Wie schon vor einem Jahr: Bottroper Einkaufssonntag ohne Bezug zu irgendwas. Essen lockt mit Start der Lichtwochen.

Morgen ist es wieder soweit: In der Einkaufsmetropole Bottrop gibt es – wie schon vor einem Jahr – einen verkaufsoffenen Sonntag ohne Bezug zu irgendwas (rechts Plakat-Ausriss). Warum sollte man sich auch Gedanken über ein interessantes Thema, über attraktive Zusatzveranstaltungen machen? Das haben ja schon die Nachbarstädte Essen, Gelsenkirchen und Oberhausen besorgt, die morgen ebenfalls zum Sonntagseinkauf locken und ihn mit buntem Programm zu einem besonderen Ereignis machen.

Beispiel Essen-City, 20 Minuten von Bottrop-Mitte entfernt: Neben den offenen Läden gibt es dort ab 15 Uhr auf dem Willy-Brandt-Platz am Hauptbahnhof, eingangs der Fußgängerzone, Konzerte der Formationen „Ruhrschnellweg“ und den „Ruhrkrainern“ sowie Auftritte von zahlreichen Solisten und Chören. Um 18 Uhr werden die 62. Essener Lichtwochen beginnen. 600 000 LED-Lampen tauchen Plätze und Straßen in eine Lichtflut. Unzählige Lichtkegel verwandeln die Fußgängerzonen in illuminierte Alleen. Gegen 19.30 Uhr beginnt ein Feuerwerk, das synchron zur Musik gezündet wird.

In Bottrop verzichtet man hingegen auf jegliches Programm. Und selbst herbstliche Dekorationen wird man wohl vergeblich suchen. Aber das überschaubare Angebot von Wintersocken und Herbst-Bratpfannen in Bottrop wird das kleine Manko von fehlendem Motto, fehlendem Programm und fehlender Dekoration sicher mehr als ausgleichen.

Karl Reckmann (links), Chef des Bottroper Einzelhandelsverbands, wird auch aufatmen. Da der morgige Verkaufssonntag zunächst durch ein Bürgerbegehren gefährdet war, hatte Reckmann die Zukunft der Einkaufsstadt Bottrop im Sommer noch in düsteren Farben gemalt: Wenn der offene Sonntag gestrichen werde, erwarte er als mögliche Folgen den Vormarsch von Leerständen, Billigläden und Spielhallen in der City. Da Bottrop morgen auf hat, werden jetzt die Leerstände, Billigläden und Spielhallen wohl endlich zurückgehen.

Oder vielleicht auch nicht? Dazu ein Blick ein Jahr zurück: Am 31. Oktober 2010, auch schon ein  verkaufsoffener Sonntag ohne Bezug zu irgendwas, waren ngst nicht alle Geschäfte in der City geöffnet. Und es gab sogar kuriose Situationen. So prangte nachmittags zur besten Einkaufszeit hinter der fest verschlossenen Glastür einer Bäckerei ein Schild „Wir backen heute frische Waffeln“. Fehlte nur ein Zusatz wie: „Aber Ihr Kunden müsst draußen bleiben!“

Ein paar Meter weiter bot eine Apotheke den Einkaufswilligen etwas Besonderes an: einen Ballen mit letzten Strohhalmen (links). In einigen Schaufenstern wurde von den Händlern per Plakat sogar darauf hingewiesen: „Wir handeln“ (oben). Erstaunlich, dass Bottroper Händler das extra betonen müssen. Und wie handeln sie? Auch darauf gab das Plakat eine Antwort: „In herbstlicher Atmosphäre“.

Da hatte sogar die Stadtreinigung – bewusst oder unbewusst – mitgemacht und in der Fußgängerzone etwas buntes Laub liegen gelassen. Kostenlose Naturdeko.

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