31. Oktober 1928: Geburtstag von August Everding

Das Kulturzentrum an der Blumenstraße, einst das von August Everding besuchte Jungengymnasium, trägt heute seinen Namen. Und das seit 1999, jenem Jahr, in dem Everding am 26. Januar stirbt. Damit endet damals ein ungewöhnlicher Lebenslauf, der heute vor 83 Jahren, am 31. Oktober 1928, beginnt.

Everding wird in eine musikalische Familie hineingeboren. Sein Vater, der auch August heißt, ist Organist und gibt Musik-Unterricht in seiner Wohnung an der Gladbecker Straße 71 (s. Ausriss einer Anzeige oben). Klar, dass Everding Jahre später bei einem seiner Bottrop-Besuche selbst an der Orgel von St. Cyriakus sitzt, wie der Bayerische Rundfunk in dem wohl besten filmischen Everding-Portät dokumentiert (oben).

Der Bottroper Ehrenbürger ist Zeit seines Lebens ein international gefragter Theater- und Opernregisseur. Am Wiener Burgtheater ist August Everding ebenso bekannt wie in Bayreuth, Salzburg, Zürich, London oder an der Met in New York. Doch gleich, an welcher Kulturstätte und in welcher Metropole er sich befindet – Everding hat stets mit einem gewissen Stolz gesagt, er sei in Bottrop geboren und habe hier auch das Gymnasium besucht.

Um für seine Stadt zu werben, hat er sie, im Stadtgarten auf seinem Stuhl sitzend, auf einem Videoband vorgestellt und verewigt. Everdings Welt ist vielschichtig. Sie besteht keineswegs nur aus Theater und Oper. Der universell gebildete Generalintendant der Bayerischen Staatstheater plaudert ebenso intelligent wie fachkundig über die Olympischen Spiele und auch über Erziehungswissenschaften oder die Werke von Josef Beuys. Und er macht Filme, meist mit dem Bayerischen Rundfunk, wie etwa den Streifen über Kardinal Ratzinger, den heutigen Papst (Szenenbild oben.)

Immer wieder, wenn es seine Zeit erlaubt, kommt Everding in seine Heimatstadt Bottrop. Wenn gerade ein Tourneetheater hier gastiert und ein Stück aufführt, das er in der Saison vorher selbst inszeniert hat, ist der international gefragte Kulturpapst vor Ort, um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Während der Pause wechselt er dann schnell ein paar Worte mit den Darstellern.

Dann erinnert August Everding an die Schauburg, „ein Bespiel-Theater, es hat mein Leben mitgeprägt“. Und so schreibt er zum Abriss der Schauburg im April 1987 an einen der Initiatoren der Schauburg-Abschiedsgala, an den WAZ-Redakteur Alfons Winterseel, ein paar durchaus kritische Zeilen zur Bottroper Kulturpolitik (die wir links dokumentieren).

Aber die Schauburg-Aufführungen reichen dem jungen Everding nicht. Im Gespräch erinnert sich Everding später genau, wie er „zu Fuß nach Oberhausen ins Theater marschiert“ ist. Dort habe er einen Hamlet gesehen, der ihn verändert habe. Die Begegnung hat Folgen.

Der junge Bottroper wird Regieassistent bei Fritz Kortner und Hans Schweikart. Zuvor studiert er Philosophie, Theologie, Germanistik und Theaterwissenschaften in Bonn und München. In der bayerischen Metropole wird er auch Oberspielleiter sowie Schauspieldirektor an den Münchener Kammerspielen und schließlich Intendant. Er inszeniert in Bayreuth und Salzburg, in Florenz und San Francisco, in Melbourne ebenso wie in Buenos Aires.

Die Hamburger Staatsoper holt August Everding als Intendant, die Münchener holen ihn zurück und vertrauen ihm als Generalintendant die gesamten bayerischen Staatstheater an. Außerdem ist der Bottroper Präsident des Deutschen Bühnenvereins sowie Professor an der Hochschule für Musik in München.

Dieser Beitrag wurde unter 1901-1950, 1991-2010, Allgemein, Karrieren, Kirchen, Kultur, Stadtmitte abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>