Die Bottroper Hauptpost von 1924 – ganz neu gesehen.

Die Umgestaltung des Berliner Platzes in den vergangenen Jahren hat völlig neue Perspektiven geschaffen. Wie diese (Foto oben): Wenn das Sonnenlicht gegen Abend auf die Nordseite, also die Hauptfassade, der Hauptpost trifft, spiegelt sich diese historische Front in der Glasfassade des neuen „Spangengebäudes“, das den Berliner Platz wie ein riesiger Riegel vom ZOB trennt. Stadtgeschichte diesmal also nicht in zwei Bildern, sondern sogar nur in einem Bild: 1924 (Post) und 2009 („Spangengebäude“).

Aus einer ungewöhnlichen Perspektive kann man die Post auch während der Bauarbeiten zur Umgestal- tung des Berliner Platzes (2007/ 2009) erleben. Wer sich in Bottrops größte Baugrube wagt, erblickt einen imposanten  Postbau. Ein Bild, das nur drei Jahre später Geschichte ist. Nicht wiederholbar. Aber auch aus diesem Blickwinkel zeigt sich die Hauptpost als eines der wenigen Bauwerke in Bottrop, das sich im Laufe der Jahrzehnte kaum verändert hat und mit dem sich die Bürger dieser Stadt identifizieren können. Auch das macht eben Geschichte aus: Wer die Wurzeln kennt, fühlt sich hier schneller heimisch. Genau das ist ein Ziel von „Bottroper Geschichte – ganz frisch“. Doch das sei nur mal wieder am Rande erwähnt.

Zwar sind die Eingänge der Post im Laufe der Zeit mal hierhin, mal dahin verlegt worden. Aber der Wiedererkennungswert des Gebäudes ist enorm. Trotz der Neubauten rechts und links (1981 Hansazentrum, 2009 Kaufland) hat die Post ihre dominierende Stellung auf dem Berliner Platz nicht eingebüßt.

Und das nun schon seit 1924. Am 9. Dezember wird das Gebäude eröffnet (Foto unten). „Mit einem dreifachen Hoch auf das deutsche Vaterland“, so berichtet ein Zeitungsreporter, wird das Haus am Trappenkamp (wie der Berliner Platz damals noch heißt) vom Präsidenten der Oberpostdirektion Münster und vom damaligen Bottroper Oberbürgermeister Baur seiner Bestimmung übergeben. Nicht ohne den Wunsch, „Gott möge das Haus segnen, dass es immer zum Segen der Beamten und Bürgerschaft wirken möge“. Diese Reihenfolge „Beamte, Bürger“ gilt übrigens heute noch, wenn man die zeitweise langen Schlangen von Bürgern sieht, die sich brav anstellen, um eine Audienz bei den wenigen “Postbeamten” hinter dem Schalter zu bekommen. Manchmal nur, um ihnen zu sagen, dass der Briefmarkenautomat draußen mal wieder kaputt ist.

Auch so gesehen hat sich seit 1924 nicht viel geändert. Für die Deutsche Post AG jedoch schon: Das „Hauptpostamt“ hat sich eigentlich in seine Bestandteile zerlegt. Denn es ist schon längst kein „Amt“ mehr, aber es ist auch keine „Post“ mehr, sondern ein „Postbank-Finanzcenter“. Die „Hauptpost“ ist also eine „Bank“ und wird von der Postbank betrieben, und deren Mitarbeiter verkaufen nur so nebenbei auch Briefmarken oder nehmen Pakete an. Das mag den manchmal recht muffigen Umgang mit den Kunden erklären. Denn welcher Banker verkauft schon gern kleine Märkchen, wo er doch die große Mark, äh… den großen Euro drehen könnte…

Übrigens: Trotz des HauptBankPostCenterAmts am „Berliner Platz 6“ tobt sich die Deutsche Post AG am Berliner Platz so richtig aus. Unter der Adresse „Berliner Platz 5“ gibt es einen „Verkaufspunkt für Briefmarken“ und am „Berliner Platz 8“ eine „Postfiliale im Einzelhandel“.

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Eine Antwort auf Die Bottroper Hauptpost von 1924 – ganz neu gesehen.

  1. Geffert sagt:

    Ich möchgte gerne wissen, wer Anfang der 50-er Jahre Leiter der Hauptpst am Berliner Platz war. Gibt es dazu Informationen? Vielleicht ein Archiv?

    Viele Grüße
    U. Geffert

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