber konkret für ihn bedeuten wird, kann er nicht gewusst haben: Es wird eine einmalige und zugleich eine der aufreibendsten Positionen, die in der damaligen Verwaltungsgeschichte zu vergeben sind. Ein Herkulesjob, der den preußischen Amtmann aber mit Stolz erfüllt.

Wenige Zahlen reichen, um das deutlich zu machen. Als Böckenhoff nach Bottrop kommt, hat das größte Dorf in Preußen 24 000 Einwohner. Als der Amtmann am 1. Juni 1918 stirbt, leben hier 78 000 Menschen. Wohl nie hat eine Gemeinde in Deutschland in so kurzer Zeit den Wandel von einem dörflich geprägten Gemeinwesen zu einer Industriestadt vollziehen müssen. Und mittendrin: Amtmann Böckenhoff, der in den Aufzeichnungen fast nur so bezeichnet wird – als wenn er keinen Vornamen hatte.

Grafik oben: Der Plan für das Rathaus aus dem Jahr 1913. Der Turm wird jedoch anders gebaut. Und auch die durchgängig geplanten Arkaden werden nicht so verwirklicht. (Ausriss: BVZ/Bearbeitung: wilb)

Was die Bottroper Verwaltung in den knapp 20 Jahren der Ära Böckenhoff zu leisten hat, zeigt auch ein Blick auf die Bildung, die zu den wichtigsten Aufgaben der Gemeinden gehört: 1900 gibt es in Bottrop 11 Volksschulen mit 56 Klassen, zu Einschulung Ostern 1918 sind es 27 Volksschulen mit 234 Klassen. Und was macht dieser Amtmann den lieben, langen Tag sonst noch so? Er sorgt dafür, dass Straßen gebaut, ausgebaut und endlich gepflastert werden. Böckenhoff setzt sich als weitsichtiger Verkehrspolitiker auch dafür ein, dass das Straßenbahnnetz in Bottrop ab 1910 deutlich ausgebaut wird. Er fördert zudem die Erweiterung der Rohr- und Kabelnetze für die Gas- und Stromversorgung. In seiner Schaffenszeit beginnt 1913 der Bau des monumentalen Bottroper Rathauses, das dennoch bald wieder zu klein sein wird, wie damals das alte Amtshaus.

Eine besondere Herausforderung für die Dorfverwaltung und ihren Chef stellt der Erste Weltkrieg dar. Zunächst durch den Personalschwund. Denn im Laufe der Jahre werden immer mehr Verwaltungsmitarbeiter an die Fronten geschickt – und kommen oft nie wieder. Gegen Ende des Krieges kommen auf die Gemeinde zudem immer mehr Aufgaben zu, wie zum Beispiel die Versorgung der Bevölkerung mit den rationierten Lebensmitteln. Obwohl sich Böckenhoff nach den Überlieferungen während der Kriegszeit keinen freien Tag gönnt, muss er immer wieder Kritik einstecken, wenn es mit der Nahrungsmittelversorgung mal wieder nicht so läuft, wie es sich die Bürger wünschen.

Foto links: Das Grabmal der Familie Böckenhoff auf dem Alten Friedhof. Ein  Hinweis auf die Bedeutung des Amtmannes  fehlt auch 93 Jahre nach Böckenhoffs Tod.

Aus der Würdigung, die am 3. Juni 1918 in der „Bottroper Volkszeitung“ (BVZ) erscheint, hier die letzten Zeilen als Ausriss:

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